Montag, 10. April 2023

Rezension zu "Die Liebe an miesen Tagen" von Ewald Arenz

Zum Buch

 



Clara, Elias und die Liebe


Vom ersten Moment an wissen Clara und Elias, dass sie füreinander bestimmt sind. Damit ändert sich alles: Elias kann nicht länger verdrängen, dass er mit seiner Freundin in einem falschen Leben steckt. Und für Clara wird es Zeit, das Alleinsein aufzugeben. Auf das wilde Glück der Anfangszeit folgt die erste Bewährungsprobe, und die beiden zweifeln und kämpfen mit- und umeinander. Kann man, nicht mehr ganz jung und beladen mit Lebenserfahrung, noch einmal oder überhaupt zum ersten Mal die große Liebe finden?
(Quelle: Inhaltsangabe - DuMont Verlag)





Von Ewald Arenz habe ich bereits Der große Sommer und Alte Sorten gelesen, bei denen mir besonders der klare und detaillierte Schreibstil sehr gefallen hat. Auch sein neuer Roman Die Liebe an miesen Tagen hat diesen besonderen Erzählstil.


Die Hauptfiguren sind Clara und Elias, die zwei völlig unterschiedliche Leben führen: Clara arbeitet als Fotografin und lebt nach einem großen Schicksalsschlag schon lange allein. Elias, der als Schauspieler auf der Theaterbühne zuhause ist, führt eine Beziehung, die nicht vollständig ist. Er liebt Vera nicht. Als Clara und Elias sich zufällig begegnen, merken sie vom ersten Augenblick an, das es passt.
Nach einiger Zeit voller Glück steht eine wichtige Entscheidung an – plötzlich werden Unsicherheiten deutlich – hat ihre Liebe überhaupt eine Chance? Schließlich fasst Clara einen Entschluss – doch kurz darauf überschlagen sich die Ereignisse…

Schon auf den ersten Seiten wird man von dem ruhigen und sehr klaren Erzählstil des Autors mitgenommen. Er beschreibt sowohl die Natur, als auch die Schauplätze und kleinste Momentaufnahmen intensiv, detailreich und manchmal auch etwas poetisch.


„Das Café war nur zur Hälfte besetzt. Die Musik leise und unaufdringlich. Das Zischen der Kaffeemaschine, das gedämpfte Klappern von Geschirr, das durchscheinende Gewebe aus Gesprächen, von denen man nur die Stimmung mitbekam, die man aber nicht verstand – er liebte das.“ – Seite 24, eBook

„Es war dieser Wintertag mitten im Frühling. Das Singen der Vögel passte so gar nicht zum wirbelnden Weiß. Es klang wie ein Versprechen, das gegeben wurde, wenn man es am wenigsten erwartete. Ein Versprechen, dass alles anders würde. Dass es in ihm nicht kalt bleiben musste.“ – Seite 98, eBook


Ebenfalls bekommt Claras Beruf und Leidenschaft – die Fotografie – zu Anfang einen zentralen Platz, was mir sehr gut gefallen hat. Beide Charaktere sind sehr gut ausgearbeitet und die Blickwinkel wechseln regelmäßig zwischen den beiden, sodass man einen guten Einblick in deren Gefühle, Sorgen und Gedanken bekommt. Clara und Elias sind zwei völlig unterschiedliche Personen, aber es wird schnell klar, dass sie gut zusammenpassen. Besonders ihre Dialoge sind erfrischend.

„Fremde Vertrautheit. Ließ sich die Stimmung zwischen ihnen so benennen? Sie sprachen miteinander, als würden sie sich schon lange kennen, aber trotzdem war da dieses Prickeln der Fremdheit.“ – Seite 81, eBook



Der Roman lässt sich angenehm lesen und hat einige bewegende Momente. Auch die Nebencharaktere, wie Elias‘ Tochter Jule oder Claras Bruder Jan kommen sehr gut zur Geltung. Anfangs eher ruhig, wird es im letzten Drittel etwas dramatisch – man kann das Buch dann nur noch schwer aus der Hand legen, da man unbedingt wissen möchte, wie es ausgeht.


