Donnerstag, 12. April 2018

Rezension zu "Invisible" von Ursula Poznanski & Arno Strobel

Zum Buch

Band 2 um das Ermittlerduo Salomon & Buchholz

Auf die beiden Hamburger Kriminalkommissare Nina Salomon und Daniel Buchholz wartet ein Fall, wie er rätselhafter nicht sein kann: Es geschehen kurz hintereinander mehrere grauenvolle Morde – Ein Patient wird während einer OP mit einem Stich ins Herz getötet, ein Mann wird erschlagen und ein weiterer niedergestochen. Die Täter werden schnell gefasst. Erschreckend für die Ermittler ist, mit welcher Brutalität die Täter vorgegangen sind – es herrschte blanker Hass. Und noch etwas lässt sie stutzen: Keiner der Täter schien sein Opfer persönlich zu kennen.
Kann es sein, dass sie manipuliert wurden? Und wenn ja, wie? Salomon und Buchholz ermitteln weiter und stoßen auf etwas mit dem sie so nicht gerechnet haben…




„Blutrausch, geht es mir durch den Kopf. Vierundzwanzig Mal zustechen, das nimmt sich niemand vor, dafür ist eine riesige Menge Hass nötig. Unbeherrschbare Wut. Ein Ausschalten des ganzen Denkapparats.“ - (Nina Salomon), Seite 47


Invisible ist das inzwischen dritte gemeinsame Buch der Autoren Ursula Poznanski und Arno Strobel und der zweite Band der Reihe um die Kommissare Nina Salomon und Daniel Buchholz. Da mir der Vorgänger Anonym schon gut gefallen hatte, war ich sehr gespannt auf den neuen Thriller. Auch hier geht es sofort spannend los und wird mit jeder Seite mysteriöser. Denn die Mordserie, mit denen die Hamburger Kriminalkommissare betraut werden, ist ein großes Rätsel. Sowohl zwischen den einzelnen Fällen, als auch bei Opfer und Täter scheint es keine Verbindungen zu geben. Die Frage: Was steckt dahinter?
Als Leser kann man hier fleißig miträtseln - man weiß überhaupt nicht, wohin die Geschichte führen wird – genau das macht es so spannend. Wie auch schon im ersten Teil ist das Buch in der Ich-Perspektive geschrieben, abwechselnd aus Ninas und Daniels Sicht. Das ist gut gewählt, doch muss man sich daran erst ein wenig gewöhnen, ich bin anfangs immer mal wieder durcheinander gekommen. Doch abgesehen davon ist der Schreibstil flüssig und die Handlung gut verständlich.
Die vielen einzelnen Puzzleteile fügen sich nach und nach zu einem Bild zusammen, mit dem man so zuerst vielleicht nicht gerechnet hat.
Das Einzige, was mir in der Geschichte nicht so gefallen hat, war die dauernde Missstimmung und die Streiteren zwischen den Kollegen – das wurde mit der Zeit etwas nervig. Das dämpft den ansonsten interessanten Verlauf zwischenzeitlich ein wenig.


„Die Stille nach diesem Satz ist fast greifbar. Meine Gedanken überschlagen sich, während mein Verstand schon an der Antwort auf die Frage arbeitet, die sich in meinem Kopf formuliert: Wie kann das sein?“ - (Daniel Buchholz), Seite 160


Mein Fazit: Wieder ein spannender neuer Thriller aus der gemeinsamen Feder von Ursula Poznanski und Arno Strobel. Die Handlung ist packend und voller Rätsel. Gekonnt führen die beiden Autoren die losen Fäden der Geschichte nach und nach zusammen. Die Entwicklung ist überraschend und im nachhinein sehr logisch. Bis auf Kleinigkeiten hat mit dieser Thriller sehr gut gefallen und kann ihn nur empfehlen! 4,5 Sterne von mir.

Meine Bewertung: 




Titel: Invisible
Autoren: Ursula Poznanski / Arno Strobel
Genre: Thriller
Seitenanzahl: 368
Verlag: Rowohlt
Erstveröffentlichung: 27. März 2018

Die Bücher um das Ermittlerduo Salomon & Buchholz:
Band 1 - Anonym
Band 2 - Invisible



Vielen Dank an den Rowohlt-Verlag für das Rezensionsexemplar! :)

Sonntag, 8. April 2018

Rezension zu "Strafe" von Ferdinand von Schirach

Zum Buch


Zwölf Kurzgeschichten – zwölf Schicksale

Was ist Wahrheit? Was ist Wirklichkeit? Wie wurden wir, wer wir sind?

