Samstag, 16. November 2019

Rezension zu "Die Grisha-Trilogie" von Leigh Bardugo

Zu den Büchern

Die Legenden der Grisha

Die drei Bücher der Grisha-Trilogie sind in Deutschland erstmals in den Jahren 2012 – 2014 im Carlsen-Verlag erschienen. Angesiedelt sind die Romane im Grishaverse – einer beeindruckenden Fantasywelt, in der auch weitere Bücher von der Autorin spielen, z.B. die ebenfalls sehr lesenswerte Krähen-Saga. Nun sollen die Abenteuer aus der Grisha-Trilogie und der Krähen-Dilogie  als großes Serienevent von Netflix verfilmt werden. Passend zu diesen Neuigkeiten gibt es nun eine Neuauflage der Trilogie in einem edlen und wunderschön gestalteten Schuber, der im Oktober 2019 im Knaur-Verlag erschienen ist.

Nachdem ich bereits alle anderen Bücher von Leigh Bardugo gelesen habe, war ich dementsprechend neugierig auf die Grisha-Trilogie, die aus folgenden Bänden besteht:

Band 1 – Goldene Flammen
„Sein Gesicht war schön und markant, er hatte volles schwarzes Haar und klare graue, wie Quarz glänzende Augen. Es hieß, die mächtigsten Grisha lebten sehr lange, und der Dunkle war der mächtigste von allen. Doch ich spürte das Widernatürliche daran und erinnerte mich an Evas Worte: Er ist kein Sterblicher. Genau wie sie alle.“ – Seite 47

Band 2 – Eisige Wellen
„Welche Wunde konnte durch die Macht der Grisha nicht geheilt werden? Eine, die von Wesen geschlagen  worden war, die gar nicht existieren dürften.“ – Seite 168

Band 3 – Lodernde Schwingen
„Er kam mir zutiefst menschlich vor, wie ein junger Mann, der in einer Schlacht oder in einem Übungskampf verwundet worden war. Er ist kein junger Mann, ermahnte ich mich, sondern ein Ungeheuer, das seit Hunderten von Jahren lebt und Hunderte von Leben vernichtet hat.“ – Seite 202


Nun ein kleiner Einblick in die Geschichte: Im Auftakt lernen wird die Hauptfigur Alina Starkov kennen, die eine Ausbildung zur Kartografin in der Ersten Armee des Zaren von Ravka macht. Während sie eher unauffällig ist, ist Malyen, ihr bester Freund seit Kindertagen, sehr beliebt – er ist ein Fährtenleser und Frauenschwarm. Doch als Alina bei einem Überfall ihrem Freund Mal auf unerklärliche Weise das Leben rettet, ändert sich ihr Leben schlagartig. Plötzlich steht sie im Zentrum der Aufmerksamkeit, denn schnell wird klar: Alina hat eine seltene Fähigkeit, die sie zu einer einzigartigen Grisha macht, die über große Macht verfügt. Und so wird sie ins Trainingslager der Grisha geschickt, wo sie einen ganz besonderen Mentor bekommt: den ältesten und mächtigsten Grisha, der von allen nur „der Dunkle“ genannt wird. Ihn umgeben viele Geheimnisse und schon bald erfährt Alina, welche Pläne er wirklich mit ihr hat…
Viel mehr möchte ich über den Inhalt nicht verraten – in jedem Band gibt es Höhepunkte und immer ein kleines Finale, was im dritten Band natürlich nochmal um einiges dramatischer ist, denn die Lage spitzt sich mehr und mehr zu… - alles ist sehr packend geschrieben.
Die junge Frau Alina steht im Mittelpunkt, die Bücher sind in der Ich-Perspektive aus ihrer Sicht geschrieben, was hier sehr gut passt. Man kann ihren Weg, ihre Ängste und Zweifel sehr gut verfolgen. Ihr steht so manches Abenteuer und einige Aufgaben bevor, die ihr alles abverlangen werden. Auch der „Dunkle“ – der älteste, mächtigste und geheimnisvollste Grisha, ist ein interessanter Charakter. Seine Absichten und Pläne werden mit jeder Seite klarer und ergeben ein überraschendes Bild…


„Im Zimmer knisterte es unheilvoll, als der Dunkle sich vom Stuhl erhob. Alle Grisha schienen Luft geholt zu haben und nun den Atem anzuhalten. Ihre Furcht war mit Händen zu greifen, und mich durchzuckte ein Schrecken. Untergebene waren dem Dunklen immer mit Ehrfurcht und Respekt begegnet, aber diese Angst war neu.“  aus EISIGE WELLEN, Seite 26


Die Geschichte spielt im Grishaverse – einer beeindruckenden Fantasywelt, die man im Laufe der Trilogie immer besser kennen lernt. Ravka ist das Land der Grisha, das zwischen Fjerdan im Norden und Shu Han im Süden liegt – die Grenzgebiete befinden sich seit Generationen im Krieg. Ein zentraler und dunkler Punkt in Ravka ist die Schattenflur, die auch die „Ödsee“ genannt wird: Ein dunkler Streifen Land, der Unheimliches verbirgt, sich immer weiter ausbreitet und Ravka vom Westen abschneidet - und somit auch von den so wichtigen Handelshäfen.