Mein Fazit: Ein gelungener Roman, in dem der schöne und detaillierte Schreibstil von Ewald Arenz wieder sehr gut zur Geltung kommt. Bildgewaltig und etwas poetisch beschreibt er die Natur, Schauplätze und bestimmte Momentaufnahmen. Die Charaktere sind stark gezeichnet und die Liebe zwischen ihnen wird deutlich – an guten und an miesen Tagen. Überwiegend ruhig erzählt, aber auch oft bewegend und auf besondere Weise packend. Ein sehr lesenswertes Buch.


Meine Bewertung:




Titel: Die Liebe an miesen Tagen
Autor: Ewald Arenz
Genre: Gegenwartsliteratur
Seitenanzahl: 384
Verlag: DuMont
Erstveröffentlichung: 16. Januar 2023




Vielen Dank an den DuMont-Verlag und Netgalley für das Rezensionsexemplar!

Donnerstag, 6. April 2023

Rezension zu "Sternwanderer" von Neil Gaiman

Zum Buch


Die Suche nach dem gefallenen Stern

Das kleine Dörfchen Wall hat eine ganz besondere Attraktion: eine unscheinbare Mauer, die durch das Land verläuft und in der sich eine Pforte in die Welt der Feen befindet. Durch diese Pforte tritt der junge Tristran, um seiner Angebeteten Victoria einen vom Himmel gefallenen Stern zu bringen. Doch bald schon muss er feststellen, dass er ist nicht der Einzige ist, der es auf diesen Stern abgesehen hat.
(Quelle: Inhaltsangabe - Eichborn Verlag)


Sternwanderer erschien in deutscher Übersetzung erstmals im Jahr 2000. Die aktuellste Ausgabe des berühmten Romans von Neil Gaiman erschien im Februar 2022 mit einem wunderschönen neuen Cover im Eichborn Verlag.



Im viktorianischen England: Das kleine Dörfchen Wall liegt versteckt zwischen Wäldern und hat eine Besonderheit: an der Ostseite führt eine lange hohe Mauer entlang, die nur einen Durchgang hat, der Tag und Nacht bewacht wird. Denn hinter der Mauer beginnt das Feenreich – mit vielen Verlockungen und Gefahren. Doch alle neun Jahre findet auf der Wiese hinter der Mauer ein Jahrmarkt statt, auf dem die Völker miteinander handeln dürfen.

„Es gab Wunder zu kaufen, Mirakel und Sensationen; Dinge wurden feilgeboten, die sich niemand träumen ließ, unerklärlich und fantastisch.“ – Seite 20, eBook


An diesem Tag trifft der junge Dunstan Thorn auf ein versklavtes Feenmädchen, dessen Begegnung Folgen hat…

Viele Jahre später macht sich Dunstans Sohn Tristran auf den Weg zu einer abenteuerlichen Reise: Er möchte dem Mädchen Victoria, in das er verliebt ist, den Stern bringen, der eines Nachts vom Himmel gefallen ist. Dafür tritt er mithilfe seines Vaters durch die Pforte ins Feenland und macht sich auf die Suche. Doch schnell wird klar, dass Tristran nicht der Einzige ist, der auf der Suche nach dem gefallenen Stern ist. Es gibt noch weitere, die diesen in ihren Besitz bringen wollen – jeder mit ganz eigenen Plänen…

„Mit einer Handbewegung umschloss er das Dorf Wall unter ihnen und den Nachthimmel über ihnen. Im Sternbild des Orion, tief am östlichen Horizont, blitze ein Stern, funkelte und fiel.“ – Seite 39, eBook


Der Fantasyroman ist im Stil eines Märchens geschrieben, mit einigen dunklen Zügen, die ab und an aufblitzen. Neben der Hauptfigur Tristan lernen wir auch den geheimnisvollen Stern kennen, auf den es mehrere Personen abgesehen haben. Tristrans Reise durch das magische Reich und die Begegnungen mit den nicht immer ganz menschlichen Bewohnern lässt sich gut verfolgen. Sehr gefallen haben mir auch die Beschreibungen des Feenlandes, das viel Magisches, aber auch Düsteres verbirgt.

