Donnerstag, 6. Juni 2019

Rezension zu "Der Fall Collini" von Ferdinand von Schirach

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Die Suche nach Motiv und Wahrheit

Vierunddreißig Jahre hat Fabrizio Collini als Werkzeugmacher bei Mercedes gearbeitet. Unauffällig und unbescholten. Und dann tötet er in einem Berliner Luxushotel einen alten Mann. Grundlos, wie es aussieht. Ein Albtraum für den jungen Anwalt Caspar Leinen, der die Pflichtverteidigung übernimmt: Das Opfer, ein hoch angesehener deutscher Industrieller, ist der Großvater seines besten Freundes. Schlimmer noch, Fabrizio Collini schweigt beharrlich zu seinem Motiv. Leinen beginnt zu recherchieren und stößt auf eine Spur, die ihn mitten hineinführt in ein erschreckendes Kapitel deutscher Justizgeschichte. (Quelle: Klappentext)




„Er starrte auf den Boden. Seine Schuhabdrücke konnten auf dem Marmor im Erdgeschoss, im Lift und bis in die Suite zurückverfolgt werden. Collini wartete auf seine Festnahme. Er hatte sein ganzes Leben gewartet, er war immer stumm geblieben.“ – Seite 5, eBook


Schon das erste Kapitel dieses Buches beginnt spannend: Es schildert kurz und knapp den Mord, den Fabrizio Collini im Berliner Hotel Adlon begeht. Hauptfigur hier ist der junge Anwalt Caspar Leinen, der sich dazu entschließt, die Pflichtverteidigung für Collini zu übernehmen. Zunächst erfährt man einiges über Leinens Kindheit und seinen weiteren Lebensverlauf, was für die Handlung eine bestimmt Rolle spielt. Lange bleibt es geheimnisvoll, was Fabrizio Collini und seine Tat angeht, doch dann findet Caspar Leinen eine Spur, die er nachgeht und damit in die Dunkelste aller Zeiten eintaucht…
Auf knapp 210 Seiten schildert der Autor eine spannende und zugleich sehr bewegende Geschichte. Der Schreibstil von Ferdinand von Schirach ist wie gewohnt schnörkellos und direkt, aber auf eine gewisse Weise auch ausführlich. Dieses ist ihm sehr gut gelungen. Ob es die verschiedenen Schauplätze sind (wie etwa das Kriminalgericht Moabit in Berlin), oder kleine Beobachtungen, die um die Hauptfigur herum geschehen  – alles ist präzise geschildert und jeder einzelne Satz wohlüberlegt.
Da der Autor selbst zwanzig Jahre lang als Strafverteidiger tätig war, erfährt man viel Interessantes über den Ablauf und die Vorgänge bei einem Verfahren sowie natürlich über den Prozess selbst.
Es ist eine eher ruhig erzählte Geschichte, die aber besonders zum Ende hin intensiv und erschütternd wird  – es gibt einige Überraschungen.


„Sie sprachen leise, weil das Laute im Dunkeln falsch klang.“ – Seite 53, eBook


Mein Fazit: Ein sehr bewegender und zugleich spannender Roman - beeindruckend geschrieben. Der unverkennbare Schreibstil von Ferdinand von Schirach kommt auch hier wieder zur Geltung: Kurz und direkt, aber dennoch detailreich beschreibt er die Situationen und Vorgänge – jeder Satz ist wohl überlegt und gerade das ist das Besondere. Wieder ein beeindruckendes Werk des Autors.

Meine Bewertung: 





Titel: Der Fall Collini
Autor: Ferdinand von Schirach
Genre: Roman / Drama
Seitenanzahl: 208
Verlag: btb
Erstveröffentlichung: 2011





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