Freitag, 17. Mai 2019

Rezension zu "Dry" von Neal & Jarrod Shusterman

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Wenn die Wasserversorgung plötzlich abbricht…

Als die sechzehnjährige Alyssa an einem heißen Frühsommertag den Wasserhahn aufdreht, bleibt es trocken – nicht ein Tropfen Wasser kommt heraus. Kurze Zeit später erfahren sie und ihre Familie, dass es bei den Nachbarn und in weiten Teilen Südkaliforniens nicht anders ist. Während die Nachrichten verkünden, dass sich die Bevölkerung nur etwas gedulden soll, beschleicht Alyssa schon vom ersten Moment an ein ungutes Gefühl. Als sich die Situation auch Tage später nicht ändert und in den Supermärkten das Wasser längst ausverkauft ist, entsteht eine gefährliche Jagd auf die letzten Reste. Die Situation spitzt sich gefährlich zu und für Alyssa und ihre Freunde beginnt ein Kampf ums überleben….





„Der Wasserhahn in der Küche gibt sehr bizarre Geräusche von sich. Er keucht und hustet, als hätte er einen Asthmaanfall. Er gurgelt wie ein Ertrinkender, spuckt einmal und verstummt dann ganz.“ – Seite 7, eBook


…mit diesen Sätzen beginnt Dry – der neue Roman von Neal Shusterman, der dieses Buch in Zusammenarbeit mit seinem Sohn Jarrod geschrieben hat. Das Autorenduo hat hier eine Situation erschaffen, die beängstigender nicht sein kann: Wasserknappheit. Die Handlung baut sich langsam auf: Was zunächst nur nach einer kurzen Unterbrechung der Wasserversorgung aussieht, entpuppt sich schließlich zu einer Art Apokalypse, in der es schließlich nur noch ums Überleben geht. Alles beginnt mit dem Ansturm auf Supermärkte und Tankstellen, wo Hauptfigur Alyssa und ihr jüngerer Bruder Garrett schnell feststellen müssen, das sie zu spät kommen.


„Irgendwas fühlt sich komisch an. Ich weiß nicht genau, was es ist, aber es hängt in der Luft wie ein Geruch. Es ist die Ungeduld der Menschen vor den Kassen. (…) Es herrscht eine Art primitive Ur-Feindlichkeit, nur verdeckt von einer dünnen Schicht aus vorstädtischer Höflichkeit, die langsam fadenscheinig wird.“ – Seite 13, eBook


 Nach und nach verschärft sich sie Lage, die inzwischen „Tap-Out“ genannt wird. Es wird spannend und unheimlich aufgrund der Situation. Auch wenn der Schreibstil entsprechend eines Jugendbuches einfach gehalten ist, ist die beklemmende Atmosphäre ist von Anfang an spürbar und bleibt während des ganzen Romans bestehen. Was geschieht, wenn es plötzlich kein Wasser mehr gibt und zu was die Menschen in so einer Situation fähig sind, wird hier detailreich beschrieben – manche Handlungen sind überraschend.
Das Buch ist überwiegend in der Ich-Perspektive geschrieben – abwechselnd aus der jeweiligen Sicht der jugendlichen Hauptcharaktere. Interessant ist, dass es zwischendurch immer wieder sogenannte Snapshots gibt; Die Perspektive von anderen Menschen, deren eigene Situation kurz beschrieben wird.

Mein Fazit: Ein packendes Jugendbuch, das ein wichtiges Thema aufgreift: Wasserknappheit. Die Handlung baut sich langsam auf und nimmt einen beängstigenden Verlauf. Sehr gelungen ist die beklemmende Atmosphäre, die während der ganzen Geschichte bestehen bleibt. Es wird spannend und auch überraschend, regt gleichzeitig aber auch zum Nachdenken an. Sehr lesenswert.


Meine Bewertung: 




Titel: Dry
Autoren: Neil & Jarrod Shusterman
Genre: Jugendbuch /-drama
Seitenanzahl: 448
Verlag: FISCHER Sauerländer


Vielen Dank an die S. Fischer-Verlage und Netgalley für das Rezensionsexemplar! :)

