Mittwoch, 5. Juni 2019

Rezension zu "Frühling, Sommer, Herbst und Tod" von Stephen King

Zum Buch



Viermal typischer King-Horror

Frühling, Sommer, Herbst und Tod enthält vier längere Kurzromane, die inhaltlich zwar völlig unterschiedlich sind, aber doch eines gemeinsam haben: Den typischen King-Horror, der sich langsam in die Geschichten schleicht. Das Grauen breitet sich sehr unterschiedlich aus – mal sind es die Charaktere selbst, die erschreckend sind, mal die jeweilige Situation, die die Figuren an den Rand des Erträglichen bringt.
Nun ein kleiner Einblick in die vier Geschichten, die ich aufgrund der großen Unterschiede einzeln bewertet habe:






1. DIE VERURTEILTEN – Pin-up
Als Andy Dufresne wegen angeblichen Mordes zu lebenslänglicher Haft verurteilt wird und in das Shawshank-Gefängnis eingeliefert wird, ahnt noch niemand, dass viele Jahre später einer der spektakulärsten Gefängnisausbrüche stattfinden wird…

„Nun, wenn ich ihnen eine klare Antwort auf die Frage geben müsste, ob ich versuche, über einen Mann zu berichten oder über die Legende, die sich um ihn gewoben hat, wie um ein Sandkorn herum eine Perle entsteht, müsste ich sagen: Die Antwort liegt irgendwo in der Mitte. Das Einzige, was ich sicher weiß, ist, dass Andy Dufresne ganz anders war als ich oder jeder andere, den ich während meiner Zeit hier gekannt habe.“ – Seite 55

Die Geschichte wird über Jahrzehnte und  aus der Sicht des Mitinsassen Red erzählt, der seine Erinnerungen über Andy Dufresne aufgeschrieben hat. Gerade dieser Stil und die ausführlichen Beschreibungen über sich selbst, über Dufresne und auch andere Insassen und Wärter machen die Geschichte so packend. Und auch wie und warum es zum Ausbruch kam, ist spannend zu verfolgen!
(5/5 Sterne)



2. SOMMERGEWITTER – Der Musterschüler
Todd Bowden ist dreizehn Jahre alt und ein typischer amerikanischer Junge. Er ist ein guter Schüler, hilfsbereit und wissbegierig. Doch in den letzten Monaten hat seine Wissbegierde eine Faszination zum Bösen entwickelt, dem er nun nachgeht. Er ahnt nicht, welche Reihe von Folgen es nach sich zieht, als er den älteren Mann Kurt Dussander aufsucht. Ein Albtraum für beide beginnt…

„Ein dünnes Lächeln, dem Lächeln Dussanders sehr ähnlich, huschte über sein Gesicht. Es war nicht mehr das breite Grinsen von früher. Es lag keine Fröhlichkeit darin und kein Selbstvertrauen. Es war ein düsteres Lächeln.“ – Seite 240

In dieser knapp 260 Seiten langen Geschichte beschwört King das Grauen hinauf. Der Horror schleicht sich ganz langsam ein. Hier wird es vor allem auf psychologischer Ebene spannend – die Entwicklung der beiden Hauptcharaktere ist mehr als beängstigend und nimmt ungeahnte Züge an. Ab und an zieht sich die Geschichte etwas, daher ziehe ich einen Stern ab. (4/5 Sterne)



3. HERBSTSONATE – Die Leiche (Stand by me)
Sommer im Jahr 1960: Als die Jungs Gordie, Chris, Teddy und Vern zufällig erfahren, dass an den Gleisen einer Güterstrecke der seit Tagen vermisste Junge Ray Browers  zu finden sei, machen sich die vier Freunde auf eine verhängnisvolle  Entdeckungsreise. Niemand ahnt, dass danach nichts wieder so ist wie zuvor…

„Das Wissen, dass noch viele Meilen vor uns lagen, erhöhte nicht gerade unser Wohlbefinden. Aber die Faszination trieb uns vorwärts und ließ uns schneller laufen, als es bei der Hitze für uns gut war.“ – Seite 543

In dieser Geschichte ist Stephen King vor allem die unheimliche Atmosphäre sehr gelungen, die von Anfang bis Ende bestehen bleibt. Dazu kommt noch einiges Geheimnisvolles – den Bahndamm, den die vier Freude entlanglaufen; niemand weiß genau, wann der nächste Güterzug kommt. Und natürlich, was sie am Ende ihrer Reise wirklich erwartet. Es bleibt auf gweisse Weise spannend und sehr unheimlich. Die Charaktere sind sehr stark dargestellt, was alles nochmal intensiver macht. Gut gelungen! (5/5 Sterne)



4. Ein Wintermärchen – Atemtechnik
Diese Story erzählt von einem geheimnisvollen Herrenklub und den Geschichten, die sich in dem mysteriösen Haus erzählt werden. Eine davon handelt von dem Schicksal einer jungen Frau, die ihr Kind unbedingt zur Welt bringen will – egal, wie grausam die Situation ist…

„Seine Stimme war so sanft wie immer, aber es war plötzlich etwas Schreckliches in seinen Augen. Nein … wenn ich ehrlich sein soll … es war nicht nur in seinen Augen. Das Grauen, was ich fühlte, war überall.– Seite 68

Anders als von den anderen Storys, habe ich von dieser hier im Vorfeld noch gar nichts gehört. Atemtechnik ist zweigeteilt: Anfangs sehr geheimnisvoll, was den mysteriösen Herrenklub angeht, später dann spannend und sehr gruselig. Aus Ersterem könnte King durchaus noch einen eigenen, etwas längeren Mysteryroman machen – in der Sache bleibt es geheimnisvoll. Ich fand diese Geschichte sehr packend. (5/5 Sterne)



Die ersten drei Kurzromane wurden vor vielen Jahren erfolgreich verfilmt, Die Verurteilten und Stand by me sind sogar für bedeutende Filmpreise nominiert worden. Ersten habe ich bereits gesehen und er ist sehr gelungen.


Mein Fazit: Stephen King hat hier das alltägliche Grauen meisterhaft in vier Kurzromane verarbeitet. Die Geschichten sind sehr unterschiedlich, aber jede auf seine eigene Weise packend. Oft gruselig und erschreckend, mal mysteriös und dramatisch. Aber überall ist der typische King-Horror vorhanden. Daher vergebe im Gesamten fünf Sterne für dieses Buch. Lesenswert!


Meine Bewertung: 




Titel: Frühling, Sommer, Herbst und Tod
Autor: Stephen King
Genre: Horror / Mystery
Seitenanzahl: 720
Verlag: Heyne
Erstveröffentlichung: 1984
Neuveröffentlichung: 11. August 2013


2 Kommentare:

  1. Die Leiche ist eine meiner absoluten lieblingsgeschichten von king! auf spotify gibt es sie auch ganz toll gelesen (die ganze sammlung). und die verfilmung ist auch klasse !

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    1. Ja, die Geschichte hat so eine gelungene, unheimliche Atmosphäre. Die Verfilmung werde ich mir auch noch anschauen. :)

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