Samstag, 7. September 2024

Rezension zu "Die Unmöglichkeit des Lebens" von Matt Haig

 

Zum Buch

Von unverhofften Abenteuern und außergewöhnlichen Entdeckungen

Als Grace, eine pensionierte Mathematiklehrerin, von einer fast vergessenen Freundin ein heruntergekommenes Häuschen auf einer Mittelmeerinsel erbt, siegt ihre Neugier. Ohne Rückflugticket, Reiseführer oder einen Plan fliegt sie nach Ibiza. Zwischen den rauen Hügellandschaften und goldenen Stränden der Insel macht Grace sich auf die Suche nach Antworten über das Leben ihrer Freundin – und das Rätsel ihres Todes. Was sie dabei entdeckt, ist merkwürdiger, als sie es sich je hätte träumen lassen. Eine Wahrheit, die unmöglicher kaum sein könnte. Doch um sich auf sie einlassen zu können, muss Grace sich erst ihrer eigenen Vergangenheit stellen. (Quelle: Auszug aus der Inhaltsangabe - Knaur Verlag)




Die Unmöglichkeit des Lebens ist der neue Roman von Matt Haig und erzählt eine abenteuerliche Geschichte, die anders ist als zunächst gedacht.

Hauptfigur ist die zweiundsiebzigjährige Grace Winters, die nach dem Tod ihres Mannes zurückgezogen in ihrem Bungalow lebt. Der Alltag der pensionierten Mathematiklehrerin wird überschattet von einem Schicksalsschlag, der zwar schon dreißig Jahre zurückliegt, den sie jedoch nie überwunden hat.
Ihr Leben nimmt eine Wendung, als sie nach dem Tod einer damaligen Freundin deren kleines Häuschen auf Ibiza erbt. Zunächst völlig überfordert mit der Situation beschließt Grace dennoch, auf die Mittelmeerinsel zu fliegen, um mehr über das Leben von Christina zu erfahren und auch, was es mit dem unerwarteten Erbe auf sich hat.
Schnell wird deutlich, dass sich um Christinas Tod einige Rätsel ranken und sie Grace mysteriöse Botschaften hinterlassen hat. Um Antworten darauf zu finden, macht sich Grace auf Spurensuche und macht eine unglaubliche Entdeckung - um diese zu verstehen, muss sie sich vollkommen darauf einlassen. Es geschehen Veränderungen, mit denen sie so nicht gerechnet hat…

Der Roman beginnt zunächst mit einer eMail, in der sich ein ehemaliger Schüler nach Grace erkundigt. In ihrer Antwort an ihn erzählt sie dann ihre abenteuerliche Geschichte.
Das Buch ist überwiegend in der Ich-Perspektive aus der Sicht von Grace geschrieben, die wir so sehr gut kennen lernen. Wir erfahren einiges über die Schicksalsschläge, die sie in ihrem Leben erlitten hat und wie Schuldgefühle und Trauer ihr Leben bestimmen – hier wird es sehr berührend.

„Momente sind wichtig. (…) Die vergehen so schnell, dass wir sie nicht immer sehen.“ – Seite 327, eBook


Mit Grace‘ Reise nach Ibiza verändert sich die Geschichte – sie macht rätselhafte Entdeckungen und es wird relativ schnell sichtbar, was es mit Allem auf sich hat.
Ab hier spielt Übernatürliches eine zentrale Rolle und es wird gleichzeitig irgendwie sehr seltsam.

Matt Haig konnte mich schon mit einigen seiner Bücher begeistern – zuletzt waren es sein großartiger Roman Die Mitternachtsbibliothek und das Sachbuch The Comfort Book. Doch Die Unmöglichkeit des Lebens konnte mich nicht richtig packen.

Die Handlung beginnt wirklich interessant und auch mit der gewohnten Tiefe, jedoch driftet sie ab einer gewissen Stelle zu sehr ins Merkwürdige ab. Grundsätzlich finde ich Magisches und Übernatürliches immer sehr spannend, aber hier wurde es mir etwas zu wirr. Denn da in dem Buch noch einige weitere Themen angeschnitten werden, blieb manches dadurch eher oberflächlich. Gerade zu der großen mysteriösen Entdeckung hätte ich mir mehr Details gewünscht. Es war vieles zu durcheinander gewürfelt, auch wurde es mir an manchen Stellen etwas zu spirituell.