Montag, 13. Mai 2019

Rezension zu "Kaffee und Zigaretten" von Ferdinand von Schirach

Zum Buch

Momentaufnahmen und Beobachtungen

Ferdinand von Schirachs neues Buch Kaffee und Zigaretten verwebt autobiographische Erzählungen, Aperçus, Notizen und Beobachtungen zu einem erzählerischen Ganzen, in dem sich Privates und Allgemeines berühren, verzahnen und wechselseitig spiegeln. Es geht um prägende Erlebnisse und Begegnungen des Erzählers, um flüchtige Momente des Glücks, um Einsamkeit und Melancholie, um Entwurzelung und die Sehnsucht nach Heimat, um Kunst und Gesellschaft ebenso wie um die großen Lebensthemen Ferdinand von Schirachs, um merkwürdige Rechtsfälle und Begebenheiten, um die Idee des Rechts und die Würde des Menschen, um die Errungenschaften und das Erbe der Aufklärung, das es zu bewahren gilt, und um das, was den Menschen erst eigentlich zum Menschen macht. In dieser Vielschichtigkeit und Bandbreite der erzählerischen Annäherungen und Themen ist Kaffee und Zigaretten das persönlichste Buch Ferdinand von Schirachs. (Quelle: Klappentext)


„Irgendwann will sie wissen, warum er ist, wie er ist. Wie soll ein heller Mensch das Dunkle begreifen, denkt er. Er versucht es mit den Worten der Ärzte, sie hört zu und nickt. Depressionen seien keine Traurigkeit, sagt er, sie sind etwas ganz anderes. Er weiß, dass sie es nicht verstehen wird.“ – Kapitel 1, Seite 13, eBook


Nach der beeindruckenden Kurzgeschichtensammlung Strafe ist Kaffee und Zigaretten mein zweites Buch des Autors Ferdinand von Schirach und konnte mich ebenso begeistern. Das herausstechende Merkmal ist hier wieder der Schreibstil: Klar und direkt ohne viel Drumherum, aber gleichzeitig so detailreich, dass man sich die verschiedenen Begebenheiten und Orte bildhaft vorstellen kann. In achtundvierzig übersichtlichen Kapiteln erzählt Ferdinand von Schirach viel Persönliches: Er schildert Erinnerungen an für ihn besondere Orte, unvergessene Begegnungen mit verschiedenen Personen und bestimmte Augenblicke aus seinem Leben. Vieles sind Momentaufnahmen – mit wenigen Worten verwebt er seine Eindrücke und Gedanken zu einer kurzen Geschichte. Neben persönlichen Erlebnissen gibt es auch einige Kapitel, wo er Beobachtungen schildert – z.B. interessantes zum Trend der Ausmalbücher für Erwachsene oder woher der Name „Magenta“ ursprünglich stammt.

Die einzelnen Kapitel  haben keine chronologische Ordnung, sie sind meist unabhängig voneinander angereiht. Dieses ist aber nicht verwirrend, sondern wirklich gut so, wie es ist. Die Kapitel handeln von u. a. von Würde, Einsamkeit, Herkunft und vielem mehr. Vieles ist interessant und regt zum Nachdenken an.


„Die Würde steht nicht zufällig am Anfang unserer Verfassung, ihre Unantastbarkeit ist ihre wichtigste Aussage. Dieser erste Artikel besitzt eine „Ewigkeitsgarantie“, er kann nicht geändert werden, solange das Grundgesetz gilt. (…)
Sie ist nur eine Idee, sie ist zerbrechlich und wir müssen sie schützen.“ – Kapitel 18, Seite 60, eBook


Mein Fazit: Ein sehr beeindruckendes Buch. In achtundvierzig Kapiteln schildert Ferdinand von Schirach Begegnungen, Erinnerungen und Momentaufnahmen aus seinem Leben  - ebenso seine ehrliche Meinung zu bestimmten Themen sowie interessante Beobachtungen  – mal traurig, meist aber nachdenklich und auch ernst. Der Schreibstil ist brillant – schnörkellos, direkt und klar, dennoch detailreich und bildgewaltig. Ein besonderes Buch, das mir sehr gut gefallen hat! 



Meine Bewertung: 




Titel: Kaffee und Zigaretten
Autor: Ferdinand von Schirach
Genre: Autobiografische Erzählungen / Kurzgeschichten
Seitenanzahl: 192
Verlag: Luchterhand
Erstveröffentlichung: 04. März 2019



Vielen Dank an das Bloggerportal und Luchterhandfür das Rezensionsexemplar!

Sonntag, 12. Mai 2019

Rezension zu "Dancing Jax 1 - Auftakt" von Robin Jarvis

Zum Buch

Band 1 der Dancing Jax - Trilogie

Einige Bücher sind schädlich, sogar gefährlich. Sie verdrehen einem den Kopf und geben den dunkelsten Seiten der menschlichen Seele Nahrung. Sie sollten verbannt oder vernichtet werden. Diese Geschichte handelt von solch einem Buch. Ich hoffe, es gibt noch genug von euch da draußen, die das hier lesen und mir glauben und sich zur Wehr setzen können – bevor es zu spät ist.

