Dienstag, 29. Oktober 2024

Rezension zu "Wohnverwandtschaften" von Isabel Bogdan

 

Zum Buch

Von Freundschaften und Wahlfamilien

Constanze zieht nach der Trennung von ihrem Lebensgefährten in die Wohngemeinschaft von Jörg, Anke und Murat. Was zunächst als Übergangslösung gedacht war, entpuppt sich als zunehmend stabil. Da ist Jörg, dem die Wohnung gehört und der eine große Reise plant; Anke, die als mittelalte Schauspielerin kaum noch gebucht wird und plötzlich nicht mehr die einzige Frau in der WG ist; und Murat, der sich einfach keine Sorgen machen will und dessen Lebenslust auf die anderen mitreißend und manchmal auch enervierend wirkt. Constanze sorgt als Neuankömmling dafür, dass sich die bisherige Tektonik gehörig verschiebt. Alle vier haben ihre eigenen Träume und Sehnsüchte und müssen sich irgendwann der Frage stellen, ob sie eine reine Zweck-WG sind oder doch die Wahlfamilie. (Quelle: Auszug aus der Inhaltsangabe - KiWi- Verlag)



Wohnverwandtschaften ist der neue Roman von Autorin Isabel Bogdan, die mich zuletzt mit ihrem Buch Der Pfau begeistern konnte. Hier schildert sie das Leben von vier Menschen, die zu einer besonderen Gemeinschaft werden.

Im Mittelpunkt ihres neuen Romans stehen die vier Menschen einer Wohngemeinschaft und diese könnten unterschiedlicher nicht sein: Jörg, dem die Wohnung gehört, plant eine große Reise nach Georgien und erinnert sich gern an die Zeit zurück als seine Frau Brigitte noch lebte. Anke ist Schauspielerin und hat es derzeit schwer auf dem Arbeitsmarkt – sie ist im mittleren Alter und wird kaum noch gebucht. Murat ist der Lebensfrohe in der Gemeinschaft, der gut kochen kann und anscheinend nicht viele Sorgen hat. Zu der eingeschworenen Dreier-WG zieht nun Constanze, die sich gerade von ihrem Lebensgefährten getrennt hat und ihr Leben nun neu ordnen will.
Was nur als Übergangslösung gedacht war, wird zu einer neuen Gemeinschaft, auf die einige neue Herausforderungen zukommen und jeder eigene Wünsche für sein Leben hat.

Der Roman ist in der Ich-Perspektive geschrieben, die regelmäßig zwischen den vier Hauptcharakteren Constanze, Murat, Anke und Jörg wechselt. So bekommt man einen sehr guten Ein- und Überblick – sowohl in das Leben der WG als auch in die Gedanken und Lebenswege der Figuren. Jede und jeder hat eigene Sorgen, Sehnsüchte und Zukunftsträume – alles ist sehr nah geschrieben. Zudem sind sie immer füreinander da – auch als eines Tages neue Entscheidungen getroffen werden müssen und sich einiges ändern wird.
Zwischen dem Wechsel der Perspektiven gibt es immer wieder kurze Kapitel, die wie ein Protokoll aufgeführt sind und die anwesenden Personen beschreibt und in welcher Situation sie sich befinden. Das ist gut eingebaut.

„Ich habe sie furchtbar gern und immer noch Angst, dass sie sich eine Wohnung sucht und auszieht. Sie soll bleiben. Und Anke soll bleiben. Und überhaupt soll alles bleiben.“ (Murat) – Seite 143, eBook


Nach und nach zeigt sich, dass eine Wohngemeinschaft mit völlig unterschiedlichen Personen nicht nur eine Zweckgemeinschaft, sondern auch zu einer Wahlfamilie werden kann. Und Freundschaften entstehen. Dieses hat die Autorin hier wunderbar umgesetzt.

„Allein wäre ich niemals in diesen Laden gegangen, ich hätte niemals diese Klamotten angezogen, aber das Wunder ist: Ich sehe aus wie ich selbst, nur viel toller. Und selbstbewusster.“ (Constanze) – Seite 162, eBook


Insgesamt ist der Schreibstil eher leicht gehalten – gerade anfangs blitzt auch ab und an etwas Humor auf. Später wird es berührend und beinhaltet auch ein ernsteres Thema.



Mein Fazit: Ein berührender Roman über Wahlfamilien, Freundschaften und Zusammenhalt. Auch wenn der Schreibstil eine leichte Note hat, wird es bewegend und nachdenklich. Von gut gezeichneten Figuren, deren Gedanken sehr nah beschrieben sind zu Entscheidungen, die getroffen werden müssen – ein sehr lesenswerter Roman.


Meine Bewertung: 




Titel: Wohnverwandtschaften
Autorin: Isabel Bogdan
Genre: Roman / Gegenwartsliteratur
Seitenanzahl: 272
Verlag: Kiepenheuer & Witsch
Erstveröffentlichung: 10. Oktober 2024


Vielen Dank an den KiWi-Verlag und Netgalley für das Rezensionsexemplar!

2 Kommentare:

  1. Schönen guten Morgen!

    Ich mochte ja "Der Pfau" auch total gerne - und auch wenn es ein skurriler witziger Roman war, gab es hier auch sehr berührende Untertöne. Erinnert mich auch ein bisschen an die Bücher von Fredrik Backman, die anfangs auch etwas seltsam und witzig sind und dann doch sehr tiefgehend und berührend werden.

    Danke für deine Vorstellung, ich werd es mir auf jeden Fall auf die Merkliste setzen!

    Liebste Grüße, Aleshanee

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo liebe Aleshanee,
      ich würde sagen, dass bei "Der Pfau" noch etwas mehr Humor enthalten ist - hier in "Wohnverwandtschaften" schwingt anfangs ein leiser Humor mit, was gut gelungen ist - zum Ende hin wird es sehr berührend.

      Stimmt, an Fredrik Backman habe ich gar nicht gedacht - aber du hast recht: neben Humor gibt es da auch immer eine tiefere Botschaft.
      Ich bin sehr gespannt auf deine Meinung, falls du es lesen solltest. :)

      Liebe Grüße
      Nicole

      Löschen