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Von Geistern, Magie und Erinnerungen an die Zukunft
Fünf Jahre, nachdem sich Thaniel Steepleton und Keita Mori in London kennengelernt haben, reisen sie, ein unscheinbarer Übersetzer, und ein Uhrmacher, der sich an die Zukunft erinnert, nach Japan, denn in Tokio gehen seltsame Dinge vor sich. Während Krieg mit Russland droht, tritt das Personal der britischen Gesandtschaft in den Streik, weil in ihrem Gebäude Geister ihr Unwesen treiben. Thaniel soll herausfinden, was hinter dem Spuk steckt. Doch dann beginnt er selbst, Geister zu sehen. Mori fürchtet sich, will – oder kann – die Gründe dafür aber nicht nennen. Und dann verschwindet er spurlos. Thaniel ist überzeugt, dass die magischen Dinge, die im ganzen Land vorgehen, etwas mit Moris Verschwinden zu tun haben - und dass Mori in großer Gefahr ist. So wird er mit der erschreckenden Offenbarung konfrontiert, dass die Zeit des Uhrmachers abgelaufen sein könnte.
(Quelle: Auszug aus der Inhaltsangabe - Klett-Cotta Verlag)
Die verlorene Zukunft von Pepperharrow ist der neue Roman von Autorin Natasha Pulley und gleichzeitig die Fortsetzung ihres Buches Der Uhrmacher in der Filigree Street, das im Jahr 2021 erschien. Die Geschichte spielt etwa fünf Jahre nach den letzten Geschehnissen.
Im Jahr 1888: Seit fünf Jahren verbindet den ehemaligen Telegrafisten Nathaniel „Thaniel“ Steepleton und dem geheimnisvollen Uhrmacher Keita Mori eine besondere Freundschaft. Nun reisen sie gemeinsam nach Japan, wo seit einiger Zeit rätselhafte Dinge vorgehen. Thaniel soll in der britischen Gesandtschaft in Tokyo einer rätselhaften Sache auf den Grund gehen: In dem Gebäude wurden Geister gesichtet, woraufhin immer mehr Angestellte kündigen. Doch nach einiger Zeit beginnt auch er, Geister zu sehen – und es werden immer mehr.
Währenddessen verhält sich Keita Mori, der die besondere Fähigkeit hat, sich an die Zukunft zu erinnern, merkwürdig – er scheint Angst zu haben und verschwindet dann plötzlich spurlos. Während die politischen Spannungen und ein drohender Krieg immer näher rücken und gleichzeitig auch die mysteriösen Ereignisse zunehmen, wird Thaniel bewusst, dass alles zusammenhängen muss. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt…
„Der Gedanke liegt nahe, dass niemand in der Lage wäre, den Lauf der Welt so zu arrangieren, dass die einzelnen Ereignisse dem eigenen Wunsch gemäß wie in einem Uhrwerk ineinandergreifen. (…)
Nun haben Hellseher jedoch eine besondere Begabung im Umgang mit der Zeit – weshalb es einer gewissen Ironie nicht entbehrte, dass Keita Mori ausgerechnet als Uhrmacher tätig war.“ – Seite 8, eBook
…schon die ersten Sätze aus dem Prolog machen neugierig auf diese besondere Geschichte, die mit einem großartigen Schreibstil und starken Figuren überzeugt. Am Anfang geht es kurz zurück in die Filigree Street – in Moris Uhrmacherwerkstatt mit seinen mechanischen Wunderwerken, bevor es für Mori und Thaniel zusammen mit der neunjährigen Six nach Japan geht.
„Das Haus Nummer siebenundzwanzig war hell erleuchtet. (…)
Die Uhrwerkvögel im Schaufenster wirkten alle schläfrig, obwohl sie sonst als kleine silberne oder bronzene Blitze zwischen ihren Lieblingsplätzen hin und her flatterten. Stattdessen gaben sich nun die mechanischen Glühwürmchen ein Stelldichein. Sie zogen goldene Linien über die Zimmerdecke und auch zwischen den Vögeln hindurch, die sich manchmal in ihrem Licht regten.“ – Seite 50, eBook
Wie schon im Vorgänger sind auch hier die verschiedenen Schauplätze detailreich und bildgewaltig beschrieben – sowohl im viktorianischen London als auch die Orte und Städte in Japan, wo der Hauptteil der Geschichte spielt. Sehr faszinierend ist das weitläufige Anwesen Yoruji in Yokohama, das Keita Mori gehört – der geheimnisvolle Mann, der als Uhrmacher nicht nur mechanische Wunder erschaffen kann, sondern auch weitere besondere Fähigkeiten hat und zudem noch einem bedeutenden Samurai-Geschlecht angehört.
Ein Großteil der Geschichte ist aus der Sicht von Thaniel geschrieben, dessen Weg sich spannend verfolgen lässt. Auch seine Freundschaft mit Mori ist besonders, aber auch zerbrechlich. Nach und nach erfahren wir, was es mit den mysteriösen Geschehnissen und den Geistern auf sich hat.
Neben altbekannten Figuren und Wesen (auch Katsu, der kleine mechanische Oktopus ist wieder mit dabei) gibt es auch neue interessante Charaktere – wie etwa die Frau Takiko Pepperharrow, die noch eine zentrale Rolle spielen wird.
„Nichts von alldem wirkte, wie Moris Pläne normalerweise wirkten, wenn alles glattlief. Es gab zu viele Lücken und Bruchstücke.“ – Seite 363, eBook
Die Geschichte ist komplex, aber wunderbar konstruiert – historisches, gemischt mit etwas Mystery und natürlich Fantasy – es wird packend, magisch, unheimlich und auch bewegend. Man sollte sich aber etwas Zeit für dieses Buch nehmen, da sich hier die einzelnen Fäden erst nach und nach auf überraschende und auch etwas komplizierte Weise miteinander verbinden.
Natürlich ist es immer von Vorteil, wenn man den Vorgängerroman gelesen hat, da man dort die Hauptfiguren und ihre gemeinsame Geschichte sehr gut kennen lernt. Jedoch wird alles Wichtige erklärt, sodass der Roman meiner Meinung nach auch ohne Vorkenntnisse gut verständlich ist.
Sehr informativ sind auch die historischen Anmerkungen zum Schluss – es ist interessant zu lesen, welche Details auf historischen Fakten beruhen und was rein fiktiv ist.
Unbedingt erwähnenswert ist die wunderschöne Covergestaltung - mit einem besonderen magischen Detail, das auch im Roman vorkommt.
Mein Fazit: Ein historischer Fantasyroman mit einer außergewöhnlichen Note. Sehr komplex, aber wunderbar geschrieben – es wird spannend, magisch, mysteriös und besonders. Neben stark gezeichneten Figuren und gut eingesetzten Fantasyelementen sind auch die Schauplätze detailreich beschrieben. Man sollte sich etwas Zeit für dieses Buch nehmen – es lohnt sich auf jeden Fall. Sehr lesenswert!
Meine Bewertung:
Titel: Die verlorene Zukunft von Pepperharrow
Autorin: Natasha Pulley
Übersetzt von: Jochen Schwarzer
Genre: Historische Fantasy / Phantastik
Seitenanzahl: 592
Verlag: Hobbitpresse / Klett Cotta
Erstveröffentlichung: 14. Oktober 2023
Eine weitere Rezension findet ihr bei Weltenwanderer.
Die Bücher um den besonderen Uhrmacher Keita Mori:
Der Uhrmacher in der Filigree Street
Die verlorene Zukunft von Pepperharrow
Ebenfalls sehr lesenswert ist der Roman Der Leuchtturm an der Schwelle der Zeit
Vielen Dank an Klett-Cotta
und Netgalley
für das Rezensionsexemplar!