Ein altertümlich wirkendes und zunächst harmlos erscheinendes Buch taucht in einer englischen Kleinstadt auf und ergreift Besitz von seinen Lesern. Immer mehr Menschen werden von dem Buch befallen und zu willenlosen Charakteren der Geschichte. Der diabolische Plan des Autors scheint aufzugehen. 
(Quelle: Klappentext)


Diese außergewöhnliche Trilogie ist mir vor längerer Zeit aufgrund der sehr coolen Covergestaltung  aufgefallen. Nun habe ich den ersten Band gelesen und mich beim Schreiben der Rezension entschieden, als Inhaltsangabe den Klappentext des Buches zu verwenden – denn dieser beschreibt kurz und knapp, worum es geht und gibt aber tatsächlich nur einen winzigen Teil des Inhalts preis  – die Entwicklung der Handlung ist ganz anders als erwartet und beginnt schon am Anfang sehr mysteriös und auch etwas skurril.


Im grellen Licht konnte sie sehen, dass das Buch alt, doch noch nicht gelesen worden war. Der Schutzumschlag war in tadellosem Zustand, abgesehen von ein paar wenigen Stockflecken. Die Illustration darauf war völlig aus der Mode, doch sie hatte einen gewissen Charme. Shiela las den Titel laut vor.

„Dancing Jacks.“ – Seite 26, eBook


Überraschend ist, wie sich die Geschichte entwickelt – man erfährt, wie dieses Buch gefunden wird, wie sich dessen Verbreitung im erschreckenden Maß entwickelt  und welche Geheimnisse den Autor Austerly Fellows, der das auf den ersten Blick so harmlos wirkende Märchenbuch in den 1930er Jahren geschrieben hat, umgeben – und diese können  unheimlicher nicht sein.
Die Charaktere sind sehr unterschiedlich – man lernt sie am Anfang gut kennen und erfährt  nach und nach, wie sich die zunächst lose wirkenden Fäden zusammensetzen.
Naben den aktuellen und sehr unheimlichen Geschehnissen in der Kleinstadt Felixstowe erfahren wir auch etwas über den Inhalt des gefährlichen Buches, das von den Lesern Besitz ergreift. Robin Jarvis hat immer mal wieder kleine Passagen daraus in die Handlung eingebaut, auch sind einige kleinere Skizzen abgebildet.

Dieses Buch hat mich mit seinem speziellen Stil und seiner Außergewöhnlichkeit so überrascht, dass ich zunächst nicht wusste, ob es mir gefällt oder nicht. Es ist manchmal ziemlich abgedreht – doch die Umsetzung, wie dieses Buch die Leser infiziert und welche Handlungen darauf folgen, sind schon spannend zu verfolgen. Eigentlich sollte es ein Jugendbuch sein, was man an dem oft lockeren Schreibstil schnell bemerkt – doch durch die vielen Horrorelemente ist es meiner Meinung nach eher für ältere Jugendliche oder Erwachsene geeignet.


„Während er vom Schulgelände fuhr, bemühte er sich, die traumatischen Ereignisse des Tages abzuschütteln. Keiner, vor allem er nicht, ahnte auch nur, dass das Schlimmste noch bevor stand. Dieses Wochenende würde das Leben aller entscheidend verändern. Letztendlich würde die Welt von „Dancing Jacks“ erfahren und fortan nie mehr dieselbe sein.“ – Seite 44, eBook


Mein Fazit: Ein außergewöhnliches Buch, an dessen schrägen Verlauf ich mich zunächst gewöhnen musste. Doch Robin Jarvis hat hier einen packenden Roman erschaffen, der einiges an Horror- und Fantasy-Elementen enthält. Gerade die Umsetzung der Idee von einem besitzergreifenden Buch ist dem Autor sehr gelungen. Es steckt voller dunkler Geheimnisse und ich werde diese skurrile und unheimliche Trilogie auf jeden Fall fortsetzen. 


