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Zwei Brüder und ihre Reise in die
Vergangenheit
Im Sommer 2010 beschließen die Brüder Botho
und Arno van Dijk zusammen mit Arnos Verlobte Anja eine Reise in das belgische
Dorf Doel zu machen. Für die beiden Brüder ist es eine Reise in die Vergangenheit:
In dem kleinen Dorf, das demnächst einem Hafenausbau weichen muss und
inzwischen ein verlassener Ort ist, lebten ihre inzwischen verstorbenen
Großeltern. Botho und Arno habe hier viele Sommer- und Winterferien in ihrer
Kindheit und Jugend verbracht. Bevor das alte, verlassene Haus nun endgültig
abgerissen wird, verbringen sie nochmal ein paar Tage dort. Die Erinnerungen an
damals waren aber nicht immer idyllisch - das wird den beiden inzwischen
erwachsenen Männern nun bewusster, als sie zunächst dachten...
"Ich liebte die baumbestandenen Straßen in einer endlosen Stadt, staunte über den vergangenen Reichtum, der sich manchmal noch in den verzierten Fabrikfassaden zeigte. Ich genoss es, mitten in der Nacht Currywurst zu essen. Ich spazierte auf den alten Halden." - (Botho über seinen aktuellen Wohnort Bochum, Seite 38)
Auf dieses Buch aufmerksam geworden bin ich
durch die Inhaltsangabe, die von zwei Brüdern erzählt, von denen am Ende der
Geschichte der gesündere eher der verlorene sein wird und der beschädigte sein
Glück findet. Schon auf den ersten Seiten wird klar, dass der Schreibstil sehr
speziell ist - die Sätze sind sehr lang, in einem ganz außergewöhnlichen Ton
und durch viele "und" und "oder" miteinander verbunden.
Anfangs sehr gewöhnungsbedürftig, doch es wird schnell klar, dass genau diese
Schreibweise gut zum gesamten Stil des Romans passt. Und dieser hat viele
Facetten: Eine Reise an einen Ort ihrer Kindheit wird für die beiden Brüder
Botho und Arno eine emotionale Achterbahnfahrt der Gefühle - vieles, was längst
vergessen oder verdrängt war, bricht schmerzhaft wieder an die Oberfläche. Es
wird mal bewegend, manchmal komisch und seltsam, aber auch berührend und
melancholisch. Diese Stimmungen und die unterschiedlichen Atmosphären sind dem
Autor sehr gelungen.
Doch ich muss auch sagen, dass mir die
Charaktere trotz allem eher fremd geblieben sind, ich konnte manche
Entscheidungen nicht wirklich nachvollziehen und sie wirkten auf mich oft eher
wie Teenager, als wie Erwachsene. Mich konnte die Handlung daher nicht ganz
erreichen, so wie es eigentlich hätte sein sollen.
Was sehr gelungen und hochwertig ist, ist
die Buchgestaltung. Das Cover ist schlicht und in Grautönen gehalten, was sehr
gut mit der dezenten, gelben und weißen Schrift harmonisiert. Auch der Titel Das Glück meines
Bruders passt perfekt zum Inhalt.
"Da war die Schaukel. Die Schaukel, die Kindern eine Idee von Grenzenlosigkeit geben kann, auf der man versuchen kann, zu entkommen und wegzufliegen in eine andere Galaxie, in eine neue Freiheit: Ein bisschen mehr Schwung, noch ein bisschen mehr Schwung, dann schafft man es." - Seite 72
Mein Fazit: Selten war ich mir bei einem Buch
so unsicher, wie bei diesem. Es ist einerseits ein sehr gutes und
anspruchsvolles Buch, doch mich persönlich konnte es nicht ganz erreichen. Die
Charaktere und insbesondere deren Handlungen konnte ich nicht immer
nachvollziehen, der Schreibstil war mir mitunter etwas zu anstrengend. Doch auch
wenn es mich nur teilweise angesprochen hat, so ist es dennoch ein hochwertiger
Roman, der mit Sicherheit viele andere Leser begeistern wird.
Meine Bewertung:
Titel: Das Glück meines Bruders
Autor: Stefan Ferdinand Etgeton
Genre: Gegenwartsliteratur
Seitenanzahl: 240
Verlag: C.H. Beck
Erstveröffentlichung: 21. Juli 2017
Vielen Dank an den C.H. Beck-Verlag für das
Rezensionsexemplar!

Hallo liebe Nicole,
AntwortenLöschenich bin soeben auf Deinen Blog gestoßen und finde den ja richtig toll:)
auch der Hintergrund ist echt gelungen.
An sich mag ich leider nicht so gerne solche Bücher, aber deine Rezi hört sich jedenfalls sehr interessant an :)
Ich lasse Dir sehr gerne mal ein Abo da und würde mich freuen, wenn Du mal bei mir vorbei schauen würdest.
http://www.printbalance.blogspot.de
Liebe Grüße
Andrea
Hallo liebe Andrea,
Löschenvielen Dank für deinen Kommentar, das freut mich sehr! :)
Ich habe gerade auch mal etwas bei dir gestöbert, dein Blog ist wirklich toll aufgebaut und deine Rezension zu "Aquila" klingt sehr gut. Ich werde es demnächst lesen.
Leider konnte ich nicht direkt auf deinem Blog kommentieren, weil ich kein Google+ Konto habe, aber ich bin natürlich als Leserin dageblieben. :)
Liebe Grüße
Nicole