Abgesehen davon ist Grace als Hauptfigur sehr gut gezeichnet, auch ihre persönliche Entwicklung war spannend zu verfolgen. Die Geschichte ist hauptsächlich auf Ibiza angesiedelt und die Schauplätze dort werden gut beschrieben. Das Buch besteht aus vielen, aber meist sehr kurzen Kapiteln, was hier sehr gut passt.

„Ich habe nie an Magie geglaubt, und daran hat sich nichts geändert. Aber manchmal ist das, was wie Magie aussieht, einfach ein Teil des Lebens, den wir noch nicht verstehen.“ (Grace) – Seite 14, eBook


Mein Fazit: Eine Geschichte voller Überraschungen und rätselhaften Geschehnissen – doch leider konnte sie mich nicht ganz packen.
Der Buchbeginn hat mir mit dem von Matt Haig gewohnten Stil und den detailreichen Beschreibungen sehr gefallen, doch ab einem gewissen Punkt driftet alles zu sehr ins Merkwürdige ab. Die Idee des Übernatürlichen und Magischen fand ich grundsätzlich gut, nur geht dieses bei den vielen Nebenschauplätzen ziemlich unter – mit mehr Details und fokussiert auf diese Thematik hätte es mir besser gefallen.
Davon mal abgesehen gibt es aber auch positive Abschnitte, denn Grace ist als Hauptfigur sehr gut gezeichnet und ihre persönliche Entwicklung ist gut zu verfolgen - zwischen den seltsamen Abschnitten gibt es also auch immer wieder gute und lesenswerte Kapitel. Ich vergebe 3 Sterne für diesen Roman und bin gespannt auf weitere Bücher des Autors.



Meine Bewertung:




Titel: Die Unmöglichkeit des Lebens
Autor: Matt Haig
Übersetzt von: Sabine Hübner, Dr. Werner Kleinschmidt, Thomas Mohr
Genre: Roman / Gegenwartsliteratur / Fantasy
Seitenanzahl: 416
Verlag: Droemer Knaur
Erstveröffentlichung: 29. August 2024


Vielen Dank an Droemer Knaur für das Rezensionsexemplar!

Dienstag, 3. September 2024

Rezension zu "Five Broken Blades" von Mai Corland

 

Zum Buch

The Broken Blades - Band 1

Der König von Yusan muss sterben. Die gefährlichsten Attentäter des Reiches werden zusammengerufen, um gemeinsam einen einzigen Auftrag zu erfüllen: Den Gottkönig Joon zu töten, unter dessen unbarmherziger, unsterblicher Hand die Reichen immer reicher werden, während die Armen eingesperrt oder als Sklaven verkauft werden.

Fünf Klingen sollen ihn zur Strecke bringen: ein Leibwächter, eine Diebin, eine Meuchelmörderin, ein Fürst ohne Königreich und der Geheimdienstchef des Königs selbst. Den Mördern wird schnell klar, dass sie sich nicht nur miteinander verbünden müssen, um zu überleben. Sie müssen auch lernen, einander zu vertrauen.

Doch können sie das? Was, wenn es einen Verräter unter den Verrätern gibt?
(Quelle: Auszug aus der Inhaltsangabe – Fischer Tor)




Five Broken Blades der neue Fantasy-Roman von Autorin Mai Corland, dessen Setting an die koreanische Mythologie angelehnt ist.

Im Mittelpunkt steht eine Mission, die gefährlicher nicht sein kann: Fünf Menschen werden beauftragt, den König von Yusan zu töten. Der Gottkönig Joon gilt als unsterblich und herrscht erbarmungslos über sein Land – er beutet die Armen aus und lässt die Reichen immer reicher werden.

Die fünf ausgewählten Attentäter (die zu sechst unterwegs sind) könnten unterschiedlicher nicht sein: Die geheimnisvolle Diebin Aeri ist Meisterin ihres Fachs. Sie reist gemeinsam mit Royo, der als Auftragsmörder und Kämpfer sein Geld verdient und den sie als ihren Leibwächter während dieser Mission engagiert hat. Sora wurde als Kind von Fürst Seok gekauft und über Jahre zu einem Giftmädchen gemacht. Sie wird begleitet von Tiyung - der Sohn des Fürsten soll ein Auge auf sie haben und hat noch einen ganz eigenen Auftrag. Mikail ist der Meisterspion des Königs und hat ganz eigene Gründe für das Attentat. Er macht Euyn ausfinding, der der jüngste Bruder des Königs ist und vor Jahren verbannt und von den meisten für tot gehalten wird.

