Samstag, 24. April 2021

Rezension zu "Was, wenn wir einfach die Welt retten?" von Frank Schätzing

 

Zum Buch
Der Klimawandel und seine Folgen

Der Pageturner zur Klimakrise.
Wir sind in einem Thriller. Sie und ich. Nicht als Leser und Autor. Als Akteure. Besagter Thriller schreibt sich seit Menschengedenken fort und wechselt dabei immer wieder den Titel. Aktuell heißt er Klimakrise. Pandemie. Digitalisierung. Terror. In der Vergangenheit hieß er Kalter Krieg, Wettrüsten, davor Zweiter Weltkrieg, Erster Weltkrieg.

Doch nie waren wir so vielen potenziellen Schrecknissen gleichzeitig ausgesetzt wie heute. Falls Sie also dem Klimaschutz vorübergehend Ihre Aufmerksamkeit entzogen haben, um mit einer Pandemie zurechtzukommen, ist das schlichtweg menschlich. Was nichts daran ändert, dass der Klimawandel die wohl größte existenzielle Bedrohung unserer Geschichte darstellt, und ebenso wenig wie ein Virus lässt er mit sich reden. Zeit, zurück ins Handeln zu finden. Die gute Nachricht ist: Wir können die Herausforderung meistern. Mit Wissen, Willenskraft, positivem Denken, Kreativität, der Liebe zum Leben auf unserem Planeten und ein bisschen persönlichem Heldentum, wie man es im Thriller braucht. Ab jetzt spielen wir alle – jeder von uns, auch Sie – eine Hauptrolle! (Quelle: Klappentext - KiWi-Verlag)



„Nach Nachrichten aus einem unbekannten Universum (2006), ist Was, wenn wir einfach die Welt retten? Frank Schätzings zweites Sachbuch. Dieses mal also kein Science-Fiction-Thriller, aber mindestens genau so spannend. Denn in diesem Buch widmet sich der Autor einem brandaktuellen Thema, das wichtiger denn je ist: Dem Klimawandel.
Natürlich ist vieles schon, zumindest in groben Zügen, durch die Medien bekannt, aber Schätzing führt uns Leser*innen noch näher an das Thema Klimakrise heran – und das auf eine sehr interessante, manchmal unheimliche, aber auch spannende Weise.

Er beginnt damit, dass er erklärt, was genau Klima eigentlich ist:

„Die Gesamtheit allen Wetters nennen wir Klima. Wetter ist lokal. Klima global. Je größer und komplexer das System, desto langsamer verändert es sich, und Klima ist ein aberwitzig komplexes System.“ – Seite 24, eBook


„Weltklima braucht Tausende, Abertausende, mitunter Millionen Jahre, um signifikant andere Rahmenbedingungen fürs lokale Wetter zu schaffen. Es ändert sich ungeheuer langsam. Aber es ändert sich.“ – Seite 24, eBook


Zudem erfahren wir den Unterschied zwischen natürlichem und menschgemachten Klimawandel und was genau Treibhausgase eigentlich sind.
Nebenbei entwirft Schätzing noch ein „Was wäre wenn“ – Szenario im Worst-Case-Stil – mit dem Schlimmsten, was passieren könnte, wenn sich nichts ändert - im wahrsten Sinne des Wortes ein Thriller. Er zeigt auf, was die Erderwärmung, die Eis- und Schneeschmelze und der steigende Meeresspiegel für langfristige Folgen haben werden und wie es überhaupt dazu kommt.
Aber er macht auch deutlich, dass es noch nicht zu spät ist, um die Welt zu retten.

„In Krisen muss man miteinander reden, statt einander zu dämonisieren. In der Klimakrise, der größten, allemal.“ – Seite 90, eBook


Das Buch enthält viele Fakten, interessante Hintergrundinfos und auch fachliche Begriffe – diese werden aber sehr verständlich erklärt – immer in einem lockeren und leichten Stil ohne zu „trocken“ zu wirken.
Neben den gut recherchierten Fakten gibt es auch immer mal wieder unterhaltsame Anekdoten, in denen ab und an auch mal etwas Humor mit dabei ist. Etwas Science-Fiction gibt es auch. Dennoch verliert Schätzing aber nie seine Botschaft aus den Augen.

Mein Fazit: Ein sehr lesenswertes, interessantes und wichtiges Buch, das zum Nachdenken anregt. Mit vielen Fakten, wichtigen Botschaften und einfachen Erklärungen bringt Frank Schätzing uns das Thema Klimawandel näher - einfach und gut recherchiert. Sehr interessant, gleichzeitig aber auch unterhaltsam und spannend!