„Im Dämmerlicht schienen die Bäume sich ihnen zu nähern, obwohl er keine Bewegung wahrnehmen konnte." – Seite 60, eBook


Der Verlauf selbst ist interessant, der Erzählstil ist sehr abwechslungsreich – mal ziemlich märchenhaft, dann etwas rau und brutal und dann wieder etwas leichter mit viel Magie. Manchmal fand ich diese Wechsel zwischen den Stilen etwas zu abrupt – ich musste mich erst dran gewöhnen. Im Gesamten hat mir das Buch aber gut gefallen. Das Ende hält noch eine Überraschung bereit und ist stimmig.


Mein Fazit: Ein Fantasyroman mit einem überraschenden Verlauf und außergewöhnlichem Stil: Mal märchenhaft leicht und magisch, dann mal wieder rau und düster. Damit ändert sich auch jedes Mal der Schreibstil - an diese Wechsel musste ich mich erst gewöhnen. Die Schauplatzbeschreibungen sind detailreich und auch die Entwicklung der Story ist überraschend – besonders das Ende hat mir gut gefallen. Lesenswert.


Meine Bewertung:





Titel: Sternwanderer
Autor: Neil Gaiman
Genre: Fantasy / Märchen
Seitenanzahl: 240
Verlag: Eichborn
Erstveröffentlichung: 2000
Neuveröffentlichung: 25. Februar 2022


Dienstag, 4. April 2023

Rezension zu "Der Ozean am Ende der Straße" von Neil Gaiman

Zum Buch

 



Der geheimnisvolle Ozean

Sussex, England. Ein Mann kehrt in seinen Heimatort zurück. Wie durch Magie zieht es ihn zu der Farm am Ende der Straße. Dort ist ihm damals ein bemerkenswertes Mädchen begegnet: Lettie Hempstock. Der Mann hat seit Jahrzehnten nicht mehr an sie gedacht. Doch nun, als er an dem Teich sitzt, der angeblich ein Ozean sein soll, kehren die Erinnerungen wieder zurück. Erinnerungen an eine Welt, in der Menschen nichts zu suchen haben. Und in der etwas Böses lauert, das seine Finger nach ihm ausstreckt ...
(Quelle: Inhaltsangabe - Eichborn Verlag)






Der Ozean am Ende der Straße habe ich vor mehreren Jahren zum ersten Mal gelesen und war überrascht von dieser sehr besonderen Fantasy-Geschichte. Das Buch erschien erstmals im Jahr 2014 auf Deutsch. Im Jahr 2021 wurde nun eine wunderschön illustrierte Schmuckausgabe im Eichborn-Verlag veröffentlicht. Diese habe ich mir für meinen re-read ausgesucht.




Im Mittelpunkt steht ein erwachsener Mann, der nach langer Zeit aufgrund einer Beerdigung in seinen Heimatort zurückkehrt. Neugierig besucht er auch die Straße, in der er aufgewachsen ist. Sein Elternhaus steht längst nicht mehr, doch er interessiert sich für etwas anderes: Die Farm am Ende der Straße. Dort wohnte damals, zusammen mit ihrer Mutter und Großmutter, das Mädchen Lettie Hempstock. Seltsamerweise hat er in den letzten Jahren nie an sie gedacht, doch plötzlich kehren alle Erinnerungen schlagartig zurück: An Lettie und an den Ententeich hinter dem Haus, von dem sie behauptete, das dieser in Wirklichkeit ein Ozean ist. Der Mann erinnert sich an seine Vergangenheit, in der von heute auf morgen einiges seltsam und immer beängstigender wurde und er schließlich mit Lettie dem Unheimlichen entgegentreten musste…

"Kindheitserinnerungen liegen manchmal unter den Dingen verborgen, die später passiert sind, wie Spielzeug, das vergessen auf dem Boden eines Kleiderschranks liegt, aber nie ganz verloren ist." - Seite 14


Das Buch ist in der Ich-Perspektive aus der Sicht des namenlosen Mannes geschrieben, der von seinen Erinnerungen erzählt: Von der damals elfjährigen Lettie Hempstock und dem Ozean, der einige Geheimnisse verbirgt und von Dingen, die nicht von dieser Welt stammen. Damals war er sieben Jahre alt, als seine Welt plötzlich aus den Fugen geriet und die Grenzen der Realität immer mehr verschwimmen…

"Ich wollte nicht, dass sie existierte, diese Brücke zwischen meinen Träumen und der Realität."
- Seite 56


Die ganze Geschichte umgibt eine leichte unheimliche Atmosphäre. Der Verlauf ist völlig überraschend und wird auch mal ziemlich gruselig – anfangs voller Rätsel und Geheimnisse, später wird vieles immer klarer. Manchmal etwas skurril und immer etwas mysteriös, gleichzeitig aber auf besondere Weise magisch und auch etwas poetisch. Mir hat besonders das letzte Drittel sehr gut gefallen.

