Sonntag, 18. Oktober 2020

Rezension zu "Eines Menschen Flügel" von Andreas Eschbach

Zum Buch



Die Geheimisse und Gefahren einer besonderen Welt


Eine ferne Zukunft auf einem fernen, scheinbar paradiesischen Planeten - doch der Schein trügt. Etwas Mörderisches lauert unter der Erde. Daher haben die Siedler ihre Kinder gentechnisch aufgerüstet, sodass sie fliegen können. Es gibt jedoch weitere Rätsel: Noch nie haben die Menschen die Sterne gesehen. Der Himmel ist immer bedeckt, als würde sich dahinter etwas verbergen. Den Himmel, so heißt es, kann man nicht erreichen. Oder doch? Owen, einem Außenseiter, gelingt es - mit tödlichen Folgen ...
(Quelle: Klappentext – Bastei Lübbe-Verlag)




„Er vergaß alles, spürte nichts mehr, dachte nicht darüber nach, ob es der hundertste Schwung war oder der zweihundertste. Und er sah längst nicht mehr zurück. Die Küste, die Schluchten mit dem gewaltigen Nestbäumen, all das war zu Grau und Grün zerflossen, lag weit unter ihm, vergessen und verloren. Er griff nach dem Himmel, das war alles, was zählte.“ – Seite 19, eBook

Eines Menschen Flügel
ist der neue Roman von Andreas Eschbach – allein der Klappentext zeigt, dass uns LeserInnen hier eine ganz außergewöhnliche Geschichte erwartet. Und das ist sie wirklich: Die Handlung spielt weit in der Zukunft auf einem fremden Planeten – dieser wurde vom Autor unheimlich gut ausgearbeitet. Doch in dieser Welt lauert, besonders auf dem Boden, eine große Gefahr. Deshalb haben die Ahnen vor knapp 1000 Jahren die Menschen gentechnisch mit Flügel ausgestattet. Sie leben in riesigen Bäumen – den sogenannten Nestbäumen. Was da Mörderisches in dem Boden lauert, erfahren wir natürlich im Laufe des Romans.

Man benötigt zu Anfang etwas Einlesezeit, um sich in der besonderen Welt zurechtzufinden. Doch Andreas Eschbach beschreibt die Lebensweise und den Alltag der geflügelten Menschen sehr gut. Die Fantasywelt selbst ist mit ihren vielen unterschiedlichen Orten und Begebenheiten ebenfalls gut ausgearbeitet. Perfekt wäre hier noch eine Karte dazu gewesen. Doch eine Skizze von der Welt und noch weitere Infos zum Entstehungsprozess des Buches findet ihr auf der Verlagsseite (Link: siehe oben)

Hauptfigur ist zu Anfang der junge Owen, der sich schnell ein Ziel gesetzt hat: Er möchte die dichte Wolkendecke durchstoßen und endlich die Sterne sehen – doch was erwartet ihn dort? Eine noch größere Gefahr, wie sie am Boden lauert? Hier ist besonders Owens Lebenslauf spannend zu verfolgen. Doch daneben lernen wir noch viele weitere Charaktere kennen – Owens Weg ist nur der Beginn einer umfassenden und wirklich langen Geschichte: Auf 1.257 Seiten hat Andreas Eschbach ein beeindruckendes Werk erschaffen. Nach und nach erfährt man, was hinter so manchen rätselhaften Ereignissen steckt und viele aufkommende Fragen werden beantwortet. Auch das Geheimnis um den ewig bedeckten Himmel und interessante Fakten der Ahnen werden gelüftet.



„Sie flogen weiter, sich der brüllenden Stimme des Sturms widersetzend, die ihnen zuzurufen schien: Verschwindet! Ihr habt hier nichts zu suchen!

Doch, sie hatten hier etwas zu suchen. Und sie würden nicht damit aufhören, ehe sie es gefunden hatten oder – was Garwen insgeheim für weitaus wahrscheinlicher hielt – ehe sie einsehen mussten, dass es nicht zu finden war. Dass sie nach etwas jagten, das es einst vielleicht gegeben hatte, das heute aber nur noch eine Legende war.“
– Seite 524, eBook



Insgesamt lässt sich das Buch flüssig lesen. Nur ab und an wurden mir die vielen Blickwinkel (diese wechseln mit jedem Abschnitt zu jemand Neuem) etwas zu viel. Ich hätte mir hier ein paar regelmäßige Blickwinkel von nur einem kleinen Personenkreis gewünscht. Aber auch so ist alles gut zu verfolgen: Es wird spannend, interessant und auch mal dramatisch mit völlig überraschenden Wendungen – besonders zum Ende hin.


Mein Fazit: Auf 1.257 Seiten hat Andreas Eschbach hier ein ziemlich umfangreiches, aber beeindruckendes Werk erschaffen. Eine fremde Welt, die voller Geheimnisse steckt und in der einige Gefahren lauern – die Handlung ist fesselnd, manchmal dramatisch und voller überraschender Wendungen. Ab und an habe ich bei den vielen Namen mal kurzzeitig den Überblick verloren, aber die Handlung ist sehr gut zu verfolgen. Doch abgesehen von der Kleinigkeit ist es eine abenteuerliche Dystopie mit gut gewählten Science-Fiction-Elementen. 4,5 Sterne von mir - sehr lesenswert!


Meine Bewertung:





Titel: Eines Menschen Flügel
Autor: Andreas Eschbach
Genre: Dystopie / Science-Fiction
Seitenanzahl: 1.257
Verlag: Bastei Lübbe
Erstveröffentlichung: 30. September 2020


Vielen Dank an Bastei Lübbe und Netgalley für das Rezensionsexemplar!

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