Meine Bewertung:





Titel: Was. wenn wir einfach die Welt retten? - Handlen in der Klimakrise
Autor: Frank Schätzing
Genre: Sachbuch
Seitenanzahl: 336
Verlag: Kiepenheuer & Witsch
Erstveröffentlichung: 15. April 2021

Vielen Dank an den KiWi-Verlag und Netgalley für das Rezensionsexemplar!

Mittwoch, 21. April 2021

Rezension zu "Der Alchimist" von Paulo Coelho

 

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Ein Hirte auf der Suche nach seinem persönlichen Lebensweg


Santiago, ein andalusischer Hirte, hat einen wiederkehrenden Traum: Am Fuß der Pyramiden liege ein Schatz für ihn bereit. Soll er das Vertraute für möglichen Reichtum aufgeben? Santiago ist mutig genug, seinem Traum zu folgen. Er begibt sich auf eine Reise, die ihn über die Souks in Tanger bis nach Ägypten führt, er findet in der Stille der Wüste auch zu sich selbst und erkennt, dass das Leben Schätze bereithält, die nicht mit Gold aufzuwiegen sind.

(Quelle: Klappentext - Diogenes Verlag)





Paulo Coelhos Der Alchimist ist mir in den letzten Jahren immer wieder begegnet – nun habe ich den Klassiker endlich gelesen und bin beeindruckt von diesem Buch. Im Original bereits 1988 erschienen, veröffentlichte der Diogenes Verlag im Jahr 1996 die bekannte deutsche Übersetzung.

Im Mittelpunkt steht der junge Hirte Santiago, der seit Jahren mit seiner Schafherde durch Andalusien zieht und eigentlich ganz zufrieden mit seinem Leben ist. Doch seit einiger Zeit hat er wiederholt den gleichen Traum: Hier führt ihn sein Weg nach Ägypten zu den Pyramiden. Dort am Fuß der eindrucksvollen Bauten liege ein Schatz für ihn bereit. Nach langer Überlegung lässt er sein bisheriges Leben hinter sich und begibt sich auf die Reise nach Afrika. Auf seinem Weg zu den Pyramiden erlebt er einiges und lernt interessante Menschen kennen, die ihm Wichtiges mit auf den Weg geben. Zu ihnen gehören u.a. ein geheimnisvoller alter Mann der behauptet, ein König zu sein und ein Kristallhändler, bei dem der Hirte einige Zeit verbringt. Und natürlich der berühmte Alchimist, der hier noch eine zentrale Rolle spielen wird.

„Erst die Möglichkeit, einen Traum zu verwirklichen, macht unser Leben lebenswert“, überlegte er, während er nochmals zum Himmel aufschaute und seine Schritte beschleunigte. – Seite 16, eBook


Auf 176 Seiten erzählt der Autor mit einer angenehmen Erzählweise die Geschichte von dem jungen Hirten (der hier meistens als „ der Jüngling“ bezeichnet wird) und der Suche nach dessen Lebensweg. Gleichzeitig ist dieses Abenteuer, das ihn durch die gefährliche Wüste führt, auch eine Reise zu sich selbst. Von den interessanten Menschen, die ihm während seiner Reise begegnen, erhält er wichtige Botschaften, Zeichen und Hinweise.

„Vergiss nie, dass alles ein Ganzes ist. Vergiss die Sprache der Zeichen nicht. Und vor allem vergiss nicht, deinen persönlichen Lebensweg zu Ende zu gehen.“ – Seite 26, eBook


„Je näher man an seinen Traum herankommt, um so mehr wird der persönliche Lebensweg zum eigentlichen Lebensziel“ – Seite 47, eBook


Der Stil ist manchmal leicht verträumt, mal nachdenklich und auch mal etwas mystisch, aber meist sehr interessant. In der Mitte gibt es mal einen leichten Durchhänger, was das stimmige Ende aber wieder gutmacht.

Mein Fazit: Ein beeindruckendes Buch, das sich zu lesen lohnt. Leicht geschrieben, enthält es viele wertvolle Botschaften. Die Reise des jungen Mannes auf der Suche nach sich selbst ist facettenreich und interessant zu verfolgen: Mal mystisch, mal nachdenklich und auch mal abenteuerlich. Ich vergebe 4,5 Sterne.

