Montag, 21. Februar 2022

Rezension zu "1795" von Niklas Natt och Dag

 

Zum Buch
 
Winge und Cardell ermitteln – Band 3

1795: In Stockholm öffnen sich die Tore zur Hölle.
Nach einer Feuersbrunst, die viele Leben gekostet hat, liegt der beißende Geruch von Verzweiflung in der Luft. Wie ein hungriges Tier schleicht das Böse in Gestalt des zwielichtigen Tycho Ceton durch die verwinkelten Gassen. Niemand weiß, was für ein widerliches Komplott er als Nächstes plant.

Zeitgleich beginnt das Königshaus eine unerbittliche Jagd auf alle Gegner der Regentschaft. Ein Brief mit den Namen der Verschwörer soll im Umlauf sein – und ausgerechnet die vermisste Anna Stina Knapp wurde damit gesehen. Zwei begnadete Ermittler stellen sich der Dunkelheit entgegen und wollen nicht nur Ceton fassen, sondern auch Anna Stina beschützen: Emil Winge und der einarmige Veteran Jean Michael Cardell. Doch während sie noch versuchen, für das Gute einzustehen, bahnt sich unaufhaltsam ein Inferno an…
(Quelle: Auszug aus der Inhaltsangabe -  Piper-Verlag)



Nach den Romanen 1793 und 1794 findet die historische Krimireihe von Niklas Natt och Dag mit 1795 nun ihren Abschluss. Nachdem der Vorgänger ziemlich abrupt endete, bekommen wir hier im Prolog die Antworten auf die Frage, wie es nach den schrecklichen Ereignissen im Herbst 1794 weiterging. Danach gibt es einen kleinen Sprung ins Frühjahr 1795. Emil Winge und Jean Michael Cardell arbeiten erneut zusammen, um ihren erbitterten Feind Tycho Ceton endlich zu fassen. Neben dessen Verfolgung sucht Cardell auch nach der jungen Frau Anna Stina Knapp, die nach der Feuersbrunst spurlos verschwunden ist. Er möchte sie beschützen – denn gleichzeitig suchen auch weitere Personen nach ihr, da sie angeblich im Besitz eines Briefes mit brisantem Inhalt ist. Ein Wettlauf mit der Zeit – und gegen das Böse - beginnt…

„Mit wachsender Besorgnis hält er die Stunde für fortgeschrittener, als sie in Wahrheit ist, und zweifelt gar an seine Taschenuhr. Längst vergessene Furcht breitet sich in ihm aus, die ganz anders ist als jene, die er so viel besser kennt.“ – Seite 86, eBook


Die Handlung ist hier wieder in vier Teile aufgeteilt: Die ersten drei Teile schildern die Geschehnisse aus dem Frühjahr und Sommer des Jahres 1795 – aus den Sichtweisen verschiedener Personen. Manches ist anfangs noch rätselhaft, aber nach und nach setzen sich einzelne Puzzleteile an ihren Platz, da die Ereignisse aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln betrachtet werden. Es wird brutal und oft auch grausam.
Sowohl Haupt- als auch Nebenfiguren sind stark gezeichnet. Neben den aktuellen Geschehnissen haben sie auch mit den Dämonen aus der Vergangenheit zu kämpfen.

Der vierte Teil ist im Herbst/Winter des Jahres angesiedelt. Hier laufen die verschiedenen Fäden schließlich zusammen und fördern einige Überraschungen zutage…

„Emil Winge wird blass und legt den Brief so behutsam zurück auf den Tisch, als handelte es sich um eine Schlange, der das Gift bereits aus den Fängen tropft.“ – Seite 354, eBook


Wie auch schon bei den beiden Vorgängern, hat es auch der dritte Band in sich. Der Autor führt uns in die dunkelsten Ecken Stockholms Ende des 18. Jahrhunderts. Schonungslos und direkt lässt er uns in menschliche Abgründe blicken. Auch schildert er die Schauplätze detailreich und hält die unheimliche Atmosphäre die gesamte Zeit aufrecht.

Nachdem der erste Band 1793 schwer zu übertreffen war, war auch der Nachfolger mit kleineren Schwächen noch sehr spannend. Bei diesem Band lässt die Spannung nach einem interessanten Anfang jedoch merklich nach. Im Mittelteil wird es öfter mal langatmig und der rote Faden geht zeitweise verloren. Zum Ende hin kommt aber nochmal Spannung auf, die Handlung kehrt wieder zum Hauptthema zurück und einiges wird offenbart.

„Sie unterschätzen Jean Michael. Und diesen Fehler begehen viele nur ein Mal.“
(Emil Winge) – Seite 408, ebook


Mein Fazit: Ein Abschlussband mit kleinen Schwächen, der nicht ganz mit seinen starken Vorgängen mithalten kann. Nach wie vor packend ist der Schreibstil: die unheimliche Atmosphäre, die dunklen Schauplätze und der schonungslose Blick hinter die Kulissen Stockholms ist dem Autor auch hier wieder gelungen. Nach einem vielversprechenden Beginn schwächelt die Handlung dann im Mittelteil leider etwas, alles zieht sich zu sehr in die Länge. Das Ende wiederum hält dann noch interessante Wendungen bereit...
Da mich dieses Buch nur teilweise überzeugen konnte, vergebe ich drei Sterne – dennoch eine interessante und außergewöhnliche historische Krimireihe.



Meine Bewertung:




Titel: 1795
Autor: Niklas Natt och Dag
Genre: Historischer Thriller
Seitenanzahl: 528
Verlag: Piper
Erstveröffentlichung: 27. Januar 2022


Die Bücher der Trilogie um Winge und Cardell
Band 1 - 1793
Band 2 - 1794
Band 3 - 1795




Vielen Dank an den Piper-Verlag und Netgalley für das Rezensionsexemplar!


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