Es ist der 20. Juni 1948 - der Tag der Währungsreform. Die
D-Mark wird eingeführt und jeder erhält 40 DM "Kopfgeld". Auch in der
kleinen Stadt Altena im Sauerland stehen die Menschen in langen Schlangen vor
der Geldausgabe. Unter ihnen auch sechs junge Leute: Die drei Schwestern Ruth,
Ulla und Gundel - die Töchter des erfolgreichen Drahtfabrikanten Wolf. Und auch
Tommy, Bernd und Benno sind gespannt - jeder der sechs hat eigene Pläne und
Träume für die Zukunft, jeder weiß genau, wofür er das Kopfgeld verwenden
möchte.
So geht jeder der sechs seiner Wege - und diese können
unterschiedlicher nicht sein: Freud und Leid, Liebe und Einsamkeit, Glück und Pech
können in den nächsten Jahren und Jahrzehnten nicht enger beieinander liegen. Mancher
von ihnen findet das große Glück und andere wiederum scheitern...
"Während die anderen über seinen Witz lachten, beschlich Ulla ein seltsames Gefühl. Plötzlich war ihr, als würden diese fremden, unbekannten Frauen auf den neuen Scheinen von jetzt an ihr Leben bestimmen." - Seite 45
Dieses ist nur ein ganz kleiner Einblick in den neuen,
großen Roman von Peter Prange. Den Leser erwartet ein eindrucksvolles
Zeitporträt vom Jahre 1948 bis hin zu 2001. Die Zeit der D-Mark, des
Aufschwungs, der Rezession und dem Mauerfall - alles wird detailreich in diesem
umfangreichen Roman geschildert und mit dem Schicksal der Hauptcharaktere
verwoben. Im Mittelpunkt stehen sechs junge Leute, die mit den 40 DM ihre ganz
eigenen Wege gehen. Es wird mal packend und dramatisch, die Zeiten sind mal
traurig und mal glücklich. Neben den Hauptfiguren spielen aber auch noch viele
andere Charaktere eine zentrale Rolle. Sowohl die vielen einzelnen Figuren und
Schicksale, die Handlungsorte, als auch historische Fakten - alles hat Peter
Prange hier sehr gut wiedergegeben und zu einem packendem Familiendrama
gemacht. Der Roman ist aufgeteilt in drei Bücher, die, angegeben mit dem
jeweiligen Zeitabschnitt, in Teile gegliedert wurde. Die jeweiligen Kapitel
sind relativ kurz und wechseln zwischen den Charakteren hin und her. Dieses ist
sehr gut gewählt und man erhält so einen wunderbaren großen Überblick über die
gesamte Geschichte.
"Seine Mutter war nur vierundvierzig Jahre alt geworden... Wie oft hatte er sich für sie geschämt, weil sie nur eine Putzfrau gewesen war und ihm keinen Vater gegeben, sondern ihn allein aufgezogen hatte. Jetzt war er so stolz auf sie, wie sie es zeit ihres Lebens auf ihn gewesen war. Doch es war zu spät, um es ihr zu sagen." - Seite 366
Mein Fazit: Dieser große Deutschland-Roman hat einiges zu
bieten: Auf seinen 976 Seiten gibt es eine dramatische Familiengeschichte, die
im Zeitraum von 1948-2001 spielt. Es ist unheimlich packend, die Lebenswege der
sechs Hauptprotagonisten und deren Familien, Freunde und Feinde zu verfolgen.
Es passiert einiges, es gibt Überraschungen, sowie schöne und auch traurige
Momente. Der Schreibstil ist sehr klar und nimmt den Leser sofort gefangen. Ein
beeindruckender Schmöker, der ideal für lange Wintertage ist. Ich lese sehr
gerne umfangreiche Bücher, weiß aber auch, dass manche vielleicht vor der
Seitenzahl zurückschrecken könnten. Doch die Geschichte lässt sich von Anfang
an sehr flüssig lesen, sodass man hier überhaupt keine Bedenken haben muss.
Kurz gesagt: Unsere wunderbaren Jahre - Ein deutsches
Märchen ist sehr lesenswert und ein erstes Lesehighlight im neuen Jahr.
Meine Bewertung:
Titel: Unsere wunderbaren Jahre
Autor: Peter Prange
Genre: Historischer Roman
Seitenanzahl: 976
Verlag: FISCHER Scherz
Ersveröffentlichung: 13. Oktober 2016




