Dienstag, 28. Februar 2023

Rezension zu "Zwischen Welten" von Juli Zeh & Simon Urban

 

Zum Buch

Zwischen zwei Welten


Zwanzig Jahre sind vergangen: Als sich Stefan und Theresa zufällig in Hamburg über den Weg laufen, endet ihr erstes Wiedersehen in einem Desaster. Zu Studienzeiten waren sie wie eine Familie füreinander, heute sind kaum noch Gemeinsamkeiten übrig. Stefan hat Karriere bei Deutschlands größter Wochenzeitung DER BOTE gemacht, Theresa den Bauernhof ihres Vaters in Brandenburg übernommen. Aus den unterschiedlichen Lebensentwürfen sind gegensätzliche Haltungen geworden. Stefan versucht bei seiner Zeitung, durch engagierte journalistische Projekte den Klimawandel zu bekämpfen. Theresa steht mit ihrem Bio-Milchhof vor Herausforderungen, die sie an den Rand ihrer Kraft bringen. Die beiden beschließen, noch einmal von vorne anzufangen, sich per E-Mail und WhatsApp gegenseitig aus ihren Welten zu erzählen. Doch während sie einander näherkommen, geraten sie immer wieder in einen hitzigen Schlagabtausch um polarisierende Fragen wie Klimapolitik, Gendersprache und Rassismusvorwürfe. Ist heute wirklich jeder und jede gezwungen, eine Seite zu wählen? Oder gibt es noch Gemeinsamkeiten zwischen den Welten? Und können Freundschaft und Liebe die Kluft überbrücken?
(Quelle: Inhaltsangabe - Luchterhand Verlag)



Von Juli Zeh sind mir vor allem ihre Romane Unterleuten und Über Menschen im Gedächtnis geblieben – und ihr präziser und detailreicher Schreibstil. Zusammen mit dem Autor Simon Urban ist nun ihr gemeinsamer Roman Zwischen Welten erschienen.

Hauptfiguren sind Theresa und Stefan, beide Mitte vierzig, die sich nach zwanzig Jahren zufällig in Hamburg wiedertreffen. Damals haben sie zusammen in einer WG in Münster gewohnt und studiert. Doch seitdem hat sich einiges geändert – sowohl ihre Lebenswege als auch ihre Ansichten: Stefan ist Single, lebt in Hamburg und ist stellvertretener Chefredakteur bei Deutschlands größter Wochenzeitung DER BOTE. Aktuell möchte er der eingestaubten Zeitung etwas mehr Aktualität geben und kämpft für eine Sonderbeilage zum Thema Klimaschutz. Doch nicht alle Kollegen sind bereit für Veränderungen…
Theresa ist zurück in ihre Heimat gezogen – im Dorf Schütte, das 80km westlich von Berlin liegt, hat sie den Bauernhof ihres Vaters übernommen und daraus einen modernen Biohof gemacht. Doch aktuell kämpft Theresa mit großen Problemen: Sie arbeitet rund um die Uhr, doch trotzdem rutscht sie mit ihrem Betrieb immer weiter in die roten Zahlen, da die Anforderungen alles übersteigen.

Nachdem ihr Wiedersehen ziemlich hitzig endete, haben sie beschlossen, sich von nun an regelmäßig per Mail und Messenger über ihre so unterschiedlichen Leben auszutauschen. Alles kommt auf den Tisch: Aktuelle Themen und ihre gegensätzlichen Meinungen, aber auch aktuelle Geschehnisse – sowohl bei Stefan und der Wochenzeitung, als auch bei Theresas Bauernhof passiert einiges.

Von der Klimakrise und der aktuellen Politik, über Rassismus, Gleichberechtigung, Gendersprache bis hin zum Krieg in der Ukraine – dieses sind nur einige Themen, die Theresa und Stefan in ihren Mails und WhatsApp-Nachrichten diskutieren – oft mit unterschiedlichen Standpunkten. Mal spitzt sich der Mailverlauf zu und die beiden geraten ziemlich aneinander. Juli Zeh und Simon Urban greifen hier sämtliche aktuelle Themen in ihrem Roman auf.

Da die komplette Handlung in einer Art Briefform (WhatsApp- und Mailaustausch) geschrieben wurde, war ich zunächst unsicher, ob die nötige Spannung und ein roter Faden vorhanden sind. Doch die Sorge war unbegründet: Der intensive Austausch, der über mehrere Monate geht, lässt sich gut verfolgen. Von kurzen WhatsApp-Nachrichten bis hin zu ausführlichen Mails – man bekommt sowohl von Stefans als auch von Theresas Leben einen sehr detaillierten Einblick. Hier prallen zwei Welten aufeinander, wie sie unterschiedlicher nicht sein können. Dazu vertreten beide ihre eigenen Meinungen, womit sie ziemlich aneinander rasseln. Mal unangenehm und schwierig, dann wieder besser.

„Dispatches from elsewhere: Wie nahe unsere Leben einander mal waren und wie Lichtjahre entfernt sie nun voneinander sind. (Stefan) – Seite 28, eBook


Die beiden Hauptfiguren sind nicht einfach und manchmal tatsächlich auch etwas nervig, aber das soll wahrscheinlich genauso sein – denn sie sind in jedem Fall sehr gut ausgearbeitet. Man bekommt nicht nur einen Einblick in ihre Standpunkte, sondern auch, was gerade aktuell in ihren Leben passiert. Beides ist manchmal ziemlich heftig.

Auch die Entwicklung der Nebenfiguren, die in ihrem Austausch zum Teil zentrale Rollen spielen, lassen sich sehr gut verfolgen. Es bleibt fast durchgehend auf besondere Weise spannend, nur zwischendurch wiederholt sich einiges, manchmal wird etwas zu sehr in die Länge gezogen. Aber nach dieser kurzen Schwäche nimmt die Story nochmal an Fahrt auf und das Ende ist anders als gedacht…

Mein Fazit:
Ein sprachgewaltiger Roman, in dem zwei Leben aufeinanderprallen, die unterschiedlicher nicht sein können. Komplett als Mail- und Messenger-Austausch aufgebaut, haben die beiden Autoren eine außergewöhnliche Handlung geschaffen - was ihnen gelungen ist. Von unterschiedlichen Lebensweisen und -ansichten bis hin zu den aktuellsten Themen unserer Zeit – die beiden Hauptfiguren diskutieren heftig und erleben einiges - manches ist nicht ohne. Bis auf kleinere Schwächen ein lesenswertes Buch, das man nicht so schnell vergisst.



Meine Bewertung:







Titel: Zwischen Welten
Autoren: Juli Zeh / Simon Urban
Genre: Gegenwartsliteratur
Seitenanzahl: 448
Verlag: Luchterhand
Erstveröffentlichung: 25. Januar 2023


Vielen Dank an das Bloggerportal und Luchterhand für das Rezensionsexemplar!


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