Meine Bewertung:




Titel: Der Alchimist
Autor: Paul Coelho
Genre: Roman / Klassiker
Seitenanzahl: 176
Verlag: Diogenes
Deutsche Erstveröffentlichungen: 1993, 1996 erstmals bei Diogenes
Aktuelle Taschenbuchausgaben: März 2008 / Mai 2014 (TB Deluxe)

Montag, 19. April 2021

Rezension zu "Kalmann" von Joachim B. Schmidt

 

Zum Buch


Ein mysteriöses Verschwinden und außergewöhnliche Ermittlungen


Er ist der selbsternannte Sheriff von Raufarhöfn. Er hat alles im Griff. Kein Grund zur Sorge. Tag für Tag wandert er über die weite Ebene um das beinahe ausgestorbene Dorf, jagt Polarfüchse und legt Haiköder im Meer aus, um den Fang zu Gammelhai zu verarbeiten. Doch in Kalmanns Kopf laufen die Räder manchmal rückwärts. Als er eines Winters eine Blutlache im Schnee entdeckt, überrollen ihn die Ereignisse. Mit seiner naiven Weisheit und dem Mut des reinen Herzens wendet er alles zum Guten. Kein Grund zur Sorge.
(Quelle: Klappentext - Diogenes-Verlag)





Der Autor Joachim B. Schmidt hat mit dem 34-jährigen Kalmann Odinsson eine ganz besondere Hauptfigur erschaffen: Kalmann lebte schon immer in dem abgelegenen isländischen Dorf Raufarhöfn. Mit seinem Sheriffstern und passendem Cowboyhut wandert er durch das schneebedeckte Dorf und den weiten Ebenen, jagt Polarfüchse und geht auf Haifischfang. Doch als er auf einem seiner Streifzüge eine Blutlache im frischgefallenen Schnee entdeckt, ist Kalmann zunächst überfordert – er kann die Lage nicht einschätzen. Doch schon kurz darauf geht man dem Fall nach, denn der örtliche Hotelbesitzer Robert McKenzie wird seit kurzem vermisst. Und wer ist für die Suche besser geeignet als Kalmann – kennt er die Gegend doch wie seine Westentasche…
Somit beginnt eine Ermittlung, die so ganz anders verläuft als gewöhnlich.

„Das Blut glänzte rot und dunkel im weißen Schnee. Die Schneeflocken legten sich unaufhörlich darauf und schmolzen in der Blutlache. (…)
Natürlich schaute ich mir die ganze Sauerei etwas genauer an. Ich bemerkte Spuren, aber die waren durch den Neuschnee nur noch undeutlich zu erkennen.“
(Kalmann) – Seite 20, eBook


Kalmann erinnert etwas an Forrest Gump. Er lebt in seiner eigenen Welt, mit eigenen Gedanken und einer speziellen alltäglichen Routine. Neues und ungewohntes überfordert ihn leicht, doch er versucht dieses dann passend einzuordnen. Da das Buch in der Ich-Perspektive aus Kalmanns Sicht geschrieben ist, bekommt man schnell einen guten Einblick in sein Leben und seine Gedankengänge.

„Jemand sagte mir mal, dass jeder eine Bestimmung im Leben habe. Niemand sei zufällig hier. Alles habe einen Grund, eine Bedeutung, einen Sinn. Und in diesem Moment wurde mir bewusst, dass alles seine Richtigkeit hatte.“ (Kalmann) – Seite 201, eBook


Anfangs muss man sich erstmal einlesen – es dauert etwas, bis man sich an Kalmanns Gedankengänge und Handlungen gewöhnt hat, aber dann liest es sich plötzlich ganz leicht - seine Geschichte und die Vorgänge in dem isländischen Dorf sind interessant und spannend zu verfolgen. Die Darstellung der etwas anderen Hauptfigur ist dem Autor sehr gut gelungen. Ab und an gibt es kleine Längen und manchmal wird die Geschichte etwas skurril, doch im letzten Drittel nimmt die Geschichte an Fahrt auf und überrascht mit einem Ende, das verblüfft.


Mein Fazit: Ein Krimi der etwas anderen Art mit einer besonderen Hauptfigur. Nach etwas Einlesezeit entwickelt sich die Geschichte interessant, spannend und hält besonders am Ende einige (etwas schräge) Überraschungen bereit. Sehr gefallen haben mir die Schauplätze in Island, die hier sehr gut beschrieben werden. Trotz kleiner Schwächen ein lesenswertes Buch!

Meine Bewertung:





Titel: Kalmann
Autor: Joachim B. Schmidt
Genre: Roman / Krimi
Seitenanzahl: 352
Verlag: Diogenes
Erstveröffentlichung: 01. September 2020