Freitag, 17. September 2021

Rezension zu "Der perfekte Kreis" von Benjamin Myers

Zum Buch
 
Der Sommer der perfekten Kreise

Redbone und Calvert kennen sich seit Langem. Obwohl sie unterschiedlicher nicht sein könnten und einander wenig von ihrem früheren Leben erzählen, fühlen sie von Anfang an eine starke Verbundenheit. Zwischen den beiden Männern entsteht über die Jahre eine ungewöhnliche Freundschaft. Hinter ihnen liegen Zeiten der Rastlosigkeit und tiefen Einsamkeit, bestimmt von traumatischen Erlebnissen. Eher zufällig entsteht in ihnen die Idee der Kornkreise. Während sie hoffen, dass sie in diesem Sommer den Kreis erschaffen können, kommen sie ihrem Land und seinen Bewohnern, ihren eigenen Träumen näher, erleben sie sowohl ernüchternde als auch traumgleiche Begegnungen. Geprägt von demselben Freiheitsdrang und derselben Abneigung gegen jegliche Obrigkeit, entstehen in ihnen ein tiefer Respekt für ihre Umwelt und der Wunsch, die beengende Realität des Alltags hinter sich lassen zu können. Gelingt der perfekte Kornkreis, dann kann ihnen auch alles andere gelingen. (Quelle: Inhaltsangabe - DuMont-Verlag)


Im letzten Jahr gehörte Benjamin Myers Roman Offene See zu meinen Jahreshighlights – ein unvergessliches Buch, das wunderschön geschrieben ist. Dementsprechend neugierig war ich nun auf sein neues Werk: Der perfekte Kreis erzählt die Geschichte der besonderen Freundschaft von Redbone und Calvert. Die beiden Männer könnten unterschiedlicher nicht sein, doch mit ihrer Freundschaft ist über die Jahre noch etwas anderes entstanden: Die Idee der Kornkreise.

„Aus Gründen, die so unterschiedlich sind wie Tag und Nacht oder richtig und falsch, ziehen es beide Männer vor, hauptsächlich im gegenwärtigen Augenblick zu leben.
Dass sie sich in diesem Punkt aus verschiedenen Richtungen, aber zu einem ähnlichen Zeitpunkt in ihrem ereignisreichen Leben angenähert haben, verbindet die beiden.“
– Seite 19, eBook


Im Jahr 1989 in Südengland: Inzwischen ist es ihr dritter Sommer in dem sie sich ihrer Leidenschaft widmen: Das Ziel, den perfekten Kornkreis zu erschaffen.
Es ist auf gewisse Weise spannend zu verfolgen, wie sie bei der Erschaffung eines jedes einzelnen Kreises vorgehen, dessen Muster immer komplizierter und aufwendiger werden. Auch wenn Calvert und Redbone oft ihren eigenen Gedanken nachhängen und versuchen, nicht von den Schrecken der Vergangenheit eingeholt zu werden, arbeiten sie sehr diszipliniert und genau.

„Ihr geheimes Projekt macht sie sonnentrunken, und wenn sie nicht draußen sind und gestalten und erschaffen, denken sie darüber nach. (…) Der nächste Kornkreis ist immer ein Leuchtturm, ein Licht der Hoffnung in der seltsamen Geisterlandschaft ihrer gemeinsamen Existenzen.“ – Seite 117, eBook


Als sich der Sommer in England schließlich dem Ende zuneigt, widmen sie sich einem letzten Werk, das alles andere übertreffen soll…

„Er weiß, dass ihre Kornkreise vergänglich sind, nur Oberfläche und in gewisser Weise völlig nutzlos, aber er weiß auch, dass sie Gewicht haben, weil sie atemberaubend und schön sind und weil nichts wirklich Schönes je nutzlos sein kann.“ – Seite 136, eBook


Das Buch besteht aus zehn Kapiteln, dessen Überschriften jeweils aus dem Namen des aktuellen Kornkreises besteht. Angefangen bei dem Alton-Kennett-Pfad über den Longbarrow-Wal, der Cuckoo-Spittle-Denkblase bis hin zur Honigwabe-Doppelhelix. Sehr interessant zu verfolgen ist die komplette Entstehung der Werke: Von der Idee der Formen über die Namenswahl bis hin zur Suche des perfekten Feldes und der Ausführung. Spannend ist auch, wie die Menschen auf die Kornkreise reagieren – hier sind schräge Theorien dabei.
Das Besondere hier ist hier auch wieder der Schreibstil: Atmosphärisch dicht und sehr poetisch schildert der Autor hier selbst kleinste Momentaufnahmen – besonders die Schauplätze und deren Umfeld werden bildgewaltig und manchmal etwas träumerisch beschrieben. Auch erfährt man nach und nach Einzelheiten aus dem Leben der Männer, die es beide nicht leicht hatten.
Das Ende wiederum ist doch überraschend und kam etwas zu abrupt – gern hätte ich dieses noch etwas ausführlicher gewünscht mit einem „danach“.

Mein Fazit: Eine besondere Geschichte, die durch ihren wunderschönen und sehr poetischen Schreibstil besticht. Atmosphärisch dicht und detailreich schildert Benjamin Myers die Geschichte eines Sommers in Südengland – von einer außergewöhnlichen Freundschaft und dem Ziel, den perfekten Kornkreis zu erschaffen. Sehr interessant und auf jeden Fall lesenswert.


Meine Bewertung:



Titel: Der perfekte Kreis
Autor: Benjamin Myers
Genre: Romane / Gegenwartsliteratur
Seitenanzahl: 224
Verlag: DuMont
Erstveröffentlichung: 17. September 2021

Vielen Dank an den DuMont-Verlag und Netgalley für das Rezensionsexemplar!

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