Donnerstag, 18. Januar 2018

Rezension zu "Ein Gentleman in Moskau" von Amor Towles

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Der Gentleman und sein Leben im Hotel

Moskau, im Jahr 1922: Der junge Adlige Graf Alexander Iljitsch Rostov wird aus politischen Gründen zu lebenslangem Hausarrest im Hotel Metropol verurteilt, wo er auch die letzten Jahre gelebt hat. Für den lebensfreudigen Graf eine enorme Umstellung – muss er doch von nun an auf viele Privilegien verzichten. Schließlich findet er sich erstaunlich schnell mit der Situation zurecht und gestaltet seinen Tagesablauf neu.  Auch in seinem kleinen Dachzimmer versucht er, sich behaglich einzurichten. Doch während Russland durch stürmische Zeiten geht, bleibt ihm nur der Blick aus dem Fenster – viele Gäste kommen und gehen. Eines Tages jedoch bittet eine langjährige Freundin ihn um Hilfe: Sie vertraut Graf Rostov ihre kleine Tochter an. Dieser schließt das kleine Mädchen sofort ins Herz und ahnt noch nicht, wie sehr diese sein Leben verändern wird…


„Von Natur aus sind Menschen so launisch, so komplex, so herrlich widersprüchlich, dass sie nicht nur unsere ganze Aufmerksamkeit verdienen, sondern auch unsere wiederholte Betrachtung – und unsere feste Entschlossenheit, ein Werturteil zurückzuhalten, bis wir den Menschen in den verschiedensten Umständen und zu allen Tageszeiten erlebt haben.“ – Seite 129, eBook


Dieses Buch besticht schon von der ersten Seite an mit einem einzigartigen und angenehmen Erzählstil. Schon ganz zu Anfang wird Graf Rostov zu lebenslangem Hausarrest verurteilt – der Roman beginnt mit dem Protokoll der Gerichtsverhandlung. Nach und nach lernt man dann die Hauptfigur besser kennen: Der sympathische Gentleman versucht aus allem das Beste zu machen und bietet immer wieder seine Hilfe an. Neben den aktuellen Geschehnissen erfährt man im Laufe der Geschichte auch immer mehr Einzelheiten aus Graf Rostovs Vergangenheit – und da gibt es einige traurige Momente. Sehr interessant zu verfolgen sind auch die Menschen, die der Graf im Laufe der vielen Jahre begegnet und welche davon sein Leben ziemlich auf den Kopf stellen. Zwischendurch gibt es auch immer wieder einen Einblick in die russische Geschichte der 20er und 30er Jahre.

Sehr gelungen sind dem Autor auch die bildhaften Beschreibungen des Hotels mit seinen vielen Orten, Zimmern und Aufgängen. Diese detailreichen Schilderungen haben mir besonders gut gefallen. Genau so wie der spezielle Schreibstil – er ist locker und ausführlich, mal ernst und mal etwas humorvoll. Eine schöne Art und daher kein Buch für zwischendurch. Man sollte sich etwas Zeit nehmen zum Lesen, was sich aber wirklich lohnt.
Auch das Cover ist stimmig mit dem Inhalt – auch das schwarz-weiße mit dem farbigen Titel ist sehr schön und ein Blickfang.


„Dann beugte sie sich nach rechts, um an ihm vorbeisehen zu können. Der Graf war verdutzt und drehte sich um – gerade rechtzeitig, um zu sehen, wie der lange Wächter der Minuten sich mit dem krummbeinigen Stundenzähler vereinte. Als die beiden sich umarmten, lösten sich die Federn, die Rädchen sirrten, und die Hämmer der Uhr mit dem Zweimalschlag schlugen Mitternacht.“ – Seite 272, eBook


Mein Fazit: Ein besonderes Buch, das mir mit seinem wundervollem Schreibstil und dem interessanten Handlungsverlauf unheimlich gut gefallen hat. Die Hauptfigur ist ein sympathischer Gentleman, den man nach und nach besser kennen lernt. Die Geschichte umfasst viele Jahre und blickt auch mal zurück in sie Vergangenheit. Auch die Nebencharaktere sind stark – zusammen mit tollen Schauplätzen und dem besonderem und schönen Schreibstil ein sehr gelungenes und lesenswertes Buch!


