Freitag, 21. August 2020

Rezension zu "Aus schwarzem Wasser" von Anne Freytag

Zum Buch

Das Geheimnis aus der Tiefe

Das Meer ist der Ursprung allen Lebens und verbirgt eine tödliche Bedrohung…

Ohne zu bremsen, rast die Innenministerin Dr. Patricia Kohlbeck mit ihrem Dienstwagen in die Spree. Mit dabei: ihre Tochter Maja. Du kannst niemandem trauen, sie stecken alle mit drin, ist das Letzte, was sie zu ihrer Tochter sagt, bevor sie ertrinkt. Auch Maja stirbt – wacht jedoch wenige Stunden später unversehrt in einem Leichensack im Krankhaus wieder auf. Wie ist das möglich? Während Maja versucht, Antworten zu finden, ereignet sich eine verheerende Naturkatastrophe nach der anderen. Und gegen ihren Willen gerät sie in einen Konflikt aus Lügen, Intrigen und Machtkämpfen, dessen Folgen fatale Ausmaße annehmen.  
(Quelle: Klappentext)


„Der Ausdruck verschwindet aus ihren Augen. Dann sind sie nur noch leer und blau, wie Glaskugeln, durch die niemand mehr sieht. Ihre Hand liegt tot in meiner, ihr Blick geht ins Unendliche, an mir vorbei in ein unbestimmtes Nichts.“ – Seite 10, eBook

…mit diesem ersten Satz beginnt der neue Thriller von Anne Freytag, der am 21. August erschienen ist. Da sich die Inhaltsangabe sehr spannend anhörte, war ich dementsprechend neugierig. Mysteriös wird es schon zu Beginn, als Hauptfigur Maja Kohlbeck nach einem schweren Autounfall zunächst für tot erklärt wurde und später in der Pathologie des Krankenhauses wieder aufwacht – ohne einen Kratzer. Daraufhin ist ihr Leben nicht mehr so wie es mal war: Sie spürt, dass sie verfolgt wird und versucht mehr über das Leben ihrer Mutter herauszubekommen. Du kannst niemandem trauen, sie stecken alle mit drin – das waren die letzten Worte von ihrer Mutter an sie, bevor sie starb. Dabei wird immer deutlicher, dass diese vor vielen Jahren an einem geheimen Forschungsprojekt teilgenommen hat. Für Maja beginnt eine abenteuerliche Flucht – wen kann sie noch vertrauen? Wer ist Freund und wer Feind? Und vor allem: Was ist mit ihr passiert? Während sie schließlich von einem großen Geheimnis erfährt, das alles verändert kann, häufen sich zur gleichen Zeit überall auf der Welt furchtbare Naturkatastrophen…

„Daniel legt die Vita zur Seite und widmet sich den Forschungsergebnissen. Und es ist dasselbe Gefühl wie damals. Ein ungläubiges Staunen, ein klares Abstreiten dessen, was da geschrieben steht – mit dem Unterschied, dass er diesmal weiß, dass es stimmt. Dass es sich bei dieser Arbeit keineswegs um das Werk eines Irren handelt, sondern um Tatsachen. Um eine Wahrheit, die größer ist, als er begreift.“ – Seite 189, eBook

Meine Meinung zu dem Verlauf ist zwiegespalten. Besonders gelungen fand ich den Anfang, wo man Majas Weg sehr gut verfolgen kann. Man erfährt nach und nach von geheimnisvollen Forschungen, auch, dass das Meer eine zentrale Rolle spielt und ein Geheimnis verbirgt. Kurz erinnerte mich dieses an Frank Schätzings Thriller Der Schwarm. Anne Freytag hatte hier eine tolle Romanidee – leider hat mir persönlich die Umsetzung nicht gefallen. Es gibt viel zu viele Blickwinkel, manches aus der Ich-Perspektive, manches einfach aus der Sicht desjenigen. Dieses ist wild durcheinander geworfen und verwirrt oftmals. Mir hätte es besser gefallen, wenn dieser regelmäßige Wechsel nur aus einem ganz kleinen Kreis der Hauptfiguren stattgefunden hätte. Es gibt zu viele Nebenschauplätze, wo über Affären und vergangene Beziehungen berichtet wird und so vom eigentlichen Thema abschweift – denn gerade dieses ist sehr interessant. Es gibt durchaus spannende Momente, doch diese Unterbrechungen haben mich etwas gestört.  
Im letzten Drittel wird sich dann endlich den mysteriösen Geschehnissen gewidmet und es kommt etwas Licht ins Dunkel. Dieses ist jedoch so verworren und wild durcheinander geworfen, das mich das leider nicht mehr überzeugen konnte.
Ich mag Anne Freytags klaren Schreibstil sehr und finde die meisten ihrer veröffentlichen Jugendbucher sehr gelungen. Nur leider bin ich mit diesem Buch nicht warmgeworden.

Mein Fazit: Ein Thriller, der leider mehr Schwächen als Stärken hat. Die Romanidee, sowie der unheimlich packende Anfang haben mir sehr gut gefallen, auch Anne Freytags schon bekannter, klarer Schreibstil kommt hier sehr gut zur Geltung. Leider geht die Spannung durch die vielen Blickwinkel und Nebensächlichkeiten etwas verloren – dieses verwirrt oft – auch das letzte Drittel wirkt ziemlich durcheinander und schließt mit einem seltsamen Ende.  Ich selbst  bin mit diesem Buch leider nicht wirklich warm geworden, doch ich hoffe, dass es trotzdem viele begeisterte Leser finden wird – denn die Grundidee ist wirklich gut. Von mir gibt es leider nur 2 Sterne.


Meine Bewertung:




Titel: Aus schwarzem Wasser
Autorin: Anne Freytag
Genre: Thriller
Seitenanzahl: 608
Verlag Bold / dtv
Erstveröffentlichung: 21. August 2020

Weitere Rezensionen zum Buch findet ihr hier:
Irve liest

Vielen Dank an dtv und Netgalley für das Rezensionsexemplar! 

2 Kommentare:

  1. Liebe Nicole,

    hier sind wir uns gar nicht einig :-) Ich fand diesen Thriller mega! Für mich war es meine erste Begegnung mit Anne Freytag, vielleicht lag es auch daran, dass ich keinerlei Vergleichsmöglichkeiten hatte. Ich fands einfach super, dass sich der Thriller so von dem Einheitsbrei den man so auf dem Markt findet, abhebt.

    Liebe Grüße
    Kerstin

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    1. Liebe Kerstin,

      ich habe tatsächlich viele positive Rezensionen dazu gelesen und das ist völlig in Ordnung! :)
      Geschmäcker sind zum Glück verschieden, gerade das ist ja so interessant.
      Mir gefallen die Jugendbücher von Anne Freytag aber sehr gut - besonders "Mein bester letzter Sommer" ist großartig!

      Liebe Grüße
      Nicole

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