Montag, 4. April 2022

Rezension zu "Die Wut, die bleibt" von Mareike Fallwickl

 

Zum Buch

Von Wut, Trauer und Veränderung…

Helene, Mutter von drei Kindern, steht beim Abendessen auf, geht zum Balkon und stürzt sich ohne ein Wort in den Tod. Die Familie ist im Schockzustand. Plötzlich fehlt ihnen alles, was sie bisher zusammengehalten hat: Liebe, Fürsorge, Sicherheit.
Helenes beste Freundin Sarah, die Helene ihrer Familie wegen zugleich beneidet und bemitleidet hat, wird in den Strudel der Trauer und des Chaos gezogen. Lola, die älteste Tochter von Helene, sucht nach einer Möglichkeit, mit ihren Emotionen fertigzuwerden, und konzentriert sich auf das Gefühl, das am stärksten ist: Wut.

Drei Frauen: Die eine entzieht sich dem, was das Leben einer Mutter zumutet. Die anderen beiden, die Tochter und die beste Freundin, müssen Wege finden, diese Lücke zu schließen. Ihre Schicksale verweben sich in diesem bewegenden und kämpferischen Roman darüber, was es heißt, in unserer Gesellschaft Frau zu sein. (Quelle: Inhaltsangabe - Rowohlt Verlag)



Von Mareike Fallwickl habe ich im Jahr 2018 Dunkelgrün, fast schwarz gelesen – der Roman hat mich mit seinem intensiven Schreibstil und der guten Figurenzeichnung begeistert. Diese Erzählweise hat die Autorin in Die Wut, die bleibt beibehalten.
Schon das erste Kapitel hat es in sich: Helene, Mutter von drei Kindern steht während des Abendessens auf, öffnet die Tür zum Balkon – und springt.
Johannes, ihr Mann und Vater der beiden kleinen Söhne Maxi und Lucius, ist völlig überfordert und entzieht sich der Verantwortung. Die fünfzehnjährige Tochter Lola kümmert sich rührend um ihre beiden Halbgeschwister, gleichzeitig tobt in ihr das Chaos – und die Wut.

„Der Unterschlupf, in dem sie sich zusammenkauern, nah beieinander, ist eine Zuflucht vor der Wahrheit. Vor dem Wissen, dass es da draußen, außerhalb der Höhle, keine Helene mehr gibt.“ – Seite 186, eBook


Sarah, die Helenes beste Freundin seit Kindheitstagen war, lebte bisher ein völlig anderes Leben – und versucht nun, allem gerecht zu werden. Sie kümmert sich um die Kinder und versucht, den richtigen Weg zu finden. Gleichzeitig wird sowohl Sarah, als auch Lola einiges klar: Sie überdenken ihre Leben, kämpfen für ihr Recht und sind auf der Suche nach sich selbst – jede auf ihre eigene Weise.

„Es ist still, sie schlafen ein, sie haben einen gemeinsamen Frieden, oder vielleicht ist es die Ruhe vor dem Sturm. Denn da ist ein Ziehen und ein feines, glühendes Simmern. Das ist eine Wut, die bleibt.“ – Seite 225, eBook


Dieses Buch gehört zu denen, die noch lange nachhallen. Die Autorin schaut hinter die Kulissen einer Familie – mit all ihrem alltäglichen Chaos und zeigt auf, was Frauen tagtäglich leisten. Die Geschichte beginnt im März 2021 – auch Corona und der Lockdown ist hier mit eingebunden, überlagert die Geschichte aber nicht. Sehr stark ist hier die Ausarbeitung der Figuren: Abwechselnd erfahren wir aus Sicht von Sarah und Lola, wie sich ihre Leben nach Helenes Tod verändern – von Höhen und Tiefen, Traurigkeit, Angst, Wut und auch Selbstfindung. Gleichzeit lernen wir auch Helene kennen, deren Leben aus Sicht der beiden Frauen geschildert wird – hier sind die Momentaufnahmen sehr gut gelungen.

„Die Atmosphäre schwankt um, wird schwerer und dichter.“ – Seite 268, eBook


Es wird schonungslos ehrlich, es wird bewegend und tut an manchen Stellen richtig weh – gleichzeitig wird es auch emotional und berührend. Beeindruckend ist, welche Veränderungen die beiden Frauen durchmachen – hier gibt es einige Überraschungen.


Mein Fazit: Ein schonungslos ehrlicher und bewegender Roman, den man nicht so schnell vergisst. Beeindruckend ist der direkte und intensive Schreibstil, auch die Charaktere sind stark gezeichnet. Die Wut, die bleibt ist eine aufrüttelnde Geschichte und sehr lesenswert.


Meine Bewertung:




Titel: Die Wut, die bleibt
Autorin: Mareike Fallwickl
Genre: Gegenwartsliteratur / Drama
Seitenanzahl: 384
Verlag: Rowohlt
Erstveröffentlichung: 22. März 2022

Vielen Dank an den Rowohlt-Verlag und Netgalley für das Rezensionsexemplar!

2 Kommentare:

  1. Hi Nicole!

    Mir hatte "Dunkelgrün, fast schwarz" auch sehr gut gefallen und ich werde das hier auf jeden Fall auch noch lesen! Ich muss aber abwarten, wann ich vom Gefühl her dafür "bereit" bin. Das Thema ist ja nicht einfach und ich kann mir gut vorstellen, dass es ein sehr intensives Leseerlebnis ist - auch durch den Schreibstil, der sich hier anscheinend ähnlich gut mit der Geschichte verwebt.

    Vielen Dank für deine Eindrücke!

    Liebste Grüße, Aleshanee

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    1. Hallo Aleshanee,

      genau, das Buch hat so einen intensiven Schreibstil wie "Dunkelgrün, fast schwarz" und lässt einen auch so schnell nicht wieder los. Es ist aber wirklichs sehr lesesnwert. Dass du abwarten möchtest bis du "bereit" für die Geschichte bist, ist eine gute Idee. Ich habe es genau so gemacht.

      Liebe Grüße
      Nicole

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