Mittwoch, 18. April 2018

Rezension zu "Raum" von Emma Donoghue

Zum Buch

Zwei Leben in einem Raum

Der fünfjährige Jack lebt zusammen mit seiner Mutter in einem Raum – für ihn ist dieser Raum die ganze Welt, etwas anderes hat er noch nie gesehen. Auf wenigen Quadratmetern essen schlafen und spielen sie. Jack liebt es fernzusehen, besonders Cartoonserien. Die Figuren zählt er zwar zu seinen Freunden, doch ihm ist bewusst, dass sie nicht wirklich existieren.
Doch dann kommt der Tag, an dem seine Mutter ihm von der Welt da draußen erzählt und sie einen Plan schmieden müssen, um zu fliehen…

Dieses Buch stand schon lange auf meiner Leseliste. Nun habe ich mich an diese außergewöhnliche Geschichte heran gewagt. Dass das Buch außergewöhnlich ist, merkt man schon auf den ersten Seiten: Denn die Geschichte wird aus der Perspektive des fünfjährigen Jungen Jack erzählt – zuerst gewöhnungsbedürftig, weil die Sätze und Aussprache eben die eines kleinen Kindes sind. Doch nach einer Weile gewöhnt man sich daran. Man lernt das Leben von Jack und seiner Mutter kennen, die seit Jahren in nur einem Raum leben, der nur wenige Quadratmeter groß ist. Der einzige Blick nach draußen bietet ein kleines Oberlicht, wo sie zwar einen Ausschnitt vom Himmel sehen können, mehr aber nicht. Zu Anfang gibt es einen sehr detaillierten Einblick in den Tagesablauf der Beiden. Man fragt sich natürlich sofort, warum sie dort leben, wie es dazu gekommen ist und wo sich dieser Raum befindet – die Antworten darauf kommen nach und nach – es ist sehr erschütternd.


„Das Meer ist ja in echt, fällt mir dabei wieder ein. Im Draußen ist alles in echt, alles, was es gibt, weil ich in dem Blauem zwischen den Wolken ein Flugzeug gesehen habe. Ma und ich können da nicht hin, weil wir den geheimen Code nicht kennen, aber trotzdem ist es in echt.“ (Jack) – Seite 77, eBook


Ich habe anfangs nur schwer in die Geschichte rein gefunden – es wirkt zunächst ein wenig langatmig und gleichzeitig beklemmend. Doch das ändert sich komplett, als Jacks Mutter beschließt, zu fliehen. Von da an wird die Story anders – weiterhin sehr berührend, intensiv und packend. Der Verlauf ist überraschend.


„Das sind neun Sachen, ich glaube nicht, dass ich die alle gleichzeitig im Kopf behalten kann. Ma sagt, natürlich kann ich, ich bin doch ihr Superheld. Freund fünf. Ich wünschte, ich wäre noch vier.“ (Jack) – Seite 99, eBook


Mein Fazit: Raum gehört zu den wenigen Büchern, bei dem sich meine Meinung während des Lesens nochmal  komplett geändert hat: Anfangs fand ich es durch den Schreibstil schwierig zu lesen und etwas langatmig – doch ab einer gewissen Stelle nimmt die Geschichte an Fahrt auf: Es wird packend, oft traurig und berührend.
Kurz gesagt: Es ist ein spezieller Roman – sehr ergreifend und besonders erzählt. Lesenswert!


Meine Bewertung:



Titel: Raum
Autorin: Emma Donoghue
Genre: Gegenwartsliteratur / Drama
Seitenanzahl: 416
Verlag: Piper
Erstveröffentlichung: 29. August 2011

1 Kommentar:

  1. Mir gefällt die Konstellation des Buches schon sehr gut und ich schleiche schon ewig darum herum. Nun bin ich gewarnt, dass man dem Buch möglicherweise eine etwas längere Anlauf-Phase geben sollte, wenn man nicht gleich von Anfang an überzeugt ist. Mir passiert das schon immer mal, dass ich länger brauche, bis ich mich in einen Erzählstil oder eine besondere Art von Sprache reinlesen kann.
    LG Gabi

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