Montag, 30. September 2019

Rezension zu "Melmoth" von Sarah Perry

Zum Buch

Die Mythen um Melmoth…

Helen Franklins Leben nimmt eine jähe Wende, als sie in Prag auf ein seltsames Manuskript stößt. Es handelt von Melmoth - einer mysteriösen Frau in Schwarz, der Legende nach dazu verdammt, auf ewig über die Erde zu wandeln. Helen findet immer neue Hinweise auf Melmoth in geheimnisvollen Briefen und Tagebüchern - und sie fühlt sich gleichzeitig verfolgt. Liegt die Antwort, ob es Melmoth wirklich gibt, in Helens eigener Vergangenheit? (Quelle: Klappentext)

Da mich bereits Sarah Perrys letztes Buch Die Schlange von Essex und dessen Außergewöhnlichkeit überzeugen konnte, war ich sehr gespannt auf ihren neuen Roman. Dieses Buch ist auch auf seine ganz eigene Weise wieder Besonders: Hier geht es eine alte Legende um eine Frau namens Melmoth, um die sich einige Mythen ranken und um ein Manuskript eines gerade verstorbenen Mannes.   Dieses Manuskript verändert alles - vor allem im Leben von Helen Franklin, die seit zwanzig Jahren in Prag lebt. Ihre Vergangenheit holt sie ein, denn sie hat ein dunkles Geheimnis. Doch was hat es wirklich mit Melmoth auf sich? Nach und nach kommt man der Auflösung näher…


„Die Welt ringsum verstummte, und die Straße, auf der eben noch ein reges Treiben geherrscht hatte, war leer abgesehen von einem riesigen Schwarm schwarzer Dohlen, die einen Schlafplatz für die Nacht suchten. In diesem Moment wusste ich, dass ich beobachtet wurde.“ – Seite 52, eBook


 Die Handlung selbst ist durch verschiedene Blickwinkel aufgebaut: Es gibt Rückblicke in die Vergangenheit und wir erfahren den Inhalt des Manuskriptes. Auch in die Vergangenheiten der Figuren gibt es detaillierte Einblicke. Dieses ist oft düster und voller Abgründe.  Auch Melmoth scheint immer da zu sein – genau dieses gibt dem Buch eine sehr unheimliche Note.

Wer Die Schlange von Essex gelesen hat, weiß, dass Sarah Perry einen außergewöhnlichen und etwas speziellen Stil hat. Auch dieser Romanhat diese besondere Note. Jedoch muss ich zugeben, dass meine Erwartung an Melmoth eine andere war:  Ich hatte auf einen spannenden Mysteryroman gehofft. Leider konnte mich der Aufbau der Story nicht ganz überzeugen -  die Handlung ist etwas zäh und konnte mich irgendwie nicht ganz erreichen. Es ist kein schnelles Buch für zwischendurch – man sollte sich daher Zeit beim Lesen Zeit lassen.

Doch es gibt auch Positives zu berichten:  Was hier heraussticht, ist der detaillierte und präzise Schreibstil. Die Autorin schafft es, selbst kleine Momentaufnahmen glasklar und unheimlich wiederzugeben:


„Sie tritt einen Schritt vor, im selben Moment erlischt die Leuchte unter dem Torbogen, und der Hof und die Häuser versinken in der Finsternis. Die dreißig identischen Fenster über den dreißig identischen Fensterbrettern sind schwarze Rechtecke in der Dunkelheit und erzeugen den Eindruck vollkommener, undurchbrochener Leere.“ – Seite 63, eBook


Mein Fazit: Ein spezielles Buch, das mich vom Handlungsaufbau her nur teilweise überzeugen konnte. Der Handlungsverlauf ist eher zäh und durch die vielen Blickwinkel verliert sich alles etwas. Dennoch ist die Legende von Melmoth interessant – es lohnt sich, bis zum Ende zu lesen. Gefallen hat mir hier  aber der detaillierte Schreibstil und die präzisen Schilderungen von Momentaufnahmen – die unheimliche Atmosphäre ist gelungen, es wird ziemlich düster. Ich vergebe hierfür drei Sterne. 


Meine Bewertung: 




Titel: Melmoth
Autorin: Sarah Perry
Genre: Roman / Mystery
Seitenanzahl: 332
Verlag: Eichborn / Bastei Lübbe
Erstveröffentlichung: 30. September 2019


Bereits von Sarah Perry gelesen: 
Die Schlange von Essex


Vielen Dank an Bastei Lübbe und Netgalley für das Rezensionsexemplar! :)

2 Kommentare:

  1. Liebe Nicole,
    mir geht es wie dir. "Die Schlange von Essex" konnte mich unter´m Strich sehr viel mehr überzeugen, aber dennoch finde ich "Melmoth" durch die vielen "Spezialitäten" und Besonderheiten lesenswert.
    Viele Grüße, Heike

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    1. Liebe Heike,
      genau, "Die Schlange von Essex" ist schwer zu toppen.
      Auch wenn "Melmoth" mich nicht komplett überzeugen konnte, ist es dennoch lesesnwert, gerade wegen dem detailliertem Schreibstil. :)

      Liebe Grüße
      Nicole

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