Ferdinand von Schirach beschreibt in seinem neuen Buch Strafe zwölf Schicksale. Wie schon in den beiden Bänden Verbrechen und Schuld zeigt er, wie schwer es ist, einem Menschen gerecht zu werden und wie voreilig unsere Begriffe von "gut" und "böse" oft sind.
Ferdinand von Schirach verurteilt nie. In ruhiger, distanzierter Gelassenheit und zugleich voller Empathie erzählt er von Einsamkeit und Fremdheit, von dem Streben nach Glück und dem Scheitern. Seine Geschichten sind Erzählungen über uns selbst. (Quelle: Klappentext)




Anders als sonst in meinen Rezensionen verwende ich als Inhaltsangabe hier mal den Klappentext vom Verlag – denn der  beschreibt diese Story-Sammlung perfekt und gibt einen kleinen Einblick in das, was den Leser erwartet, ohne zu viel zu verraten. „Strafe“ ist mein erstes Buch von Ferdinand von Schirach gewesen und ich bin sehr beeindruckt von seinem Schreibstil. Dieser ist in allen zwölf Kurzgeschichten sehr direkt, ohne viel drum herum. Er kommt sofort zum Punkt und schafft es, auf wenigen Seiten eine eindringliche Atmosphäre zu schaffen. Die jeweiligen Charaktere werden sehr gut beschrieben – man bekommt einen detaillierten Einblick in deren Leben – und das auf wenigen Seiten. Zu den Inhalten der einzelnen Geschichte möchte ich gar nicht viel erzählen, denn damit würde ich vielleicht etwas von der Spannung nehmen. Nur so viel: Es wird manchmal erschütternd und schockierend, mal traurig und mal überraschend - aber immer sehr packend. Man taucht jedesmal sofort in die jeweilige Situation ein und muss nach mancher Story erst einmal durchatmen. Ein sehr fesselndes Buch.
Das Cover ist in schlichtem schwarz-weiß gehalten und passt sehr gut.


Er stand auf und ging vor bis zur Klippe. Ich folgte ihm. Wir sahen zusammen in die Wellen, die unten gegen die Felsen schlugen.

„Vielleicht hast Du Recht und es gibt kein Verbrechen und keine Schuld“, sagte er, „aber es gibt eine Strafe.“ – aus „Der Freund“  Seite 105, eBook


Mein Fazit: Eine sehr packende Kurzgeschichtensammlung, die einen so schnell nicht loslässt. Intensiv, sehr direkt und ohne viel Ausschmückung beschreibt Ferdinand von Schirach die Schicksale von zwölf Personen. Mal erschütternd und schockierend, mal traurig und dramatisch – alles ist dabei. Der Schreibstil ist sehr klar und macht jede Story auf wenigen Seiten zu einer fesselnden Geschichte. Sehr lesenswert!


Meine Bewertung: 





Titel: Strafe
Autor: Ferdinand von Schirach
Genre: Kurzgeschichten
Seitenanzahl: 192
Verlag: Luchterhand
Erstveröffentlichung: 05. März 2018



Die drei Storysammlungen:
Verbrechen
Schuld
Strafe


Vielen Dank an das Bloggerportal und Luchterhand für das Rezensionsexemplar!

Rezension zu "Mein Name ist nicht Freitag" von Jon Walter

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Die Hoffnung auf Freiheit…

Amerika, in den Jahren des Bürgerkriegs: Der 12-jährige Samuel lebt zusammen mit seinem kleinen Bruder Joshua in einem Waisenheim. Doch plötzlich wird alles anders: Samuel wird in die Sklaverei verkauft – dort wird ihm alles genommen, selbst seinen Namen darf er nicht behalten. Von nun an heißt er Freitag. Fest entschlossen, irgendwann zu seinem kleinen Bruder zurückzukehren fügt Samuel sich in sein neues Leben auf einer Plantage in Mississippi ein. Zunächst ist es nicht leicht für den Jungen, denn als Sklave hat er keine Rechte mehr. Zudem darf niemand wissen, das er lesen und schreiben kann – und vor allem nicht, dass er den anderen Sklaven von nun an Unterricht gibt.  Schließlich rückt der Bürgerkrieg näher und die Hoffnung  von Gerechtigkeit und Freiheit rückt in weite Ferne…


Sie nimmt meine Hand und drückt sie fest. „Sie haben dir einen neuen Namen gegeben, bevor sie dich verkauft haben. Oder?“ Ich nicke und sie tätschelt mir den Handrücken, so als hätte sie es schon immer gewusst. „Also, wie ist dein richtiger Name?“
„Samuel.“ So, jetzt habe ich es ausgesprochen. Es ist schon lange her, dass ich meinen Namen gehört habe, aber es fühlt sich gut an. – Seite 151


Mein Name ist nicht Freitag ist der zweite Roman des Autors Jon Walter und spielt im 19. Jahrhundert, zu Zeiten des amerikanischen Bürgerkriegs. Hauptfigur ist der 12-jährige Samuel, der plötzlich von seinem kleinen Bruder getrennt und als Sklave verkauft wird. In der Ich-Perspektive aus Samuels Sicht geschrieben, erfährt man hautnah, wie es ihm ergeht und wie er bald beschließt, sein Geheimnis mit den anderen Slaven zu teilen – denn er kann lesen und schreiben und gibt den anderen von nun an Unterricht. Diese Szenen werden eindrucksvoll beschrieben und man merkt die kleine Freude, die mit dem neuen Wissen einhergeht. Doch alles in allem ist dieses Buch eher traurig, denn das zentrale Thema hier ist die damalige Sklaverei. Es ist erschreckend zu erfahren das diese Menschen keinerlei Rechte hatten und immer nur einen Wunsch – die Freiheit. Auch mit dem Bürgerkrieg wird Samuel konfrontiert…
Dieses Buch ist sehr gut geschrieben – neben Samuels aktuellem Leben auf der Plantage gibt es auch immer wieder kleine Rückblicke von Momenten mit seinem kleinen Bruder. Ob er ihn je wiedersehen wird? Sehr lesenswert ist auch das Nachwort, in dem Jon Walter beschreibt, wie dieser Roman entstanden ist und liefert noch einige Fakten zur damaligen Zeit.