„Als ich einen Blick über die Schulter warf, war die Welt der Lebenden außer Sicht. Dunkelheit umgab uns, schwarz, allgegenwärtig, ohne Gewicht. Wir befanden uns auf der Schattenflur. Hier war die Welt zu Ende.“ aus GOLDENE FLAMMEN, Seite 36


Gerade in und an der Schattenflur spielen sich oft dramatische Szenen ab – es bleibt sehr spannend! In jedem Band gibt es neue und beeindruckende Schauplätze zu entdecken, die sich auf das ganze Grishaverse ausdehnen. Um sich ein genaues Bild von der einzigartigen Welt zu machen, befinden sich in den Büchern unterschiedliche Karten, zudem sind die einzelnen Orte auch immer sehr gut beschrieben.

Die Bücher bauen aufeinander auf und die Geschichte entwickelt sich sehr spannend – viele tolle Fantasy-Elemente, einzigartige Magie, gefährliche Abenteuer und mysteriöse Vorkommnisse machen die Reihe zu einem wirklichen Lesehighlight. Auch über die Fähigkeiten der Grisha, die einzelnen Orden, deren Farben und Aufgaben  erfahren wir im Laufe der Reihe immer mehr. Zudem wird so manchen Geheimnis um die Hauptfiguren gelüftet.

Mein Fazit: Eine gelungene Fantasy-Trilogie voller Spannung, gefährlicher Abenteuer, toller Magie und großartiger Mystery. Angesiedelt in einer großartig konstruierten Welt mit einem lockeren und flüssig zu lesenden Schreibstil hat Leigh Bardugo hier eine sehr lesenswerte Reihe geschaffen. Am Ende der insgesamt 1.232 Seiten steht ein dramatisches und rasantes Finale, was sehr gelungen ist. Ein Lesehighlight für alle Fans von High-Fantasy!


Meine Bewertung:








Titel: Die Grisha-Trilogie im Schuber
  • Band 1 - Goldene Flammen  (352 S.)
  • Band 2 - Eisige Wellen (448 S.)
  • Band 3 - Lodernde Schwingen (432 S.)


Autorin: Leigh Bardugo
Genre: High-Fantasy
Seitenanzahl gesamt: 1.232 Seiten
Erschienen am 01. Oktober 2019

Hinweis: Die Bücher sind beim Knaur-Verlag auch einzeln als eBook erhältlich.




Weitere Rezensionen zur Grisha-Trilogie findet ihr hier:
Roman Tipps (Rezension zu Goldene Flammen)



Die Romane aus dem Grishaverse

Die Grisha-Trilogie
Band 1 - Goldene Flammen
Band 2 - Eisige Wellen
Band 3 - Lodernde Schwingen

Thron aus Gold und Asche (King of Scars)
Band 1 - King of Scars
Band 2 - Rule of Wolves

Die Krähen-Saga (Glory or Grave)
Band 1 - Das Lied der Krähen
Band 2 -  Das Gold der Krähen  

Illustrierte Begleitbände
-
Die Sprache der Dornen (Erzählungen aus der Grisha-Welt)
- Die Leben der Heiligen (Heiligen-Legenden aus der Grisha Welt)



Vielen Dank an Droemer Knaur für das Rezensionsexemplar!

Donnerstag, 7. November 2019

Rezension zu "Der Lehrmeister" von Oliver Pötzsch

Zum Buch


Band 2 der Faustus-Serie

Der goldene Herbst 1518 neigt sich dem Ende. Sechs Jahre sind vergangen, seitdem der berühmte Magier Johann Georg Faustus aus Nürnberg geflohen ist. Sein Ruhm ist gewachsen, selbst an den Höfen von Herzögen, Grafen und Bischöfen sucht man seinen Rat. So als würde der Herrgott – oder sein böser Gegenspieler? – eine schützende Hand über ihn halten. Gemeinsam mit seinem neuen Gefährten Karl Wagner und der jungen Gauklerin Greta, seiner Ziehtochter, reist er als Quacksalber und Astrologe durch die Lande. Doch Johann spürt, dass dies nur die Ruhe vor dem Sturm ist. Sein Erzfeind Tonio ist noch nicht besiegt. Tief im Inneren weiß Johann, dass das Böse zurückkehren und erneut seine Hand nach ihm ausstrecken wird … (Quelle: Klappentext)



