Freitag, 17. Juli 2020

Rezension zu "Der Name der Rose" von Umberto Eco

Zum Buch


Mysteriöse Geschehnisse im Kloster

Der englische Franziskanermönch William von Baskerville ist in einer delikaten politischen Mission unterwegs in eine italienische Benediktinerabtei. Dort gerät er, zusammen mit seinem etwas unbeholfenen, jungen Adlatus Adson von Melk, in einen Strudel von kriminellen Ereignissen und drastischen Versuchungen. Aber nicht umsonst stand William lange Jahre im Dienste der heiligen Inquisition. Das Untersuchungsfieber packt ihn. Er sammelt Indizien, entziffert magische Zeichen, entschlüsselt Manuskripte und dringt immer tiefer in ein geheimnisvolles Labyrinth vor, über das der blinde Seher Jorge von Burgos wacht... 
(Quelle: Klappentext)



„Jedenfalls flößte mir die Abtei alles andere als Gefühle der Heiterkeit ein, ich empfand bei ihrem Anblick eher ein Schaudern und eine seltsame Unruhe. Und das waren, bei Gott, keine Phantasiegespinste meiner furchtsamen Seele, es war vielmehr die korrekte Deutung unzweifelhafter Vorzeichen.“ (Adson) – Seite 25, eBook

Der Name der Rose ist wohl Umberto Ecos bekanntestes Werk. Der Weltbestseller erschien erstmals im Jahr 1980 (in deutscher Übersetzung im Jahr 1982) und wurde 1986 als Film und 2019 als aufwändige Serie produziert. Ich wollte dieses Buch schon lange lesen – nun habe ich mich an das Werk herangetraut.
Im Mittelpunkt stehen der Franziskanermönch William von Baskerville und der junge Adlatus Adson von Melk. Adson begleitet William, der mit einer geheimen Mission betraut wurde, auf seiner Reise durch das Land. Einer ihrer Stationen ist ein abgelegenes, italienisches Benediktinerkloster in den Bergen. Doch hier trügt die malerische Idylle: Sie werden plötzlich mit mehreren mysteriösen Todesfällen konfrontiert. William von Baskerville begibt sich zusammen mit seinem Begleiter sofort auf Spurensuche und entziffert nach und nach das Rätsel – ihr Weg führt sie schließlich in die geheimnisvolle Klosterbibliothek…

„Die Bibliothek ist nach einem Plan entstanden, der allen Beteiligten dunkel geblieben ist in all den Jahrhunderten, keiner der Mönche war und ist je befugt, ihn zu kennen. Allein der Bruder Bibliothekar weiß um das Geheimnis, er hat es von seinem Vorgänger erfahren und gibt es vor seinem Tode weiter.“ – Seite 45, eBook

Der Roman ist in der Ich-Perspektive als Erzählung von Adson von Melk dargestellt, der von den Ereignissen in einem italienischen Kloster berichtet, die sich im Jahr 1327 zugetragen haben. Es ist in sieben Tage gegliedert mit mehreren Abschnitten.  Wie schon erwartet, ist das Buch sehr detailliert, komplex und schweift öfter mal etwas vom Geschehen ab – es gibt ausschweifende Gespräche und Diskussionen zwischen den Mönchen. Jedoch passt das alles zu der gesamten Atmosphäre des Romans. Auf gewisse Weise spannend sind die Ermittlungen zu den Mordfällen von William von Baskerville und Adson von Melk. Nach und nach setzen sie die oft kryptischen Puzzleteile zusammen, die ein überraschendes Bild ergeben.
Am besten gefallen haben mir die ausführlichen Beschreibungen der Klosterbibliothek – diese ist labyrinthartig angelegt und verbirgt so manches Geheimnis. Dieses wird William von Baskerville klar, als er erfährt, dass die Bibliothek nicht besichtigt und (außer vom Bibliothekar und seinem Gehilfen) nicht betreten werden darf:

Der Abt lächelte fein: „Niemand darf es. Niemand kann es. Niemand hätte, selbst wenn er es wollte, Erfolg. Die Bibliothek verteidigt sich selbst. Unergründlich wie die Wahrheit, die sie beherbergt, trügerisch wie die Lügen, die sie hütet, ist sie ein geistiges Labyrinth und doch ein irdisches. Kämt Ihr hinein, Ihr kämt nicht wieder heraus.“ – Seite 47, eBook

Das Buch enthält auch einiges an Zusatzmaterial hinten im Buch. Neben einer Skizze des Klostergeländes erläutert Umberto Eco ausführlich, wie dieser Roman entstanden ist. Auch findet man im umfassenden Anhang die Übersetzungen der lateinischen Sätze, die immer wieder im Roman zu finden sind. Es ist keine einfache Lektüre, man braucht Geduld – doch es lohnt sich.


Mein Fazit: Ein besonderer Klassiker, der neben historischen Elementen und großartigen Schauplätzen immer wieder auch spannende Krimi-Elemente enthält. Der historische Roman ist speziell und auf seine ganz eigene Art spannend. Ein umfassendes und auch komplexes Werk, für das man sich Zeit nehmen sollte. Trotz der vielen, oft sehr detaillierten Abschweifungen ein außergewöhnliches und lesenswertes Werk.


Meine Bewertung: 






Ältere Ausgabe von 1986



Titel: Der Name der Rose
Autor: Umberto Eco
Genre: Historischer Roman / Klassiker
Seitenanzahl: 784 (aktuelle Ausgabe) / 688 (ältere Ausgabe von 1986)
Deutsche Erstveröffentlichung: 1982
Aktuelle Ausgabe: 18. April 2019
Verlag: dtv

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