„Er bringt Sora größten Respekt entgegen. Aber auch Mitleid. Eine scharfe Klinge wird man nur, indem das Leben alles Weiche abschleift. Das weiß er besser als alles andere.“ – Seite 200, eBook


Jede und jeder der fünf haben besondere Talente, aber auch eigene Pläne und große Geheimnisse. Doch schnell wird klar, dass sie den Auftrag nur erfüllen können, wenn sie zusammenarbeiten und sich vertrauen. Doch können sie das?

„Eine Diebin, ein Schläger, ein Spion, eine Mörderin, ein Edelmann und ein verbannter Prinz ergeben zusammen einen hübschen Kreis von Lügnern. Vertrauen ist bei solchen Leuten eine todsichere Methode, mit einem Messer im Rücken zu enden.“ – Seite 264, eBook


Die Handlung wird aus sechs verschiedenen Blickwinkeln erzählt – immer in der Ich-Perspektive aus Sicht der jeweiligen Person. Nach und nach lernen wir die Charaktere besser kennen und erfahren, wie sie schließlich zueinanderfinden und den waghalsigen Auftrag planen.
Die Geschichte lässt sich spannend verfolgen – neben den Figuren erfahren wir auch einiges über das Land selbst: Über politische Machenschaften, vergangene Kriege, die Fürsten der einzelnen Reiche und natürlich einiges über den Gottkönig selbst, um dessen Unsterblichkeit sich Gerüchte ranken.

Dazu spielen natürlich noch große und auch dunkle Geheimnisse eine Rolle, sowie Verschwörungen, Machtkämpfe, Rache, Misstrauen und natürlich die Liebe. Auch gefährliche Kreaturen und magische Artefakte eines ehemaligen großen Herrschers sind ein interessantes und zentrales Thema.
Durch die ständigen Wechsel der Blickwinkel lässt sich die Story gut verfolgen – es wird spannend und auch mal ziemlich blutig und düster – abwechselnd mit ruhigen und geheimnisvollen Abschnitten sehr gut gelungen. Der Verlauf hält besonders zum Ende hin einige Überraschungen bereit und lüftet so manch großes Geheimnis.

„Es gibt viele Wege, Bande zu knüpfen. Ein Geheimnis zu hüten ist einer davon – aber nur, wenn die andere Person weiß, dass du es als Waffe einsetzen kannst.“ – Seite 262, eBook


Vorne im Buch gibt es noch eine Karte von der gut aufgebauten Welt, wo man die zu anfangs verschiedenen Wege der Figuren gut verfolgen kann. In einem kurzen Vorwort erzählt die Autorin, von der Gestaltung der Fantasy-Welt und dass das Setting von ihren Recherchen zu koreanischen Mythen, Legenden und kulturellen Besonderheiten inspiriert ist.


Mein Fazit: Ein packender High-Fantasy Roman mit beeindruckendem Setting – düster, spannend und geheimnisvoll. Im Mittelpunkt steht eine tödliche Mission und fünf Attentäter, die unterschiedlicher nicht sein können. Zwischen Vertrauen und Misstrauen, großen Geheimnissen und Verschwörungen, die Auswirkungen auf das ganze Land haben könnten – der Verlauf hält so einige Überraschungen bereit und offenbart am Ende so einiges. Ich hoffe, dass es bald eine Fortsetzung geben wird. Sehr gelungen!


Meine Bewertung:




Titel: Five Broken Blades - Verrat ist Pflicht
Autorin: Mai Corland
Übersetzt von: Gesine Schröder, Nadine Püschel, Nadine Mutz
Genre: Fantasy / High-Fantasy
Seitenanzahl: 496
Verlag: Fischer Tor
Erstveröffentlichung: 28. August 2024


The Broken Blades - die Bücher:
Band 1 - Five Broken Blades
Band 2 - Four Ruined Realms
Band 3 - Three Shattered Souls ~ erscheint im Dezember 2025

Vielen Dank an die S. Fischer-Verlage und Netgalley für das Rezensionsexemplar!

Sonntag, 1. September 2024

Monatsrückblick August 2024

 



Hallo ihr Lieben,
hier kommt mein buchiger Monatsrückblick auf den Lesemonat August - mit Neuzugängen, Lieblingszitaten, Buchhighlights und einem Leseausblick auf den September. Dazu gibt es noch die bekannte Statistik und die Links zu den Rezensionen von meinen fünf gelesenen Büchern. Viel Spaß beim Stöbern!


