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Eine Reise mit Ada durch die Jahrhunderte
Der lang erwartete erste Roman der Bachmann-Preisträgerin Sharon Dodua Otoo: Adas Raum verwebt die Lebensgeschichten vieler Frauen zu einer Reise durch die Jahrhunderte und über Kontinente. Ein überraschender Roman, der davon erzählt, was es bedeutet, Frau zu sein.
Ada erlebt die Ankunft der Portugiesen an der Goldküste des Landes, das einmal Ghana werden wird. Jahrhunderte später wird sie für sich und ihr Baby eine Wohnung in Berlin suchen. In einem Ausstellungskatalog fällt ihr Blick auf ein goldenes Armband, das sie durch die Zeiten und Wandlungen begleitet hat. Ada ist viele Frauen, sie lebt viele Leben. Sie erlebt das Elend, aber auch das Glück, Frau zu sein, sie ist Opfer, leistet Widerstand und kämpft für ihre Unabhängigkeit.
(Quelle: Auszug aus der Inhaltsangabe - S. Fischer Verlage)
Sharon Dodua Otoos Roman Adas Raum ist außergewöhnlich, facettenreich, komplex und verwebt mehrere Jahrhunderte miteinander. Schon zu Anfang wird der spezielle Schreibstil sichtbar, der zugleich eindringlich ist, die Geschichte aber auch ein wenig rätselhaft macht. In der ersten Hälfte wechselt die Autorin regelmäßig zwischen drei verschiedenen Jahrhunderten und drei Adas: Im Jahr 1459 in einem kleinen westafrikanischen Dorf, 1848 in England und 1945 in Deutschland. Die Übergänge zwischen den Ebenen sind fließend.
„Der Sturm wütete immer mehr. Es war, als würden die Pfützen kochen und als müssten die Pflastersteine aufgebrochen werden, um sämtliche düsteren Geheimnisse der Straße endlich offenzulegen.“ (1848) – Seite 66, eBook
Später kommt dann noch Ada aus dem Jahr 2019 in Berlin hinzu. Jede dieser Frauen, die auf besondere Weise miteinander verbunden sind, leben völlig unterschiedliche Leben, die mitunter sehr berührend und dramatisch sind. Auch Ada und ihre Schwester Elle haben in der Gegenwart hat mit aktuellen Problemen zu kämpfen – darunter Vorurteile und Rassismus.
Zudem gibt es auch noch ein „Etwas“, dass die Adas durch alle Jahrhunderte und deren Schicksale begleitet – in verschiedenen Formen. Dieses wird nach und nach sichtbar und ist zunächst etwas skurril, aber dennoch passend. Auch verschiedene Momentaufnahmen, ein Gegenstand und eine Zahl verweben die so verschiedenen Geschichten miteinander – das finde ich sehr gelungen.
„Die Wände drückten noch einmal enger auf mich ein. Die Grenze zwischen Geborgenheit und Unbehagen war hauchdünn.“ – Seite 152, eBook
Am Anfang wirkt der Roman sehr rätselhaft und etwas wirr - hier empfehle ich, alles einfach auf sich wirken zu lassen. Etwas später bekommt man ein klareres Bild und kann alles besser einordnen. Zugleich lässt die Autorin auch noch Platz für Eigeninterpretationen – manches bleibt daher etwas verschwommen. Normalerweise mag ich sowas nicht so gern, aber hier ist es gut gewählt.
Es wird oft berührend und auch sehr bewegend.
Mein Fazit: Ein außergewöhnliches Buch, auf das man sich einlassen muss. Es ist speziell geschrieben, geht durch Zeit, Raum und durch Jahrhunderte und bleibt an manchen Stellen geheimnisvoll – jedoch ist es gleichzeitig auch ein fesselndes Buch, das auf besondere Weise großartig ist. Verschiedene Schicksale, oft berührend und traurig, aber immer sehr bewegend. Mir hat das Buch in seiner Gesamtheit sehr gut gefallen.
Meine Bewertung:
Autor: Sharon Dodua Otoo
Genre: Roman / Gegenwartsliteratur
Seitenanzahl: 320
Verlag: Droemer- Knaur
Erstveröffentlichung: 24. Februar 2021

Hi Nicole!
AntwortenLöschenIm ersten Moment hört es sich nicht so an, als wäre es etwas für mich, aber du hast mich jetzt trotzdem neugierig machen können.
Dieses "durch die Jahrunderte springen" hatte ich bisher nur in Die Geschichte der Bienen von Maja Lunde, das ich allerdings abgebrochen habe, genauso wie leider Der Wolkenatlas. Beides oft sehr gelobt, aber konnte mich einfach nicht erreichen.
Vielleicht ist es hier ja mal anders :)
Vielen Dank für die schöne Vorstellung!
Liebste Grüße, Aleshanee
Hi Aleshanee,
Löschenok, wenn das "durch die Jahrhunderte springen" nicht so dein Ding ist, kann ich verstehen, dass du eher zögerlich bist. Mir hatte damals auch "Die Geschichte der Bienen" sehr gut gefallen. :)
Ich hatte dir ja "Wolkenkuckucksland" von Anthony Doerr empohlen - das Buch ist zwar komplett anders als "Adas Raum", aber da geht es auch durch die Jahrhunderte und wird auch den Fans vom "Wolkenatlas" empfohlen.
("Der Wolkenatlas" liegt bei mir noch auf dem SuB.)
Aber vielleicht findest du ja doch noch Gefallen an den Büchern - du kannst mich ja mal auf dem Laufenden halten. :)
Liebe Grüße
Nicole
Ich hab da noch nicht wirklich viel Leseerfahrung ... bei "Das unsichtbare Leben der Addie LaRue" ging es ja auch durch die Jahrhunderte, allerdings mit einer Person.
LöschenDas Überschneiden der Handlungen über mehrere Jahrhunderte hatte ich noch nie so wirklich, wenn ich mich richtig erinnere. Aber vielleicht ist ja dann das hier mal ein besserer Einstieg :)
Das Wolkenkuckunsland hab ich schon auf meiner Wunschliste vermerkt! Oh, für Fans vom Wolkenatlas?^^ Da hoffe ich einfach mal dass das wieder nur so eine Phrase ist, wie so oft mit diesen Teasern :D
"Addie LaRue" hatte mir auch sehr gut gefallen.
LöschenDa ich den "Wolkenatlas" noch nicht gelesen habe, kann ich noch keine Vergleiche mit "Wolkenkuckucksland" anstellen. Aber das Buch steht ganz oben auf meiner Leseliste.
Genau, man muss sich einfah selbst ein Bild machen, da Geschmäcker ja sehr verschieden sind. :)
Auf jeden Fall! Diese Vergleiche hinken ja oft und ich mag das eh immer nicht so gerne. Klar gibts oftmals Parallelen, trotzdem hat jeder Autor seinen eigenen Stil und seine eigene Geschichte - da mag die eine punkten, die andere halt nicht.
LöschenIch bin jedenfalls jetzt sehr neugierig geworden :)