Dienstag, 16. April 2024

Rezension zu "Das andere Tal" von Scott Alexander Howard


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Das Tal zwischen Vergangenheit und Zukunft


Dieses Tal ist ein besonderer Ort. Geht man nach Osten oder Westen, stößt man auf die gleichen Häuser, Hügel, Straßen – doch alles ist zwanzig Jahre zeitversetzt. Nur in Trauerfällen dürfen die Grenzen passiert werden. Als die junge Odile in Besuchern aus der Zukunft die Eltern ihres Freundes Edme erkennt, weiß sie, dass er bald sterben wird. Was wäre, wenn Odile das ihr auferlegte Schweigen bricht? Ein bewegendes und außergewöhnliches Debüt über Freiheit und die Macht des Schicksals.
(Quelle: Inhaltsangabe - Diogenes Verlag)







Das andere Tal ist der Debütroman von Scott Alexander Howard und überzeugt mit einer außergewöhnlichen Geschichte und schöner Schreibweise.

Hauptfigur hier ist die anfangs sechzehnjährige Odile Ozanne, die in einem besonderen Tal lebt. Denn dieses Tal ist eines von vielen Identischen, die aneinandergereiht sind – im Westen geht es in die Vergangenheit und im Osten in die Zukunft, mit Sprüngen von je zwanzig Jahren. Das Übertreten der ständig bewachten Grenzen oben in Gebirgszügen ist strengstens verboten. Nur bei Trauerfällen darf die Grenze nach einem sorgfältig geprüften Antrag überschritten werden – um die Verstorbenen noch ein letztes Mal zu sehen.
Odile, die ein eher schüchternes und einsames Mädchen ist, steht gerade vor der Berufswahl und bewirbt sich auf Wunsch ihrer Mutter um eine Ausbildungsstelle im Conseil, wo viele wichtige Entscheidungen getroffen werden, u.a. auch über die Besuchsanträge für die Nachbartäler. Doch eines Tages macht sie eine erschreckende Entdeckung: Unter den eigentlich immer verhüllten Besuchern aus der Zukunft erkennt sie die Eltern von Edme Pier. Gerade hat sie in dem sympathischen Jungen einen Freund gefunden, für den sie auch Gefühle entwickelt hat – die Gewissheit, dass er womöglich bald sterben wird lastet schwer auf sie. Denn Odile ist es verboten, darüber zu sprechen. Doch was würde passieren, wenn sie ihr Schweigen bricht oder ins Geschehen eingreift?

„Momentan versuche ich die ferne Zukunft in die Dunkelheit zu drängen, wo ich mich ihr noch nicht stellen musste. Was sollte man sonst tun mit einer Gewissheit, die zugleich unfassbar war, einer Trauer, über die ich nicht sprechen durfte?“ – Seite 97, eBook


…dieses ist tatsächlich nur ein kleiner Einblick in die Geschichte, die sich interessant und manchmal auch überraschend entwickelt. Schon auf den ersten Seiten wird der angenehme Schreibstil sichtbar: sehr ruhig, doch gleichzeitig detailreich und mit einer besonderen Tiefe erzählt der Autor eine Geschichte mit einem außergewöhnlichen Szenario. Die Handlung ist in der Ich-Perspektive aus der Sicht von Odlie Ozanne geschrieben, wodurch man nicht nur die junge Frau und ihr Umfeld kennenlernt, sondern auch nach und nach mehr über das besondere Tal erfährt.
Das Buch ist in zwei Teile aufgeteilt, mit einem Zeitsprung von mehreren Jahren. Dadurch lernen wir Odile zunächst als Teenager und später als erwachsene Frau kennen – es wird sehr klar beschrieben, wie ihr weiterer Lebensweg verlaufen ist, mit welchen Wünschen, Sorgen und Problemen sie zu kämpfen hat. Es gibt einige überraschende Entscheidungen und natürlich ist Edme nie ganz verschwunden…

„Ich war atemlos und rannte trotzdem weiter. Ich hielt erst inne, als ich den Zaun vor mir aus dem Berg aufragen sah, im Sonnenlicht grell aufblitzender, silberner Stacheldraht, ein Himmel aus Messern.“ – Seite 155, eBook


Nebenher wird auch die Lebensweise der Menschen im Tal immer deutlicher – auch wie alles funktioniert, wie Reisen in die Nachbartäler ablaufen und natürlich die strengen Regeln, die alles umgeben. Es ist eine Mischung aus einer Art Zeitreise und einer leicht dystopischen Note ohne Science-Fiction, gleichzeitig aber auch ein sehr ruhiger Roman mit philosophischen und manchmal leicht poetischen Beschreibungen. Manches bleibt bewusst wage und lässt Platz für eigene Interpretationen, was hier sehr gut passt.

Nur ab und an gab es Momente, wo die Geschichte nicht richtig vom Fleck kam, doch dieses ist nur ein kleiner Kritikpunkt. Am Ende des Romans gibt es noch ein sehr lesenswertes Interview mit dem Autor, der schon an seinem zweiten Roman arbeitet.

„Das Licht des Sonnenuntergangs füllte den Salon, tauchte die Wände in seine Farbe. In der Dämmerung wurden die verbleibenden Schülerinnen und Schüler zu Schattengestalten: gebeugt vor Fürsorge im Raum der goldenen Trauer.“ – Seite 148, eBook


Mein Fazit:
Ein bemerkenswertes Debüt mit einer außergewöhnlichen Geschichte und schöner Schreibweise. Eher ruhig und doch mit einer besonderen Tiefe erzählt der Autor von einem Tal zwischen Vergangenheit und Gegenwart und entwickelt hier ein sehr interessantes Szenario. Mal philosophisch und leicht poetisch, dann bewegend und etwas dystopisch, aber ohne Science-Fiction. Ein besonderer Roman – ich hoffe, dass wir von dem Autor noch einiges lesen werden.


Meine Bewertung:




Titel: Das andere Tal
Autor: Scott Alexander Howard
Übersetzt von: Anke Caroline Burger
Genre: Roman
Seitenanzahl: 464
Verlag: Diogenes
Erstveröffentlichung: 20. März 2024


Vielen Dank an den Diogenes-Verlag und Netgalley für das Rezensionsexemplar!


Donnerstag, 11. April 2024

Rezension zu "Schnitzel Surprise" von Markus Heitz

 

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Von schrägen TV-Formaten und plüschigen Kuschelschnitzeln

Thomas „Thom“ Mann ist Inhaber des "Manni’s Schnitzeleck“, in dem noch die 80er herrschen. Der Mittvierziger war einst der beste Koch-Azubi seines Jahrgangs, hatte ein eigenes Restaurant und den ersten Stern in Griffweite. Doch dann endete der steile Aufstieg im „Schnitzeleck“, wo die Gerichte „Schnitzeltod in Venedig“ und „Der Frittenberg“ heißen.
Thom droht das finanzielle Ende, als mit Max ein junger, findiger TV-Produzent auf ihn aufmerksam wird, der ihn in den Mittelpunkt von neuen Koch-Show-Formaten stellt. Was im Internet als Test am besten läuft, soll zur Primetime ins TV!

Schon ist der verschuldete Thom erzwungenermaßen mitten drin im Kochzirkus: Er soll bei „Restaurantretter am Limit“ eine möglichst schlechte Figur machen, eine Koch-Kuppel-Show moderieren, sich „um Topf und Kragen“ kochen, bei „Kitchen Machinista“ Küchengeräte testen. Und vieles Absurde mehr. Das volle Küchenchaos ist bereits vorprogrammiert, inklusive eines fiesen Lebensmittelkontrolleurs, der absichtlich Ärger im "Schnitzeleck" macht.
(Quelle: Auszug aus der Inhaltsangabe - Knaur Verlag)


In seinem neuen Roman Schnitzel Surprise widmet sich der Autor Markus Heitz den unzähligen Koch- und Backshows aus dem TV und nimmt diese aufs Korn – mit richtig viel Humor.
Ein kleines Geständnis von mir vorab: Ich mag absolut keine TV-Kochshows. Egal ob es ums Backen, Kochen oder Grillen geht – es ist alles irgendwie so unspannend. :D
Trotzdem – oder gerade deshalb – war ich gespannt auf diese Persiflage und muss sagen, dass mir das Buch richtig gut gefallen hat.

Hauptfigur hier ist Thomas „Thom“ Mann, in dessen Kneipe „Mannis Schnitzeleck“ die Gäste ausbleiben. Der dort herrschende 1980er Jahre Flair ist echt und seine Schnitzelgerichte werden überwiegend von seinen beiden Stammgästen und besten Freunden gegessen: Halbglatzen-Martin und Schnurrbart-Stefan. Die zahlreichen Lebensmittelallergien seines sechzigjährigen Azubi Boris und die sehr gut laufende Filiale einer Asia-Burgerkette direkt gegenüber, die von seiner Ex Sabine betrieben wird, sind da nicht hilfreich.

