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Von den Fäden zwischen Vergangenheit und Gegenwart
Eine Sommernacht 1985: In einem Vorort von New York steigen drei betrunkene Teenager in ein Auto – und nichts ist mehr wie zuvor.
Die Geschwister Sarah und Theo zerbrechen fast an der Last des Geheimnisses, das sie seitdem teilen, und selbst 20 Jahre später bestimmt es ihr Leben. Auch ihr Vater Ben, ein pensionierter Arzt, hadert mit seiner Rolle in jener denkwürdigen Nacht. Doch als Bens Begegnung mit dem zehnjährigen Nachbarsjungen Waldo eine Kette von Ereignissen in Gang setzt, droht das Geheimnis zu platzen und ihrer aller Leben in ungeahnte Bahnen zu lenken. (Quelle: Inhaltsangabe - Hanser Verlag)
Leuchtfeuer ist der neue Roman der Autorin Dani Shapiro und überzeugt mit einer bewegenden Geschichte und einem einzigartigen Schreibstil.
Das Buch beginnt mit einem schrecklichen Ereignis im August 1985, der das Leben der Familie Wilf für immer verändern wird. Die Geschwister Sarah und Theo, damals noch Teenager, treffen eine Entscheidung, dessen Folgen sich sie sich auch Jahrzehnte später nicht verzeihen können. Auch ihr Vater Ben, der in dem Drama ebenfalls eine tragische Rolle einnimmt, lässt die Vergangenheit nicht los. Zwischen den Familienmitgliedern schwebt das Unausgesprochene und auch das Geheimnis, das sie seit jener Nacht teilen.
„Die Geschichte – (…) – wird nicht infrage gestellt werden. Nicht in dieser Nacht und auch sonst nicht. Sie wird zum dunkelsten Familiengeheimnis werden, einem so gefährlichen Geheimnis, dass niemand es je aussprechen wird.“ – Seite 20, eBook
Die Jahre vergehen, die Bewohner in der Division Street im New Yorker Vorort Avalon kommen und gehen, doch Ben ist auch Jahrzehnte später noch da. Im Haus gegenüber wohnt inzwischen die Familie Shenkman, die eher zurückgezogen lebt. Eine Begegnung mit dessen zehnjährigen Sohn Waldo an einem Winterabend setzt schließlich eine Kette von Ereignissen in Gang, die das zukünftige Leben der beiden Familien verändern wird…
Schon auf den ersten Seiten wird der einzigartige, klare und detaillierte Schreibstil der Autorin sichtbar. Atmosphärisch dicht und auf besondere Weise fesselnd, aber gleichzeitig mit einer angehnehmen Ruhe erzählt sie die Geschichte, in der zwei Familien die Hauptrolle spielen. Die Handlung wird nicht chronologisch erzählt, sondern wechselt regelmäßig zwischen verschiedenen Zeitebenen – zwischen 1985 bis hin in die Gegenwart des Jahres 2020. Zunächst muss man sich an die ständigen Wechsel gewöhnen, das klappt jedoch ganz gut, da die Abschnitte dem jeweiligen Datum/Jahr beschriftet sind, was sehr hilfreich ist. Die zentralen Ereignisse finden im Jahr 1985 statt, wo etwas passiert, was niemals hätte passieren dürfen und im Jahr 2010, wo sich an einem Abend alles verändert.
„Er nickt leicht, fast unmerklich. Sie kann praktisch zusehen, wie sich in seinem Inneren die Einzelteile wieder zusammenfügen, die scharfen Kanten verschwinden, Geschichten – tausend Was-wäre-wenns – zurückweichen wie das Wasser bei Ebbe.“ – Seite 132, eBook
Auch die Blickwinkel wechseln regelmäßig zwischen den Mitgliedern der beiden Familien Wilf und Shenkman, die im ersten Augenblick nicht viel miteinander verbindet. Die einzelnen Figuren sind sehr gut ausgearbeitet – jede Person hat mit eigenen Sorgen, Ängsten und noch einigem mehr zu kämpfen, alles läuft schließlich in der Winternacht 2010 zusammen. Nach und nach wird sichtbar, wie manche und manches miteinander verbunden ist und ergibt ein überraschendes Gesamtbild.
Sehr bewegend sind die Abschnitte, in denen es um den Jungen Waldo geht – der sympathische Junge, der es nicht leicht im Leben hat, wächst einem schnell ans Herz.
Zunächst eher ein Drama mit Geheimnissen wird es im letzten Drittel des Romans überraschend ruhig und sehr berührend – es herrscht eine besondere Atmosphäre, und diese macht es schwer, das Buch aus der Hand zu legen. Mal etwas träumerisch, aber immer noch fokussiert auf die Lebenswege der einzelnen Charaktere. Alles fügt sich interessant und stimmig zusammen, was sehr gelungen ist.
„Es ist möglich, im falschen Haus aufzuwachsen, auf der falschen Straße, in der falschen Stadt, im falschen Teil des Landes. Es ist möglich auf die falsche Schule zu gehen. Den falschen Dad zu haben. Zu den falschen Dingen gedrängt zu werden. Aber es ist auch möglich, all diese psychischen Demütigungen zu überstehen, wenn du ein oder zwei Menschen hast, die dich so wahrnehmen, wie du bist.“ – Seite 294, eBook
Mein Fazit: Ein berührender Roman, der mit stark gezeichneten Charakteren und einem besonderen Schreibstil überzeugt. Atmosphärisch dicht, packend und gleichzeitig ruhig erzählt die Autorin die Geschichte zweier Familien über Jahrzehnte hinweg und verwebt die einzelnen Fäden nach und nach zu einem Gesamtbild. Anfangs etwas dramatisch und geheimnisvoll, später bekommt die Story eine besondere Ruhe – dieses ist gut gelungen. Eine sehr lesenswerte und bewegende Geschichte.
Meine Bewertung:
Titel: Leuchtfeuer
Autorin: Dani Shapiro
Übersetzt von: Ulrike Wasel, Klaus Timmermann
Genre: Gegenwartsliteratur / Drama
Seitenanzahl: 288
Verlag: Hanserblau
Erstveröffentlichung: 19. Februar 2024
Vielen Dank an die Hanser Literaturverlage und Netgalley für das Rezensionsexemplar!

Liebe Nicole,
AntwortenLöschenbei diesem Buch war ich nicht so enthusastisch. Bei mir gab es 3 1/2 Sterne, aufgerundet auf 4 bei diversen Plattformen. Mir war es etwas zu viel Schicksal und so richtig fesseln konnte mich die Geschichte auch nicht, auch wenn sie anders ist und nachdenklich macht.
LIebe Grüße
Martina
Liebe Martina,
Löschenschade, dass dir das Buch nicht ganz so gut gefallen hat. Aber Geschmäcker sind verschieden und unterschiedliche Sichtweisen sind ja gerade immer interessant.
Mich hat die Geschichte tatsächlich gefesselt, auch diese besondere Ruhe fand ich gelungen.
Liebe Grüße
Nicole