Neuzugänge


eBooks

  • Samuel Burr - Das größte Rätsel aller Zeiten (bereits gelesen)
  • Coco Mellors - Blue Sisters (bereits gelesen)
  • Mai Corland - Five Broken Blades
  • Matt Haig - Die Unmöglichkeit des Lebens
  • David Wagner - Verkin



 #24für2024
Von meiner Leseliste habe ich in diesem Monat ein Buch gelesen:

  • Coco Mellors - Cleopatra und Frankenstein

Meine 24 ausgewählten Bücher findet ihr in meinem Beitrag:  #24für2024 - Meine Leseliste. Dort gibt es regelmäßig Updates zu den gelesenen Büchern.
Aktueller Stand: 13/24 Bücher

Die Monatsstatistik:


Mein Lesemonat in Zahlen

5 gelesene Bücher
2.448 gelesene Seiten
durchschnittlich 78 gelesene Seiten pro Tag


Bewertungen
3 x 5 Sterne
1 x 4 Sterne
1 x 2 Sterne




Lieblingszitate des Monats

„Manchmal knipste er seine Taschenlampe aus und ließ sich von der Dunkelheit Gesellschaft leisten.“

- aus Das Buch Anderswo von Keanu Reeves und China Miéville (S. 24, eBook)


„Solange sie sich zurückerinnern konnte, brachte sie Wörtern eine Wertschätzung entgegen, die mit Worten nicht zu beschreiben war.“
- aus Das größte Rätsel aller Zeiten von Samuel Burr (S. 36/37, eBook)



Gelesene Bücher im August


Markus Heitz - Die Legenden der Albae 5: Dunkles Erbe

Wieder ein großartiger Band um die dunklen und faszinierenden Albae. Es wird düster, geheimnisvoll und spannend. Sehr lesenswert! 5/5 Sterne

Monatshighlight


 
Keanu Reeves / China Miéville - Das Buch Anderswo

Ein außergewöhnliches Buch mit einer spannenden Grundidee - doch leider habe ich einfach keinen Zugang zur Geschichte gefunden. 2/5 Sterne

 
Samuel Burr - Das größte Rätsel aller Zeiten

Ein wundervoller Roman, der mit einer schönen Geschichte und einem angenehmen Schreibstil überzeugt. Sehr lesenswert! 5/5 Sterne

 
Coco Mellors - Cleopatra und Frankenstein

Ein beeindruckendes Debüt, das mit einem ganz eigenen Stil überrascht. Detailreich, nah und einnehmend. 4/5 Sterne

 
Coco Mellors - Blue Sisters

Ein bewegender Roman mit starker Figurenzeichnung und einnehmendem Schreibstil. Sehr lesenswert! 5/5 Sterne


 Ausblick auf den September

Lesepläne

Mai Corland - Five Broken Blades (lese ich gerade)
Matt Haig - Die Unmöglichkeit des Lebens
David Wagner - Verkin
Tad Williams - Das Herz der verlorenen Dinge
Mo Enders - Liga Lexis 1: Nachtschwarze Worte ~ erscheint am 25.09.2024
Chloe Gong - Immortal Longings ~ erscheint am 28.09.2024


Gespannt bin ich auch auf folgende Neuerscheinung:

Alix E. Harrow - Starling House ~ erscheint am 01.09. (eBook) / 18.09 (Print)

...ansonsten entscheide ich wie immer spontan.

Ich wünsche euch einen schönen Start in den neuen Lesemonat!

Freitag, 30. August 2024

Rezension zu "Blue Sisters" von Coco Mellors


Zum Buch

Zwischen Schmerz, Trauer und Hoffnung

Drei ungleiche Schwestern, wo zuvor vier waren: Ein Jahr nach Nickys Unfalltod treffen sich Avery, Bonnie und Lucky in New York wieder, um den Verkauf ihres Elternhauses zu verhindern. Doch Nicky hat eine solche Lücke hinterlassen, dass die übrigen drei nacheinander völlig aus der Bahn geraten. Gelingt es ihnen, aus dem existenziellen Scherbenhaufen gemeinsam etwas Neues entstehen zu lassen? (Quelle: Auszug aus der Inhaltsangabe - Eichborn-Verlag)


Nachdem ich gerade ihren Debütroman Cleopatra und Frankenstein gelesen habe, war ich ziemlich gespannt auf den neuen Roman von Autorin Coco Mellors. Auch Blue Sisters überzeugt mit einem einnehmenden Schreibstil.