Doch plötzlich ändert sich Thoms Leben, als der junge hippe TV-Produzent Max ihn für mehrere Testläufe verschiedener Kochformate castet. Die Beliebtesten sollen dann ins TV-Programm des Privatsenders Sat7 VoxTL aufgenommen werden. Ob als Moderator von schrägen Koch-Kuppelshows wie Bäcker sucht Frau oder Dates First – Ein Tisch und Zwei und Produkttester bei Kitchen Machinista bis hin zum Gastjuror bei The Löffelchen – Thom macht alles mit und gibt seine ganz eigenen Kommentare dazu.

Doch nach einiger Zeit merkt er, dass nicht alles so läuft wie es soll. Die Vorstellungen von Sender und Koch gehen immer weiter auseinander und schon ist das Chaos und der Ärger vorprogrammiert. Schließlich nimmt das Unheil seinen Lauf…

Die Geschichte ist ziemlich einfach geschrieben und super schräg. Der Humor hier ist speziell – trocken und auch mal herrlich schwarz mit jeder Menge Wortspielen. Der Autor widmet sich hier sämtlichen Kochshow-Formaten und wandelt diese auf sehr lustige Weise ab. Dazu gibt am Ende eines jeden Kapitels noch interessante Zitate zu Themen rund ums Kochen.

Im Laufe der Handlung wird es herrlich schräg – angefangen bei dem Namen der Hauptfigur – Thomas Paul Mann, der zwar seinen berühmten Namensvetter nicht besonders gut kennt, aber dessen Romantitel für seine Schnitzelgerichte herhalten müssen wie beispielsweise „Schnitzeltod in Venedig“. Es gibt ganz eigene Charaktere, skurrile Situationen und natürlich viele Wortspielereien und -witze.

„Ah, nicht wieder die alte Leier“, erwiderte Thom im Versuch, ihn aufzuhalten. „Du klingst wie der Märchenonkel aus der Hölle.“
Passend dazu tönten wuchtige Schläge aus der Küche. Das Schnitzelfleisch wurde verprügelt.
– Seite 27, eBook


Meine Lieblingswörter sind eindeutig „Panadabär“ und das plüschige „Kuschelschnitzel“. Letzteres gibt es wirklich und wurde von Markus Heitz und dem Knaur-Verlag auf der Leipziger Buchmesse verteilt – unter dem Hashtag #Kuschelschnitzel gibt es auf Social-Media viele lustige Bilder dazu.

„Scheiße, Thom! Wehe, du machst das nicht!“ Martin deutete auf die goldenkrustige Kracherpanade. „Das Schnitzeleck ist zu gut. Und der Fame treibt dir die Leute in die Bude. Ich mach den Merch-Stand! Du brauchst Kuschelschnitzel!“ – Seite 32, eBook


Natürlich gibt es auch eine Leiche, ein Panadenmassaker und obendrauf noch ein satirisches Musical – das Musatirical „Das Schnitzel des Todes“, das hinten im Buch zu finden ist. Dieses hat mich jedoch nicht ganz so abgeholt – dafür aber die Hauptgeschichte. Das Cover ist leuchtend pink mit Totenkopf und Blutflecken in den Ecken – alles perfekt zum Inhalt abgestimmt.

„Kitchenfluencer. (…) Alleine für das Wortspiel um Kitchen und Influencer hätte er Max gerne mit dem Kopf in den Pizzateig gedrückt, bis Blasen aufstiegen, die nicht von der Hefe stammen.“ – Seite 16, eBook



Mein Fazit: Eine herrlich schräge Parodie auf TV-Kochshows! Mit interessanten Charakteren, verrückten Ideen, besonderem Humor und ganz viel Wortwitz ist Autor Markus Heitz hier ein sehr unterhaltsames Buch gelungen. Die Handlung ist übersichtlich und leicht zu lesen, mal mit absurden Situationen, aber auch interessanten Details. Ein lustiges Buch für zwischendurch – auch geeignet für diejenigen, die mit Kochshows nichts anfangen können (wie mich).
Alle, die die schwarzhumorigen Weihnachtsgeschichten aus Der Tannenbaum des Todes mochten, werden auch hier viel Spaß haben. Ich vergebe 4,5 Sterne und eine Leseempfehlung!



Meine Bewertung:




Titel: Schnitzel Surprise
Autor: Markus Heitz
Genre: Humor
Seitenanzahl: 352
Verlag: Droemer-Knaur
Erstveröffentlichung: 02. April 2024


Vielen Dank an Droemer-Knaur und Netgalley für das Rezensionsexemplar!