„Vielleicht waren es zwanzig. Oder eintausend. Erklären konnte ich das nicht; möglicherweise stammten sie aus einer Welt, wo dergleichen keine Geltung hatten, von irgendwo außerhalb von Zeit und Zahl. (…)
So viele Schatten.
Und sie starrten uns an."
– Seite 241


Perfekt auf dieses außergewöhnliche Fantasy-Märchen sind die Illustrationen abgestimmt. Diese stammen von der Illustratorin Elise Hurst, die mit ihren Tuschezeichnungen besonders die düsteren Abschnitte perfekt wieder gibt. Manches ist klar gezeichnet, anderes nur verschwommen angedeutet, mal sind die Seiten komplett schwarz mit weißer Schrift – die jeweiligen Abschnitte und deren Atmosphäre hat sie sehr gut getroffen.
Das ganze Buch ist ein Kunstwerk – das HC ist hochwertig, hat ein wunderschönes Cover und etwas dickere Seiten. Die Geschichte ist in dieser Ausgabe nochmal ein ganz besonderes Leseerlebnis.






Mein Fazit:
Eine besonderes Fantasy-Märchen, das ein wenig poetisch, aber gleichzeitig auch überraschend gruselig ist. Es wird geheimnisvoll, magisch-düster und mit Geschehnissen, die nicht von dieser Welt sind. Mal etwas skurril und in jedem Fall außergewöhnlich, aber gleichzeitig auch sehr gelungen. Ein märchenhaft-gruseliges Leseerlebnis – besonders in der wunderschönen Schmuckausgabe, deren Illustrationen die unheimliche Atmosphäre perfekt wiedergibt.


Meine Bewertung:




Titel: Der Ozean am Ende der Straße
Autor: Neil Gaiman
Illustratorin: Elise Hurst
Genre: Fantasy / Phantastik
Seitenanzahl: 336
Verlag: Eichborn
Erstveröffentlicung: 2014
Neuveröffentlichung: 30. April 2021 (Illustrierte Schmuckausgabe)




Sonntag, 2. April 2023

Rezension zu "Zeit der Schuld" von Deepti Kapoor

 


Zum Buch


Von Schuld und Rache...


Geboren in einem kleinen Dorf im nördlichen Indien wird Ajay als Kind seiner Familie entrissen und an ein kinderloses Ehepaar verkauft. Von früh bis spät arbeitet er in der Landwirtschaft des Ehepaars, er lernt lesen und schreiben, lernt zu beobachten – und er lernt zu dienen.Als sein Dienstherr stirbt, findet Ajay Arbeit in einem Café – und dort macht er eine schicksalsweisende Bekanntschaft: Sunny Wadia, Abkömmling des einflussreichen Wadia-Clans, verbringt dort mit seinen Freunden das Wochenende. Ajay wird Sunnys rechte Hand und nicht nur in die politischen Machenschaften der Wadias, sondern auch in die verbotene Liebesbeziehung zwischen Sunny und der Journalistin Neda hineingezogen. Er würde für Sunny alles tun - ohne zu ahnen, dass sein größter Loyalitätsbeweis Sunny, Neda und ihn selbst in eine Spirale der Gewalt verstricken wird.  (Quelle: Inhaltsangabe - Blessing Verlag)



Zeit der Schuld ist der erste Roman der indischen Autorin Deepti Kapoor, der auf Deutsch erschienen ist. Dieser ist ziemlich beeindruckend geschrieben und fesselt von der ersten Seite an.