Im Mittelpunkt stehen die drei Blue-Schwestern - Avery, Bonnie und Lucky -, für die vor einem Jahr die Welt aus den Fugen geriet: Der Unfalltod ihrer Schwester Nicky hat eine große Lücke und tiefen Schmerz hinterlassen, mit dem jede der drei anders umgeht. Ihre Wege führten sie voneinander fort - nach London, Paris und Los Angeles.
Als dann noch am ersten Todestag die Nachricht von ihrer Mutter kommt, dass die Familienwohnung in New York, in der bis vor einem Jahr noch Bonnie und Nicky gelebt haben, verkauft werden soll, treffen dich die drei Schwestern dort wieder, um Nickys Sachen durchzugehen. Hier kommt Verdrängtes und Aufgestautes schließlich an die Oberfläche…

Im Prolog bekommen wir zunächst im Schnelldurchlauf einen Überblick über die vier Blue-Schwestern, deren Leben sich in verschiedenste Richtungen entwickelt haben. Die Handlung wird danach abwechselnd aus den Perspektiven der Schwestern Avery, Bonnie und Lucky erzählt. Hier lernen wir jede der drei so unterschiedlichen Frauen besser kennen – und durch sie auch ihre verstorbene Schwester Nicky. Nach und nach bekommen wir einen detailreichen und sehr nahen Einblick in die Lebenswege und den aktuellen Alltag. Jede von ihnen hat mit ganz eigenen Problemen, Ängsten, Sorgen und Süchten zu kämpfen – vor allem aber mit dem Schmerz über den Tod ihrer Schwester, den sie noch längst nicht verarbeitet haben.

„Ihr Leben war auf zwei Tage zusammengeschrumpft, den Tag, als Nicky noch lebte, und den Tag, an dem sie gestorben war. Das bunte, vielschichtige Patchwork der Jahre und Zeiten, die ihr Leben davor ausgemacht hatten, waren ausradiert.“ – Seite 76, eBook


Neben den aktuellen Geschehnissen sind in die einzelnen Kapitel immer wieder Rückblicke in Form von Erinnerungen eingeflochten, in denen natürlich Nicky eine zentrale Rolle spielt. So erfahren wir einiges über die verstorbene Schwester und natürlich auch, wie und warum sie ums Leben kam. Hier wird es oft sehr berührend.

„Im Laufe der Jahre war es jedoch ruhiger in ihrem Kopf geworden. (…) Doch damit war es vorbei. Wenn sie jetzt die Augen schloss, sah sie jeden einzelnen Fehler vor sich, der sie an diesen Punkt gebracht hatte. In ihrem einst so ruhigen Innern war wieder Sturm aufgezogen.“ – Seite 70, eBook


In manchen Szenen wird es dramatisch mit wilden und auch ziemlich intimen Momenten, aber dann auch wieder ruhig mit ernsten und bewegenden Dialogen – Coco Mellors schafft es, verschiedenste Augenblicke und Situationen detailreich, einnehmend und sehr lebendig wiederzugeben.

Sehr beeindruckend ist die Figurenzeichnung – man taucht tief in die Leben der einzelnen Schwestern ein und erlebt den Schmerz und auch ihre Handlungen hautnah mit. Und natürlich gibt es auch Hoffnung…

„Während die nächste Person las, heftete Lucky den Blick auf die Seite, traute sich nicht, jemanden anzuschauen. Doch wer genau hinsah, konnte einen neuen Glanz in ihren Augen erkennen, eine züngelnde, wärmende Zuversicht in einem Teil von ihr, in dem zuvor Dunkelheit geherrscht hatte.“ – Seite 248, eBook


Mein Fazit: Ein bewegender Roman mit starker Figurenzeichnung und einnehmendem Schreibstil. Auch in ihrem zweiten Buch schafft es Autorin Coco Mellors es, die Leserinnen und Leser zu fesseln. Die Geschichte von den Blue-Schwestern ist bewegend, emotional und dramatisch und lässt einen so schnell nicht mehr los. Der Schreibstil ist detailreich, direkt und gibt die unterschiedlichsten Situationen und Gefühle der Figuren sehr genau wieder. Ein bemerkenswertes Buch mit Tiefgang - sehr lesenswert!



Meine Bewertung:



Titel: Blue Sisters
Autorin: Coco Mellors
Übersetzt von: Lisa Kögeböhn
Genre: Drama / Gegenwartsliteratur
Seitenanzahl: 448
Verlag: Eichborn
Erstveröffentlichung: 30. August 2024


Eine weitere Rezension findet ihr bei Weltenwanderer.


Vielen Dank an den Eichborn-Verlag für das Rezensionsexemplar!