Mit Der Lehrmeister setzt Oliver Pötzsch seine Serie um Johann Georg Faustus fort. Und diese Fortsetzung hat wieder einiges zu bieten. Die Handlung beginnt im Jahr 1518, gut sechs Jahre nach den letzten Geschehnissen in Der Spielmann. Zusammen mit seinem Adlatus Karl Wagner, der jungen Greta und seinem großen schwarzen Hund Kleiner Satan reist Johann Georg Faustus durch die Lande – inzwischen ist er berühmter denn je. Doch nun machen sich gesundheitliche Probleme bemerkbar, auch aus Rom scheint Gefahr zu drohen – hat Tonio, sein ehemaliger Lehrmeister die Finger mit im Spiel? Denn vor vielen Jahren schloss Faustus einen dunklen Pakt mit ihm. Nach den schrecklichen Ereignissen in Nürnberg scheint sein alter Feind nun wieder hinter ihm her zu sein – mit Absichten, die böser nicht sein können….


„Johann dachte an den jungen aufgeweckten Burschen, der damals einem Zauberer die Hand gegeben hatte. Einen Jungen, der es im Lauf seines Lebens zu Ruhm, Wissen und Reichtum gebracht hatte und der nun, nach so vielen Jahren, dafür büßen musste. Es gab kein Entkommen. Mit diesem letzten Gedanken wurde ihm schwarz vor Augen.“ – Seite 68, eBook


Schon von der ersten Seite an ist der gut 800 Seiten umfassende Roman fesselnd. Man taucht sofort in die Geschichte und in das 16. Jahrhundert ein – der Weg von Faustus und seinen Gefährten ist spannend zu verfolgen und hält so manches Abenteuer bereit – manchmal wird es auch ziemlich düster. Im Zentrum steht neben vielen anderen Rätseln auch ein Geheimnis, dass das Schicksal der gesamten Welt verändern könnte…
In diesem historischen Roman sind noch weitere Genre zu finden: Historischer Krimi, Abenteuer, düstere Mystery und unheimliche Elemente sind perfekt miteinander verflochten und ergeben einen packenden Roman. Neben Faustus, um den sich ja viele Legenden ranken, finden wir auch noch weitere historische Persönlichkeiten, u. a. Heinrich Agrippa von Nettesheim und Leonardo da Vinci.
Die einzelnen Schauplätze sind bildgewaltig beschrieben, ebenso wie das historische Szenario.
Die Handlung entwickelt sich interessant, ist abwechslungsreich und hat immer wieder packende Höhepunkte, auch das Finale hält einiges an Überraschungen bereit.
Im Anhang befindet sich neben dem sehr lesenswerten Nachwort auch ein kleiner Reiseführer mit den Orten, die Faust in diesem Roman besucht.


„Es war eine der vielen kleinen Lügen, aus denen er zwischen sich und der Welt ganz allmählich wieder eine Mauer errichtete.“ – Seite 412, eBook


Mein Fazit: Eine gelungene Fortsetzung, die auf ihren 800 Seiten einiges zu bieten hat. Es wird historisch, packend, dramatisch, düster und auch mysteriös – eine Mischung, die Oliver Pötzsch sehr gut gelungen ist. Ein spannender Schmöker, der noch ein klein wenig besser als der erste Teil ist - Lesehighlight!



Meine Bewertung:



Titel: Der Lehrmeister - Die Geschichte des Johann Georg Faustus
Autor: Oliver Pötzsch
Genre: Historischer Roman
Seitenanzahl: 800
Verlag: List
Erstveröffentlichung: 25. Oktober 2019

Die Bücher der Faustus-Serie:
Band 1 - Der Spielmann
Band 2 - Der Lehrmeister
 

Vielen Dank an die Ullstein Buchverlage und Netgalley für das Rezensionsexemplar! :)

Samstag, 2. November 2019

Rezension zu "Das Geschenk" von Sebastian Fitzek

Zum Buch


Auf der Suche nach der (entsetzlichen) Wahrheit…

Milan Berg steht an einer Ampel, als ein Wagen neben ihm hält. Auf dem Rücksitz ein völlig verängstigtes Mädchen. Verzweifelt presst sie einen Zettel gegen die Scheibe. Ein Hilferuf? Milan kann es nicht lesen – denn er ist Analphabet! Einer von über sechs Millionen in Deutschland. Doch er spürt: Das Mädchen ist in tödlicher Gefahr. Als er die Suche nach ihr aufnimmt, beginnt für ihn eine albtraumhafte Irrfahrt, an deren Ende eine grausame Erkenntnis steht: Manchmal ist die Wahrheit zu entsetzlich, um mit ihr weiterzuleben – und Unwissenheit das größte Geschenk auf Erden. 
(Quelle: Klappentext)



