Dienstag, 24. November 2020

Rezension zu "Die Republik" von Maxim Voland

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Die DDR als die führende Macht Europas … was wäre wenn?

Europa, 1949: Die neu gegründete DDR umfasst nach einem unglaublichen Coup das gesamte deutsche Staatsgebiet, mit Ausnahme des westlichen Teils von Berlin. Gegenwart: Die DDR ist führende europäische Macht – ein hochmoderner Überwachungsstaat mit einem glücklichen Volk. So scheint es. Während internationale Agentenorganisationen im autonomen West-Berlin ihre Pläne schmieden, wird die DDR von einem furchtbaren Vorfall erschüttert: Über den Platz der Akademie zieht eine Giftgaswolke und fordert zahlreiche Tote. Ein Unfall? Ein Anschlag? Welche Macht steckt dahinter? Ein desillusionierter Stasi-Oberst, der französische Dolmetscher Christopher und die junge DDR-Bürgerin Alicia geraten in eine Verschwörung gigantischen Ausmaßes, die das Ende Europas bedeuten könnte ... (Quelle: Klappentext - Piper-Verlag)



Inzwischen wurde das große Geheimnis gelüftet: Hinter dem Pseudonym Maxim Voland verbirgt sich der Bestsellerautor Markus Heitz, der vor allem für seine großartigen Mystery- und Fantasyromane (z.B. die Zwergen-Saga) bekannt ist. Unter dem Namen Maxim Voland möchte Markus Heitz künftig im Krimi- und Thriller-Bereich schreiben und mit dem Pseudonym eine stärkere Abgrenzung zu seinem Schwerpunkt, dem Phantastikgenre schaffen, wie er auf seiner Facebook-Seite berichtete.
Mit Die Republik hat er einen interessanten Thriller erschaffen – in einem Vorwort und einem ebenso lesenswerten Nachwort beschreibt er, wie auf die Idee zu diesem „Was wäre wenn-Szenario“ kam.

Man bekommt schnell einen guten Einblick in dieses fiktive Szenario: Wie die Menschen in der aktuellen DDR leben, die hier das Gesamtgebiet von Deutschland umfasst und auch in das Leben in West-Berlin, das auch Berlin-Deutschland genannt wird. Die politische Lage ist angespannt, schnell wird klar, dass es sowohl in der DDR als auch in Berlin-Deutschland mächtig brodelt.

Die Atmosphäre ist von Anfang an beklemmend: Eine komplett überwachte Republik mit strengen Einreise- und Grenzkontrollen. Auch stellen sich die Menschen eine Frage: Wem kann man wirklich vertrauen?

„Nichts an dem Mann war auffällig, anders, ungewöhnlich. Und genau DAS ließ sämtliche Warnglocken in ihm klingeln. Die perfekte Tarnung wurde von jenen beherrscht, die Außergewöhnliches leisteten oder beabsichtigten.“ – Seite 46, eBook

Zu Beginn gibt es einen kurzen Einblick in die Vergangenheit (1949) und anschließend in die Gegenwart, wo beschrieben wird, wie es aktuell in der Republik aussieht.
Schon am Anfang wird es sehr dramatisch - plötzlich wird Gas freigesetzt und eine Giftgaswolke breitet sich unaufhaltsam aus:

„Das Merkwürdige war, dass es lautlos geschah. Wie ein Stummfilm in Farbe ereignete sich Leid, eskalierten Unfälle und auflodernde Feuer, Verderben und anhaltendes Sterben auf dem kristallklaren Display. Die Vorgänge wirkten grotesk, surreal, als wären sie Teil einer Darbietung." – Seite 25, eBook


Die Katastrophe fordert zahlreiche Todesopfer, sowohl in der DDR als auch in West-Berlin. Schnell stellt sich die Frage nach dem Schuldigen: War es ein Unfall oder doch ein Anschlag? Der Stasi-Oberst Gustav Kuhn hat ganz eigene Gründe, warum er die Verantwortlichen finden möchte und beginnt zu ermitteln. Bei seinen Nachforschungen begegnet er u.a. Christopher Mueller, der nur zu Gast in der DDR ist und sich plötzlich mitten in den dramatischen Ereignissen befindet. Zusammen stoßen sie auf ein Geheimnis, das schlimmer nicht sein könnte…

Das unheimliche Szenario ist dem Autor sehr gut gelungen, die ausführliche Recherchearbeit wird sofort sichtbar, die Schauplätze und die gesamte Atmosphäre sind gut ausgearbeitet. Jedoch muss ich trotzdem leider sagen, dass ich mit dem Buch einfach nicht warmgeworden bin. Die Handlung ist für einen Thriller zu überladen, der Spannungsbogen geht oftmals wegen Nebensächlichkeiten verloren. Die Charaktere sind etwas blass, einzig der Dolmetscher Christopher Mueller ist eine gut ausgearbeitete Figur.

Im Anhang gibt es neben einem Personenregister auch ein Glossar, wo sämtliche Begriffe und Abkürzungen von Artikeln, Fabriken und Ministerien aufgeführt sind – dieses ist sehr hilfreich. Dennoch stören die vielen Abkürzungen in der Geschichte den Lesefluss, da man ständig überlegen muss, für was denn diese nochmal stand.
Neben dem Szenario ist die Grundidee der Story sehr gut – der Klappentext hatte mich sofort neugierig gemacht. Doch irgendwie habe ich mich mit diesem Buch schwergetan. Schade.


Mein Fazit: Ich bin eine begeisterte Leserin der Bücher von Markus Heitz und freue mich schon sehr auf seine Neuerscheinungen im Jahr 2021 – leider konnte mich Die Republik ausnahmsweise nicht ganz überzeugen. Das Szenario ist sehr gut ausgearbeitet, die Schauplätze sind detailreich beschrieben und man merkt sofort, dass sehr gut recherchiert wurde.
Dennoch bin ich mit der Handlung nicht warmgeworden – zu überladen, die Spannung geht oft verloren und die Charaktere waren mir überwiegend zu blass und oberflächlich. Auch stören die vielen Namenskürzel den Lesefluss. Kurz gesagt: Es ist einfach Geschmackssache.
Ich hoffe, dass dieses Buch dennoch begeisterte LeserInnen finden wird – ich vergebe leider nur 2,5 Sterne.


Meine Bewertung:


Titel: Die Republik
Autor: Maxim Voland
Genre: Thriller
Seitenanzahl: 528
Verlag: Piper
Erstveröffentlichung: 26. Oktober 2020


Vielen Dank an den Piper-Verlag und Netgalley für das Rezensionsexemplar!

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