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1946. Drei Jahre nach dem katastrophalen Ereignis, das ihre Familie zerriss, fliehen eine Mutter und ihre Tochter von Polen nach Paris. Blind vor Sorge und Schuldgefühlen ahnen sie nicht, wie schwer es ist, der Vergangenheit zu entkommen.
Fast achtzig Jahre später führt Gretel Fernsby in ihrem Londoner Villenviertel ein ruhiges Leben, Welten entfernt von der traumatischen Kindheit. Als eine junge Familie in die Wohnung unter ihr zieht, hofft sie, dass die eingespielte Hausgemeinschaft nicht aus dem Gleichgewicht gerät. Doch der neunjährige Henry weckt Erinnerungen, denen sie sich nicht stellen will.
Gretel steht plötzlich vor der Wahl zwischen ihrer eigenen und Henrys Sicherheit. Gewinnt die Verantwortung, oder macht sie sich mitschuldig, wie damals? Wenn sie jetzt eingreift, riskiert sie, Geheimnisse preiszugeben, die sie ein Leben lang gehütet hat… (Quelle: Inhaltsangabe - Piper Verlag)
Es ist schon einige Jahre her, als ich Der Junge im gestreiften Pyjama gelesen habe, aber dieses erschütternde Buch habe ich nie vergessen. Daher war ich nun sehr neugierig auf die Fortsetzung. Als die Welt zerbrach erzählt die Geschichte von Gretel weiter, der älteren Schwester der damaligen Hauptfigur.
Im Jahr 1946: Drei Jahre nach dem schrecklichen Ereignis flieht die inzwischen 15-jährige Gretel gemeinsam mit ihrer Mutter nach Paris. Sie versuchen, der Vergangenheit zu entkommen – doch die Schuldgefühle bleiben. Und die Gedanken an ihren damals 9-jährigen Bruder. Ihr Leben in Paris läuft anders als erhofft und Gretels weiterer Weg ist von der Vergangenheit gezeichnet…
„Wir waren fasziniert von den Uniformen und Kleidern, die durch die Eingangshalle rauschten, ein Meer aus Farben. War das wirklich erst vier Jahre her? Es fühlte sich an, als wären seither mehrere Leben vergangen, und die zweihundert Wochen, die Damals von Heute trennen, trieften vor Blut.“ – Seite 30, eBook
Im Jahr 2022: Inzwischen in Gretel 91 Jahre alt, lebt seit vielen Jahren in ihrer Wohnung in einem Londoner Villenviertel. Sie lebt ein ruhiges Leben und ist den schrecklichen Erinnerungen entflohen.
Doch als in der Wohnung unter ihr ein Ehepaar mit ihrem 9-jährigen Sohn Henry einzieht, holen sie die Erinnerungen an ihren Bruder ein, die sie versucht hat, zu verdrängen – und mit ihr die Frage nach Schuld.
Schnell wird klar, dass es Probleme in der Familie gibt, doch Gretel versucht, allem aus dem Weg zu gehen. Doch als Henrys Sicherheit gefährdet ist, muss sie eine weitreichende Entscheidung treffen…
Genau wie schon Der Junge im gestreiften Pyjama hat dieses Buch eine beklemmende Atmosphäre und geht nochmal zurück in die dunkelsten und schrecklichsten Jahre des Zweiten Weltkriegs.
Das Buch ist in der Ich-Perspektive aus Gretels Sicht geschrieben – die einzelnen Kapitel wechseln regelmäßig zwischen den Geschehnissen in der Vergangenheit (die im Jahr 1946 beginnen) und den aktuellen Ereignissen im Jahr 2022. So setzt sich nach und nach Gretels Lebensweg zusammen, der geprägt ist von der Vergangenheit ihres Vaters, traurigen Geheimnissen und immer mit der Schuld im Gepäck.
„Schuld ließ einen nachts nicht schlafen oder vergiftete die Träume, wenn man doch einmal einschlief. Schuld schlich sich in jeden glücklichen Moment und flüsterte einem ins Ohr, dass man kein Recht auf Glück habe. Schuld verfolgte einen auf der Straße, sprengte die alltäglichsten Augenblicke mit Erinnerungen an Stunden, in den man Tragisches hätte verhindern können, es aber nicht getan hatte.“ – Seite 124, eBook
Nach und nach setzt sich aus Vergangenheit und Gegenwart ein Gesamtbild zusammen, das besonders zum Ende hin Überraschendes offenbart.
Die Handlung ist besonders in den Abschnitten der Vergangenheit sehr erschütternd.
Mit der jungen Gretel hatte ich so meine Schwierigkeiten, sie wirkte etwas wirr, mit einigen Kapiteln habe ich mich irgendwie schwergetan. Die Abschnitte aus der Gegenwart sind spannend, gleichzeitig aber auch sehr bewegend und nicht leicht. Der klare und ruhige Schreibstil von John Boyne hat mir gefallen. Gut gelungen ist ihm der regelmäßige Wechsel zwischen damals und heute – jeweils mit passendem Erzählstil
Noch zu der Frage, ob man der Vorgängerroman gelesen habe sollte: Das Buch ist so geschrieben, dass nach und nach klar wird, was damals geschehen ist und so kann der Roman auch ohne Vorkenntnisse gelesen werden.
Dennoch würde ich empfehlen, zunächst den Vorgänger zu lesen, weil so noch klarer wird, worauf sich manches genau bezieht. Zudem werden einige Geschehnisse aufgegriffen, die hier aus Gretels Sicht dargestellt werden.
Mein Fazit: Genau wie der Vorgänger ist Als die Welt zerbrach sehr beklemmend und erschütternd, da die Ereignisse aus der Vergangenheit fortgeführt werden. Gut gelungen ist der regelmäßige Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart, wo sich ein Gesamtbild zusammensetzt, in dem sich einiges offenbart. Bis auf Kleinigkeiten ein sehr lesenswerter und bewegender Roman, der einen nicht so schnell loslässt.
Meine Bewertung:
Titel: Als die Welt zerbrach
Autor: John Boyne
Genre: Drama
Seitenanzahl: 416
Verlag: Piper
Erstveröffentlichung: 27. Oktober 2022
Vielen Dank an den Piper-Verlag und Netgalley für das Rezensionsexemplar!

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