![]() |
| Zum Buch |
Die Schriftsteller Ferdinand von Schirach und Alexander
Kluge im Gespräch
Das Corona-Virus hat uns an eine Zeitenwende gebracht.
Beides ist jetzt möglich, das Strahlende und das Schreckliche.
Ist der aktuelle Shutdown unserer Gesellschaft auch ein Shutdown unserer Grundrechte? Ferdinand von Schirach und Alexander Kluge gehen der Frage nach, was die Corona-Pandemie für unsere Gesellschaftsordnung und unsere bürgerliche Freiheit bedeutet.
„Niemand hätte sich vor zwei Monaten vorstellen können, dass wir diesen Ausnahmezustand erleben. Es wird heute von manchen behauptet, das sei die Zeit der Exekutive. Aber das ist falsch. Wir leben in Demokratien, wir haben eine Gewaltenteilung. Noch immer muss das Parlament entscheiden, und daran darf sich auch nichts ändern. Noch scheint unsere Demokratie nicht gefährdet. Aber die Dinge können kippen. Autoritäre Strukturen können sich verfestigen, die Menschen gewöhnen sich daran. Erosionen sind langsame Abtragungen, keine plötzlichen Ereignisse.“
(Quelle: Klappentext)
TROTZDEM ist ein Buch, das am 11. Mai 2020 erschienen ist
und zwei Gespräche zwischen Ferdinand von Schirach und Alexander Kluge
wiedergibt. Diese beiden Dialoge sind am 30. Marz 2020 (vormittags und
nachmittags) entstanden, 19 Tage nachdem die WHO die Ausbreitung des
Coronavirus zu einer Pandemie erklärt hatte.
Das kleine Buch ist zwar nur 80 Seiten lang, aber unheimlich
informativ und regt zum Nachdenken an. Schirach und Kluge schneiden viele
Themen an – von der wahrscheinlichen Entstehung des Virus, vergleichen sie dieses
mit vergangenen Pandemien und wie Corona nun unseren Alltag bestimmt. Auch
interessantes zur Gestalt und Form von Viren erfahren wir hier:
KLUGE: „Der Tennisball mit Tulpen“, den wir als Abbild des Corona-Virus im Fernsehen sehen, ist ein Funktionsbild. Nach Angaben von Forschern haben Künstler dieses Modell gemalt. Ein Virus, dass dieses Bild im Spiegel „sähe“, würde sich darin nicht wiedererkennen.“ - Seite 9, eBook
Und natürlich steht auch die Frage im Raum, wie die aktuelle
Situation die Zukunft verändern wird. Dazu gehen die beiden Schriftsteller der
wichtigen Frage nach, ob der Shutdown mit unseren Grundrechten vereinbar ist.
Gerade dieser Abschnitt ist sehr Informativ:
KLUGE: „Erlaubt unsere Verfassung das?“
SCHIRACH: „Vereinfacht gesagt muss jede Maßnahme, die Grundrechte einschränkt, verhältnismäßig sein. Das ist sie, wenn sie vier Voraussetzungen erfüllt: Sie muss einen legitimen Zweck verfolgen, geeignet, erforderlich und angemessen sein.“ (…)
KLUGE: „Das Leben von Menschen zu retten, ist sicher ein legitimer Zweck.“ – Seite 10, eBook
Ferdinand von Schirach führt dieses in seiner Antwort noch
näher aus, eine Worte dazu sind sehr klar und gut verständlich.
Neben vielen Themen wird im zweiten Gespräch (nachmittags)
noch auf historische Katastrophen und deren nachfolgenden Veränderungen eingegangen,
auch über Ansichten und Verhalten von historischen Persönlichkeiten wird philosophiert.
Zum Schluss findet Schirach noch wichtige Worte, was sich nach der Pandemie
ändern sollte/müsste und was wir alles ändern könnten.
Mein Fazit: Ein sehr informatives, aktuelles und
lesenswertes Buch, das zum Nachdenken anregt. Die beiden Gespräche der
Schriftsteller Ferdinand von Schirach und Alexander Kluge, die am 30. März 2020
entstanden sind, sind klar wiedergegeben. Sehr empfehlenswert.
Titel: Trotzdem
Autoren: Ferdinand von Schirach / Alexander Kluge
Genre: Sachbuch / Gespräch / Aktuelles
Seitenanzahl: 80
Verlag: Luchterhand
Erstveröffentlichung: 11. Mai 2020

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen