Sonntag, 14. Juni 2020

Rezension zu "Trotzdem" von Ferdinand von Schirach & Alexander Kluge

Zum Buch

Die Schriftsteller Ferdinand von Schirach und Alexander Kluge im Gespräch

Das Corona-Virus hat uns an eine Zeitenwende gebracht. Beides ist jetzt möglich, das Strahlende und das Schreckliche.

Ist der aktuelle Shutdown unserer Gesellschaft auch ein Shutdown unserer Grundrechte? Ferdinand von Schirach und Alexander Kluge gehen der Frage nach, was die Corona-Pandemie für unsere Gesellschaftsordnung und unsere bürgerliche Freiheit bedeutet.

„Niemand hätte sich vor zwei Monaten vorstellen können, dass wir diesen Ausnahmezustand erleben. Es wird heute von manchen behauptet, das sei die Zeit der Exekutive. Aber das ist falsch. Wir leben in Demokratien, wir haben eine Gewaltenteilung. Noch immer muss das Parlament entscheiden, und daran darf sich auch nichts ändern. Noch scheint unsere Demokratie nicht gefährdet. Aber die Dinge können kippen. Autoritäre Strukturen können sich verfestigen, die Menschen gewöhnen sich daran. Erosionen sind langsame Abtragungen, keine plötzlichen Ereignisse.“  
(Quelle: Klappentext)


TROTZDEM ist ein Buch, das am 11. Mai 2020 erschienen ist und zwei Gespräche zwischen Ferdinand von Schirach und Alexander Kluge wiedergibt. Diese beiden Dialoge sind am 30. Marz 2020 (vormittags und nachmittags) entstanden, 19 Tage nachdem die WHO die Ausbreitung des Coronavirus zu einer Pandemie erklärt hatte.
Das kleine Buch ist zwar nur 80 Seiten lang, aber unheimlich informativ und regt zum Nachdenken an. Schirach und Kluge schneiden viele Themen an – von der wahrscheinlichen Entstehung des Virus, vergleichen sie dieses mit vergangenen Pandemien und wie Corona nun unseren Alltag bestimmt. Auch interessantes zur Gestalt und Form von Viren erfahren wir hier:

KLUGE: „Der Tennisball mit Tulpen“, den wir als Abbild des Corona-Virus im Fernsehen sehen, ist ein Funktionsbild.  Nach Angaben von Forschern haben Künstler dieses Modell gemalt. Ein Virus, dass dieses Bild im Spiegel „sähe“, würde sich darin nicht wiedererkennen.  - Seite 9, eBook

Und natürlich steht auch die Frage im Raum, wie die aktuelle Situation die Zukunft verändern wird. Dazu gehen die beiden Schriftsteller der wichtigen Frage nach, ob der Shutdown mit unseren Grundrechten vereinbar ist. Gerade dieser Abschnitt ist sehr Informativ:

KLUGE: „Erlaubt unsere Verfassung das?“

SCHIRACH: „Vereinfacht gesagt muss jede Maßnahme, die Grundrechte einschränkt, verhältnismäßig sein. Das ist sie, wenn sie vier Voraussetzungen erfüllt: Sie muss einen legitimen Zweck verfolgen, geeignet, erforderlich und angemessen sein.“  (…)

KLUGE: „Das Leben von Menschen zu retten, ist sicher ein legitimer Zweck.“ – Seite 10, eBook

Ferdinand von Schirach führt dieses in seiner Antwort noch näher aus, eine Worte dazu sind sehr klar und gut verständlich.

Neben vielen Themen wird im zweiten Gespräch (nachmittags) noch auf historische Katastrophen und deren nachfolgenden Veränderungen eingegangen, auch über Ansichten und Verhalten von historischen Persönlichkeiten wird philosophiert. Zum Schluss findet Schirach noch wichtige Worte, was sich nach der Pandemie ändern sollte/müsste und was wir alles ändern könnten.

Mein Fazit: Ein sehr informatives, aktuelles und lesenswertes Buch, das zum Nachdenken anregt. Die beiden Gespräche der Schriftsteller Ferdinand von Schirach und Alexander Kluge, die am 30. März 2020 entstanden sind, sind klar wiedergegeben. Sehr empfehlenswert.


Meine Bewertung: 



Titel: Trotzdem
Autoren: Ferdinand von Schirach / Alexander Kluge
Genre: Sachbuch / Gespräch / Aktuelles
Seitenanzahl: 80
Verlag: Luchterhand
Erstveröffentlichung: 11. Mai 2020

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