„Mit zusammengekniffenen Augen starre ich ihn an und versuche, den Mann wiederzuerkennen, für den ich ihn gehalten habe. Er sieht noch immer stolz aus, aber da ist keine Freundlichkeit, wie ich erst angenommen habe. Keine Freundlichkeit und kein Sinn für Gerechtigkeit.“ – Seite 89


Mein Fazit: Ein sehr berührendes Buch, das die Geschichte eines Jungen erzählt, der plötzlich als Sklave verkauft wird. Es wird traurig und ergreifend, aber es gibt auch immer wieder Momente voller Hoffnung und kleine Erfolgserlebnisse. Doch es wird auch dramatisch, der Handlungsverlauf hält einige Überraschungen bereit. Ein wichtiges und sehr lesenswertes Buch.


Meine Bewertung: 







Titel: Mein Name ist nicht Freitag
Autor: Jon Walter
Genre: Jugendbuch / -drama
Seitenanzahl: 448
Verlag: Carlsen / Königskinder

Dienstag, 3. April 2018

Rezension zu "Im Tal des Fuchses" von Charlotte Link

Zum Buch

Ein mysteriöses Verschwinden

Auf dem Rückweg von einem Verwandtenbesuch beschließen Matthew und Vanessa Willard kurz vor ihrem Ziel noch eine kurze Pause einzulegen um mit Hund Max einen Spaziergang zu machen. Der Parkplatz ist verlassen und abgelegen, Vanessa beschließt trotzdem, am Auto zu warten. Kurze Zeit später beschleicht sie ein seltsames Gefühl – und dann ist es zu spät: Ein Mann überwältigt sie von hinten, betäubt und entführt sie. Sein Ziel ist eine abgelegene Höhle. Dort sperrt er Vanessa zusammen mit Nahrung für eine Woche in eine Holzkiste. Doch ehe er eine Lösegeldforderung an den Ehemann richten kann, wird er wegen eines anderen Deliktes verhaftet und zu mehreren Jahren Gefängnis verurteilt. Somit überlässt er Vanessa ihrem Schicksal…


„Er wagte kaum zu atmen vor Spannung, vor Entzücken. Er hatte eine Höhle entdeckt. Eine Höhle in einem Felsen, zugänglich durch einen Geheimgang, den offenbar niemand vorher je gefunden hatte.“ – Seite 7, eBook


Im Tal des Fuchses ist ein Kriminalroman von Charlotte Link, den ich schon lange lesen wollte. Wie schon von der Autorin gewohnt, beginnt die Geschichte spannend – doch die Inhaltsangabe, bzw. der Klappentext gibt tatsächlich nur einen ganz kleinen Einblick in die Handlung. Es gibt mehrere Erzählstränge die sich zum Ende hin gekonnt zusammenfügen. Auch bleibt es lange ein Geheimnis, wohin die Geschichte führt. Dieses fand ich besonders spannend.
Der Schreibstil ist gut, jedoch gibt es im Mittelteil kleine Längen. Doch ab einer gewissen Stelle nimmt die Story wieder an Fahrt auf und offene Fragen werden beantwortet. Auch die Charaktere lernt man nach und nach immer besser kennen. Nicht jeder ist das, was er zu sein vorgibt. Schließlich gibt eine Wendung, mit der man so nicht gerechnet hätte… Lasst euch überraschen.


„Obwohl sie keinen Laut vernommen hatte, zwang sie eine plötzliche Nervosität, sich ruckartig umzuwenden. Es war ein unerklärbares Gefühl von Bedrohung gewesen, es hatte ihre Härchen am Körper aufgestellt und ihr trotz der Wärme ein Frösteln über beide Arme gejagt.“ – Seite 14, eBook


Mein Fazit: Ein spannender Krimi, der sich ganz anders entwickelt, als zuerst gedacht. Die Autorin fügt die verschiedenen Erzählstränge am Ende gekonnt zusammen und sorgt so für manche Überraschung. Ein paar kleinere Längen gibt es im Mittelteil, ansonsten hat mit dieses Buch aber sehr gut gefallen. Für Krimi- und Charlotte Link-Fans empfehlenswert!

Meine Bewertung: 




Titel: Im Tal des Fuchses
Autorin: Charlotte Link
Genre: Krimi
Seitenanzahl: 576
Verlag: Blanvalet