Meine Bewertung: 




Titel: Dancing Jax 1 - Auftakt
Autor: Robin Jarvis
Genre: Mystery / Horror
Seitenanzahl: 544
Verlag: Script 5 

Die Bücher der Dancing Jax-Trilogie:
Band 1 - Auftakt
Band 2 - Zwischenspiel
Band 3 - Finale

Dienstag, 7. Mai 2019

Rezension zu "Ein wirklich erstaunliches Ding" von Hank Green

Zum Buch

Rätselhafte Roboterskulpturen und die Suche nach der Wahrheit

Die 23-jährige April May lebt in New York. Als sie nach einem stressigen Arbeitstag  in der Nacht vom Büro auf den Weg nach Hause ist, macht sie eine unglaubliche Entdeckung: Mitten auf der Straße steht eine drei Meter große Roboter-Skulptur. Zusammen mit ihrem besten Freund  Andy dreht sie einen Clip über „Carl“ und stellt ihn ins Netz – nichtsahnend, dass das Video ihr ganzes Leben verändert. Denn dieses wird in kurzer Zeit millionenfach angeklickt, April steht plötzlich im Zentrum der Aufmerksamkeit und wird schlagartig berühmt.
Noch rätselhafter wird es, als in der Nacht noch weitere dieser Roboter-Skulpturen auftauchen – in verschiedenen Städten auf der ganzen Welt.
Ein großer Hype um die „Carls“ entstehen: Faszination, Neugier und auch Angst mischen sich untereinander - schon bald melden sich Verschwörungstheoretiker, die in den Skulpturen eine außerirdische Bedrohung sehen…
Doch was hat es wirklich mit den mysteriösen und erstaunlichen Figuren auf sich? Die Suche nach der Wahrheit beginnt…


„Irgendwann hörte ich auf zu analysieren und begann das Kunstwerk auf mich wirken zu lassen. Ich fand es umwerfend. Nicht nur als schöpferische Leistung. (…) Diese Skulptur war allerdings noch in anderer Hinsicht bemerkenswert. Sie hatte etwas schwer fassbar Andersartiges, das ich so noch in keinem Kontext erlebt hatte.“ – Seite 12,eBook


Mit Ein wirklich erstaunliches Ding hat Hank Green (der jüngere Bruder des bekannten Autors John Green) ein sehr schräges, aber gelungenes Debüt hingelegt. Mittelpunkt in diesem Roman sind vierundsechzig große Roboterskulpturen, die plötzlich über Nacht an verschiedensten Plätzen auf der ganzen Welt auftauchen. Die junge Frau April ist eine der Ersten, die diese Figur entdeckt und die Allererste, die ein Video darüber ins Netzt stellt. Dieses verändert ihr Leben schlagartig. Doch das Auftauchen der „Carls“ (wie die Figuren genannt werden) zieht noch weitere Rätsel nach sich…
Dieses ist erst der Anfang der Geschichte und sie wird – kaum zu glauben – noch um einiges skurriler. Doch genau dieses ist dem Autor sehr gut gelungen. Gerade das Mysteriöse, was diese Figuren umgibt, macht diese Geschichte sehr spannend.
Die Handlung mit seiner schrägen Art hat mir sehr gut gefallen – nur an zwei Stellen lässt die Spannung mal nach, die Geschichte dreht sich an bestimmten Punkten etwas im Kreis. Doch danach geht es umso interessanter weiter. Abgesehen von der außergewöhnlichen Geschichte ist es auch ein informatives Buch mit dem sehr aktuellen Thema Social-Media. Es zeigt, wie schnell und lawinenartig sich ein Clip online verbreitet und millionenmal angeklickt wird. Dieses zieht in dieser Story natürlich auch Verschwörungstheoretiker auf den Plan, die mehr über Carl wissen wollen  – die Entwicklung ist mehr als überraschend!


„Wir waren alle ein bisschen überdreht und irgendwann begann jemand zu kichern und im nächsten Moment lachten wir alle schallend über die komplette Absurdität dieses Tagens, dieses Abends, der zurückliegenden Woche und der Tatsache, dass das alles ausgerechnet uns passierte.“ – Seite 99, eBook


Mein Fazit: Ein wirklich schräges, aber gelungenes Debüt von Hank Green. Die Story entwickelt sich schnell und wird – kaum zu glauben – immer skurriler. Doch genau dieses ist dem Autor sehr gut gelungen – die Geschichte hat einen spannenden Verlauf, dessen Entwicklung mehr als überrascht. Bis auf kleine Schwächen ein sehr interessantes und mehr als außergewöhnliches Buch.  Lesenswert!


Meine Bewertung: 




Titel: Ein wirklich erstaunliches Ding
Autor: Hank Green
Genre: Roman
Seitenanzahl: 448
Verlag: dtv / bold
Erstveröffentlichung: 28. Februar 2019