„Er musste zweimal schlucken, bis er soweit war. So weit, seine letzte Chance wahrzunehmen, indem er Zeus alles erzählte. Die ebenso unglaubliche wie grauenhafte Geschichte, die ihn einmal quer durch die Hölle bis hierher ins Gefängnis geführt hatte. Und um Zeit zu schinden, um wenigstens noch einige Stunden am Leben zu bleiben, begann er von Anfang an. “ – Seite 11


Sebastian Fitzeks neuer Psychothriller fängt gleich im ersten Kapitel mit einem Szenario im Gefängnis an, das schrecklicher nicht sein kann. Wir lernen die Hauptfigur Milan Berg kennen, der gezwungen wird, seine Geschichte zu erzählen. So erfahren wir nach und nach, was wirklich geschehen ist und wie er schließlich dort gelandet ist, wo er sich aktuell befindet.
Nach dem krassen Beginn geht es etwas zunächst ruhiger weiter. Man erfährt viel aus Milans aktuellen Leben.  Auch etwas dramatisches, das in seiner Vergangenheit geschehen ist, spielt eine zentrale Rolle.

Am Anfang gibt es einzelne Puzzleteile, bei denen man noch nicht richtig einschätzen kann, wie diese zusammenpassen. Doch nach und nach setzt sich ein vollständiges Bild zusammen, das in unglaubliches Bild zutage fördert. Hier kommt wieder der typischen Fitzek-Stil zutage:  Nichts ist, wie es zunächst scheint und dann wird zusätzlich nochmal alles umgedreht, so das alles unvorhersehbar wird – das ist ihm hier wieder sehr gut gelungen. Durch einen regelmäßigen Blickwechsel erfährt der Leser nicht nur, wie Milans Weg verläuft, sondern bekommt auch einen Einblick in die Situationen von weiteren Charakteren – dadurch wird es sehr rätselhaft und es gibt einige Überraschungen.


„Das beunruhigende Gefühl, etwas Wesentliches  zu übersehen, schaffte es gerade noch, durch den Nebel seiner Müdigkeit zu dringen.“ – Seite 124


Allerdings habe ich auch einen kleinen Kritikpunkt: Verglichen mit anderen Fitzek-Romanen ist diese Handlung etwas „holperig“ – der Wechsel zwischen der Vergangenheit und den aktuellen Geschehnissen ist manchmal etwas verwirrend ungeordnet und unterbricht den Spannungsbogen.

Neben den rasanten Abschnitten, in denen Milan versucht, das Geheimnis und das Leben des unbekannten Mädchens zu retten, bekommt man auch einen Einblick, wie es ihm als Analphabet in einer Welt voller Wörter und Texte ergeht und wie schwer der Alltag dadurch wird. In seinem Nachwort berichtet Sebastian Fitzek u.a.  wie es dazu kam, einen Analphabeten zur Hauptfigur seines neuen Thrillers zu machen und auch, wo es weitere Informationen zu dem Thema gibt.

Erwähnenswert ist noch die ganze Aufmachung des Buches. Es gibt eine Limited-Edition, bei der es das Buch in einem toll gestalteten Geschenke-Karton gibt. Aber auch das normale Buch, das ich gelesen habe, ist ein Blickfang: Der Schutzumschlag hat hier die Geschenkeoptik, darunter gibt es das blutrote Hardcover. 



Mein Fazit: Wieder ein rasanter Psychothriller aus der Feder von Sebastian Fitzek. Hier gibt es wieder den typische Fitzek-Stil: Nichts ist, wie es zunächst scheint und wenn man als Leser glaubt, die Lösung gefunden zu haben, kommt alles nochmal ganz anders – das ist dem Autor auch hier wieder sehr gut gelungen. Abgesehen von Kleinigkeiten ist „Das Geschenk“ wieder sehr spannend und steckt voller überraschender Wendungen.



Meine Bewertung:



Titel: Das Geschenk
Autor: Sebastian Fitzek
Genre: Thriller
Seitenanzahl: 368
Verlag: Droemer-Knaur
Erstveröffentlichung: 23. Oktober 2019


Vielen Dank an Droemer Knaur für das Rezensionsexemplar! :)