Einer der Hauptfiguren ist der junge Ajay, der in einem kleinen indischen Dorf in ärmlichen Verhältnissen aufwächst. Doch mit acht Jahren wird er von seiner Familie getrennt und verkauft – an ein Ehepaar in den Bergen. Fortan arbeitet er für die beiden, die Landwirtschaft und ein großes Haus besitzen. Dazu lernt er lesen und schreiben und entwickelt eine gute Beobachtungsgabe. Doch als sein Dienstherr Jahre später stirbt, muss er das Haus verlassen.
Bei seinem neuen Job in einem nahegelegenen Café lernt er den reichen Sunny Wadia kennen – eine Bekanntschaft, die sein weiteres Leben für immer verändern wird. Sunny ist der Sohn von Bunty Wadia, der über den mächtigen Wadia-Clan herrscht und vor nichts zurückschreckt.
Ajay wird Sunnys persönlicher Assistent, ist immer zur Stelle, wenn dieser ihn braucht und führt alle ihm aufgetragenen Aufgaben aus. Er sieht und hört viel – und schweigt.


„In diesen überschäumenden Nächten beobachtet er den Verfall einiger der schönsten Menschen, die er je gesehen hat, er selbst unsichtbar zwischen sich streitenden und lachenden und diskutierenden, brüllenden und küssenden und kämpfenden und umherspringenden Leuten.“
– Seite 65, eBook


Als die junge Journalistin Neda ist Sunnys Leben tritt, ändert sich einiges. Sunnys und Neda führen eine heimliche Beziehung, die sein mächtiger und skrupelloser Vater niemals billigen würde. Ajay, der Sunny bewundert, wird immer mehr in verschiedenste Verstrickungen hineingezogen und in eine gefährliche Spirale aus Rache und Gewalt…

Schon von der ersten Seite an beeindruckt der starke Erzählstil der Autorin: Direkt, schnörkellos und bildgewaltig. Die Handlung wechselt regelmäßig zwischen verschiedenen Zeitebenen und den Charakteren – sowohl Haupt- und Nebenfiguren. So erlebt man die jeweiligen Geschehnisse aus verschiedenen Blickwinkeln – wo in einem Abschnitt noch Fragen offenbleiben, werden diese im nächsten beantwortet. So verbinden sich schließlich die einzelnen Puzzleteile zu einem Gesamtbild, das überrascht – und manchmal auch heftig ist.
Nach und nach kommen Geheimnisse ans Licht und tiefe Verstrickungen, mit denen man nie gerechnet hat, werden sichtbar.
Die Figuren sind klar gezeichnet, auch die verschiedenen Schauplätze in Indien werden sehr detailreich und klar beschrieben. Es wird mal berührend und traurig, mal rau und sehr brutal und auch packend und dramatisch.

„Sie redeten eine Weile aneinander vorbei, wieder und wieder, jeder auf seiner Perspektive auf eine Geschichte beharrend, die keinen Zusammenhang ergab, die sich im Kreis drehte.“ – Seite 245, eBook

Auch die zum Teil großen Veränderungen, die die einzelnen Charaktere durchmachen wird hautnah geschildert – nach und nach kommt einiges ans Licht und zeigen natürlich auch auf, wie es zu dem schrecklichen Unfall im ersten Kapitel kam.
Zwischen Armut und Reichtum, Korruption, Schuld und Rache und natürlich der Kampf um Gerechtigkeit – vieles wird in diesem eindrucksvollen Roman sichtbar, der noch lange nachhallt.

„Er hatte nichts zu sagen. Was gab es auch zu sagen? Es war die Wahrheit und beide wussten es. Neda schloss die Augen und war bereits eingeschlafen, bevor sie Zeit gehabt hätte zu bemerken, wie sie in der Dunkelheit versank.“ – Seite 247, eBook


Mein Fazit: Ein Roman mit beeindruckendem Erzählstil, der einen von der ersten Seite an packt und nicht mehr loslässt. Stark gezeichnete Charaktere, deren Leben sich nach und nach miteinander verbinden und ein überraschendes und manchmal heftiges Gesamtbild ergeben. Mal bewegend und traurig, dann wieder rau und auch mal ziemlich brutal – der Roman hat einiges zu bieten und ist nicht ohne. Gleichzeitig aber packend und sehr bildgewaltig geschrieben. Ein Buch, das man nicht so schnell vergisst – eine Leseempfehlung!


Meine Bewertung:




Titel: Zeit der Schuld
Autorin: Deepti Kapoor
Genre: Gegenwartsliteratur / Drama
Seitenanzahl: 688
Verlag: Blessing
Erstveröffentlichung: 01. März 2023

Vielen Dank an das Bloggerportal und Blessing für das Rezensionsexemplar!