Sonntag, 28. Februar 2021

Rezension zu "Die Flüstern der Bienen" von Sofia Segovia

 

Zum Buch


Der Bienenjunge und seine Geschichte

In der kleinen mexikanischen Stadt Linares erzählt man sich noch immer von dem Tag, an dem die alte Nana Reja ein Baby unter einer Brücke gefunden hat. Von einem Bienenschwarm umhüllt, erweckt der kleine Simonopio zunächst Misstrauen bei den abergläubischen Dorfbewohnern. Doch die Gutsbesitzer Francisco und Beatriz Morales nehmen den wilden stummen Jungen bei sich auf und lieben ihn wie ihr eigenes Kind. Während die Spanische Grippe die Region trifft, und um sie herum die mexikanische Revolution wütet, lernen sie Simonopios Gabe zu vertrauen und können die Familie so vor dem größten Unheil bewahren. Doch nicht alle Bewohner der Hacienda meinen es gut mit dem Jungen …
(Quelle: Klappentext - Ullstein Verlag)




Im Jahr 1910 wird ein Baby unter einer Brücke gefunden, bedeckt mit Hunderten von Bienen – doch anstatt es zu verletzten, beschützen sie den kleinen Jungen. Das Flüstern der Bienen erzählt die berührende Geschichte von Simonopio und der Familie Morales, die den Jungen liebevoll bei sich aufnehmen - zusammen mit den Bienen, die nicht von seiner Seite weichen. Die weitläufige Hacienda von Francisco und Beatriz Morales wird sein Zuhause, in den folgenden Jahren entwickelt sich Simonopio zu einem klugen Jungen mit einer großen Liebe zur Natur und einer besonderen Gabe – dennoch bleibt er stumm, da er sich nicht richtig verständlich machen kann.

„Simonopios Ankunft hat uns für immer verändert. Sie war ein Wendepunkt in unserer Familie und würde später einmal über Leben und Tod entscheiden, aber das wussten wir damals natürlich noch nicht.“ - Seite 39, eBook

Als im Jahr 1918 die Spanische Grippe ausbricht, vertraut Francisco Morales seinem Patensohn und folgt dessen Intuition. Genau diese bewahrt die Familie und ihren Arbeitern vor dem größten Unglück. Auch die Jahre danach halten noch einige Überraschungen bereit. Jedoch wird Simonopio nicht von allen Dorfbewohnern akzeptiert – ist die tiefe Angst, die er spürt, berechtigt?

Die Geschichte wird aus verschiedenen Blickwinkeln erzählt. Einen sehr guten Einblick bekommt man aus der Perspektive von Francisco Jr., der Sohn der Morales, der erst später geboren wurde und manche Ereignisse rückblickend erzählt. Klingt im ersten Moment seltsam, ist aber sehr gut gelungen, da es in diesen Abschnitten besonders detailreich wird.

„In diesem Haus gibt es keine Geister, erklärte mir mein Vater. Was du hörst, ist der Nachhall der Menschen, die hier gelebt haben, und den das Haus bewahrt, damit wir uns an sie erinnern.
Ich verstand, was er meinte.“
(Francisco Jr.) – Seite 26, eBook


Besonders zum Ende hin wird klar, warum er dieses so erzählt – der Kreis der besonderen Geschichte schließt sich. Doch vorher bekommen detailreiche Einblicke in das Leben von Francisco und Beatriz Morales, auch ihre eigenen Gedanken werden hier sehr gut geschildert. Auch aus Simonopios Sicht wird vieles beschrieben – der besondere Junge mit den Bienen.

„Die Bienen waren geduldig mit ihm gewesen: Jahrelang hatten sie darauf gewartet, dass er bereit wäre, die Reise mit ihnen zu vollenden. Am Ende des Weges wartete etwas Wichtiges auf ihn, etwas, was sie ihm schon immer hatten mitteilen wollen, etwas, was sie ihm zu verstehen geben wollten.
Bald würde er es sehen. Und dann würde er es wissen.“
– Seite 193, eBook


Was er Wichtiges entdeckt, ist eine große Überraschung und ändert das Leben der Morales komplett – dieses ist gut gelungen. Jedoch gibt es auch dunkle und traurige Momente. Sowohl die fröhlichen und idyllischen Abschnitte, als auch die traurigen, dramatischen Momente sind sehr gut und feinfühlig beschrieben.
Zu Anfang hat es etwas gedauert, bis ich in der Geschichte angekommen bin – im ersten Drittel schweift diese etwas ab. Ab dem zweiten Drittel wurde es dann wieder übersichtlicher und die Handlung entwickelt sind packend und irgendwie besonders.


Mein Fazit: Eine besondere Familiengeschichte, die bewegend geschrieben ist und viele berührende Momente hat. Die Charaktere sind sehr gut ausgearbeitet, besonders Simonopio, der Bienenjunge ist mit seiner geheimnisvollen Art großartig beschrieben. Mal traurig und mal idyllisch schön erzählt die Autorin eine berührende Geschichte die sich über viele Jahre erstreckt. Sehr lesenswert! 4,5 Sterne von mir.


Meine Bewertung:



Titel: Das Flüstern der Bienen
Autorin: Sofia Segovia
Genre: Familienroman
Seitenanzahl: 480
Verlag: Ullstein/List
Erstveröffentlichung: 01. März 2021


Vielen Dank an die Ullstein Buchverlage und Netgalley für das Rezensionsexemplar!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen