Mittwoch, 24. Oktober 2018

Rezension zu "Der Platz an der Sonne" von Christian Torkler

Zum Buch

Auf der Suche nach Glück

Berlin, 1978: Die Hauptstadt der Neuen Preußischen Republik liegt in Trümmern, die Kinder klauen Kohlen und in der Politik geben sich die Halunken die Klinke in die Hand. In dieser Welt entfaltet sich die faszinierende Lebensgeschichte von Josua Brenner – ein wagemutiger Tausendsassa, der sich nicht so leicht unterkriegen lässt. Doch als ihn die Ereignisse überrollen, wird der Gedanke an eine Flucht ins reiche Afrika plötzlich real.
Josua Brenner kennt sich aus im Leben der kleinen Leute. Im zerbombten Berlin fährt er Suppe aus, schachert auf dem Schwarzmarkt und holt sich Ratschläge fürs Leben bei Opa Lampbrecht. Eine Zeitlang scheint er die Nase vorn zu haben. Die Umstände sind ihm gewogen, seiner kleinen Familie geht es prächtig und auch die Geschäfte laufen gut. Die Strippenzieher in der Neuen Preußischen Republik versuchen zwar, ihm das Leben schwerzumachen, doch so leicht gibt Josua Brenner nicht auf. Ihn treibt ein unbezwingbarer Wille zum Glück, egal wie oft ihm der Teufel ins Handwerk pfuscht. Erst als es für ihn so richtig knüppeldick kommt, bricht er auf in Richtung Süden. Wie all die anderen vor ihm hat er vor allem ein Ziel: ein besseres Leben in einer besseren Welt. (Quelle: Klappentext vom Verlag)

Auf dieses Buch bin ich zum einen durch das wunderschön gestaltete Cover und zum anderen natürlich durch die außergewöhnliche Inhaltangabe aufmerksam geworden. Der Klappentext des Buches beschreibt die Geschichte sehr gut - denn der Autor hat hier in seinem Debütroman ein unheimliches Szenario erschaffen und die Weltgeschichte ziemlich verändert: Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs gab es weitere Ereignisse und die Zukunft Deutschlands hat sich anders entwickelt als bekannt. Das Land ist in mehrere Staaten aufgeteilt, es gibt strenge Grenzkontrollen, überall herrscht Armut und viele Städte liegen weiterhin in Trümmern. So auch Berlin, die Hauptstadt der „Neuen Preußischen Republik“.  Hauptfigur hier ist Josua Brenner, der sich wagemutig durchs Leben schlägt und von einem besseren Leben träumt. Als junger Erwachsener scheint er es tatsächlich geschafft zu haben – das Glück steht auf seiner Seite.


„Man braucht nicht die weite Welt, um sein Glück zu finden. Die Welt kann klein sein, wenn man nur darin zuhause ist. Jeder von uns hatte seinen Teil zu machen und gemeinsam haben wir alles geschafft.“ – Seite 111, eBook


 Doch nach einer turbulenten Zeit, vielen Auf und Abs verlässt ihn das Glück und er beschließt, zu fliehen – in den Süden, nach Afrika, wo stabile politische Verhältnisse herrschen. Eine abenteuerliche und gefährliche Reise beginnt…
Überrascht hat mich hier zunächst der Schreibstil: Dieser ist mit seiner eher lässigen und fast schon zu lockeren Art zunächst gewöhnungsbedürftig. Jedoch legt nach einigen Seiten das Extreme etwas und es liest sich angenehmer. Nachdem ich mich eingelesen hatte, habe ich den Lebensweg von Josua Brenner mit Spannung verfolgt. Denn dieser erzählt seine Geschichte selbst – vom Jahr seiner Geburt bis hin ins Erwachsenenalter. Diese Lebensgeschichte hat einiges zu bieten und steht hier auch im Vordergrund – die Entwicklung der Weltgeschichte und wie es dazu gekommen ist, erfährt man eher so nebenbei.
Ab und an gibt es kleine Längen in der Geschichte, doch insgesamt ist die Handlung spannend zu verfolgen und hat mich mit ihrer Detailliertheit überrascht. Josua erlebt sehr viel – oft wird es auch dramatisch.


„Zuerst blieb das im Hintergrund. Da lauerte etwas, aber ich hab es nicht ernst genommen, wollte es nicht ernst nehmen. Doch mit jedem Tag rückte es ein Stückchen näher. Eines Tages setzte es zum Sprung an und in dem Moment wusste ich, was es war: Angst!“ – Seite 123, eBook


Mein Fazit: Ein außergewöhnliches Buch mit einer starken Hauptfigur in einem erschreckenden Szenario, das nachdenklich macht. Der Schreibstil ist zunächst gewöhnungsbedürftig, doch schon nach einigen Seiten konnte ich das Buch nur noch schwer aus der Hand legen. Gerade die vielen Details sind hier sehr gut eingearbeitet. Josuas Lebensweg ist spannend zu verfolgen und hat viele Höhen und Tiefen. Ein spezielles, aber sehr lesenswertes Buch, das ich gern weiterempfehle.


Meine Bewertung: 




Titel: Der Platz an der Sonne
Autor: Christian Torkler
Genre: Roman / Gegenwartsliteratur
Seitenanzahl: 592
Verlag: Klett-Cotta


Vielen Dank an Klett-Cotta und Netgalley für das Rezensionsexemplar! :)

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