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Die Abenteuer eines sprechenden Schrumpfkopfes …
Was auf den ersten Blick zu schräg wirkt, um gelingen zu können, entwickelt schon nach wenigen Seiten einen Sog, dem man sich nur schwer entziehen kann: Um das Jahr 1780 gelangt ein Schrumpfkopf in den Besitz von Don Francisco, Beamter der spanischen Krone in Caracas. Als Wandschmuck in dessen Schreibstube hängend beobachtet er das Geschehen um sich herum ganz genau – und bemerkt wie nebenbei, dass er gerade dabei ist, ein Bewusstsein zu entwickeln. Und dass er sprechen kann. Doch als er schließlich zum ersten Mal den Mund aufmacht, sorgt das bei Don Francisco prompt für einen Herzinfarkt – und der Schrumpfkopf bekommt einen neuen Besitzer. Seine Reise führt ihn in den folgenden Jahrzehnten u. a. nach Rom, Paris, Frankfurt, London, Bamberg, Bukarest, Wien und Berlin. Er wird Zeuge historischer Begebenheiten und alltäglicher Kleinigkeiten. Und nach und nach findet er immer mehr über seine eigene Vergangenheit heraus.
(Quelle: Klappentext - Galiani-Berlin/KiWi-Verlag)
Schon die Inhaltsangabe zeigt, dass dieses Buch ziemlich skurril ist: Ein Schrumpfkopf, der nach und nach ein Bewusstsein entwickelt und zu sprechen anfängt. Und dieser ist auch die Hauptfigur, denn er berichtet, was er in seinem langen Leben alles erlebt hat. Sein erster Besitzer (und Finder) ist Don Francisco, der ihn in seine Schreibstube hängt. Durch seine Beobachtungen erfährt er einiges über Don Franciscos Leben – als er ihn schließlich anspricht, fällt dieser vor Schreck tot um.
„Sein blankes Entsetzen war nicht zu verkennen. Ein sprechender Schrumpfkopf, das konnte nicht sein! (…) Er kippte zur Seite und war mausetot.“ – Seite 37, eBook
Und damit beginnt eine abenteuerliche Reise, die den Schrumpfkopf in verschiedene Länder und zu neuen Besitzern führt – und diese können unterschiedlicher nicht sein. Von einem englischen Kaufmann in Rom, über eine Schaustellergruppe in Deutschland bis hin zu verschiedenen Wissenschaftlern über England nach Frankreich zu einer Familie in Österreich – dieses ist nur eine kleine Auswahl an Besitzer, bei denen der Schrumpfkopf landet und immer mehr lernt und erlernt.
„Oh, was ich bei meinem Besitzer erlernte, war mehr als nur Schulbank- und Vorlesungswissen, von englischer Sprache, Geschichte und Philosophie zu naturwissenschaftlichen Kenntnissen. Er brachte mir Zahlen bei, lehrte mich Kopfrechnen, was ich bald besser beherrschte als er. (…) Ja, er machte mich zu einem Schrumpfkopf mit Bildung.“ – Seite 65, eBook
Einen Schrumpfkopf zu einer Hauptfigur zu machen ist zwar ziemlich außergewöhnlich, ist dem Autor aber gut gelungen. Die Geschichte beginnt ungefähr im Jahr 1780 und geht über zwei Jahrhunderte, die einige Abenteuer und Überraschungen bereithält. Die einzelnen Epochen, Schauplätze und die so verschiedenen Besitzer sind gut und detailreich wiedergegeben.
Auf den ersten Seiten wird klar, dass auch der Schreibstil besonders ist – ich musste mich erst dran gewöhnen. Das Buch lässt sich nach einigen Seiten dann doch überraschend flüssig lesen.
Doch trotz der positiven Eigenschaften konnte das Buch mich persönlich nur teilweise packen – die meisten Schilderungen des Schrumpfkopfes über einzelne Besitzer sind interessant und spannend zu verfolgen. Jedoch gibt es auch Passagen, die mir etwas langatmig, zu wirr und oftmals zu vollgepackt waren – man verliert zeitweise den Überblick.
Die skurrile Note, die der Geschichte anhaftet, ist überwiegend gut gelungen, aber in manchen Abschnitten wurden die Ausführungen dann doch zu übertrieben – weniger wäre hier mehr gewesen.
Mein Fazit: Ein sehr außergewöhnlicher Roman, in dem ein sprechender Schrumpfkopf über sein Leben berichtet. Herrlich skurril – eine große Abenteuerreise, die sich über zwei Jahrhunderte zieht, etliche Schauplätze und spezielle Nebenfiguren hat. Trotz einiger Schwächen ein besonderer Roman, den es sich zu lesen lohnt.
Meine Bewertung:
Titel: Die Tsantsa-Memoiren
Autor: Jan Koneffke
Genre: Abenteuerroman
Seitenanzahl: 560
Verlag: Galiani Berlin (ein Imprint von Kiepenheuer & Witsch)
Erstveröffentlichung: 10. September 2020
Vielen Dank an den KiWi-Verlag und Netgalley für das Rezensionsexemplar!

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