Meine Bewertung: 




Titel: Ein Gentleman in Moskau
Autor: Amor Towles
Genre: Roman / Gegenwartsliteratur
Seitenanzahl: 560
Verlag: Ullstein / List
Erstveröffentlichung: 08. September 2017

Sonntag, 14. Januar 2018

Rezension zu "Der 13. Stuhl" von Dave Shelton

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13 Stühle - 13 Geschichten…

Als Jack das alte verlassene Haus betritt, ahnt er noch nicht, was ihn in den nächsten Stunden erwarten wird. Als er den Raum betritt, erwarten ihn zwölf völlig unterschiedliche Menschen. Sie sitzen rund um einen Tisch und jeder hat eine brennende Kerze vor sich. Der 13. Stuhl ist für Jack. Nachdem sie einander vorgestellt wurden, erzählt jeder von ihnen eine Geschichte - einer nach dem anderen.  Diese Geschichten sind  düster und unheimlich – sie handeln von Mord, Rache und Übernatürlichem. Zum Schluss ist nur noch Jack übrig – allein, im Dunklen und nur noch mit einer brennenden Kerze vor sich. Plötzlich ahnt er, welche Geschichte er schließlich erzählen muss…



„Er steht schon minutenlang hier, die Hand auf dem Türknauf, und ringt mit sich, ob er hineingehen soll oder nicht. Die Vernunft sagt ihm, auf keinen Fall, denn er kann nicht wissen, was ihn drinnen erwartet. Doch die Neugier besteht auf dem Gegenteil, aus genau dem gleichen Grund. Und Jack ist ein neugieriger Junge.“ – Seite 4, eBook


Auf dieses Buch bin ich durch das unheimlich wirkende und sehr gute gewählte Cover aufmerksam geworden – das düster gehaltene Bild spiegelt genau das wieder, was dem Leser in diesem Buch erwartet: Eine sehr gelungene und schön unheimliche Story. Hauptfigur hier ist der Junge Jack, der neugierig eine Tür in einem alten Haus öffnet. Was ihn erwartet, sind dreizehn Menschen in einem Raum - dreizehn Kerzen, die nacheinander ausgehen, nachdem jeder eine Geschichte erzählt hat. Diese Kurzgeschichten sind jede für sich klasse: Sie sind unheimlich – immer düster, mal modern, mal leicht märchenhaft - aber immer mit einer gruseligen Note. Natürlich fragt man sich beim Lesen warum dieses geschieht und wie vielleicht alles zusammenhängt. Und die Auflösung ist mehr als überraschend.
Die Handlung wechselt regelmäßig zwischen den aktuellen Geschehnissen in dem Raum und den Kurzgeschichten der einzelnen Personen. Die einzelnen Abschnitte, sowie die gruseligen Storys haben jeweils eine angenehme Länge.


„Er denkt an Gerüchte über dieses Haus und fragt sich, wie viel von dem, was er gehört hat, wohl stimmen kann.“ – Seite 47, eBook


Mein Fazit: Ein gruselig-schönes Buch mit dreizehn unheimlichen Geschichten – jede davon ist lesenswert. Sowohl in den verschiedenen Kurzgeschichten, als auch bei den den aktuellen Geschehnissen im alten Haus – immer ist eine düstere Atmosphäre spürbar. Dazu lässt sich dieses Buch auch noch angenehm leicht lesen. Die Auflösung hält eine Überraschung bereit – hätte aber nach meinem Geschmack noch ein klein wenig mehr Tiefe haben können.
Dennoch hat mir Der 13. Stuhl sehr gut gefallen und vergebe hierfür 4,5 Sterne! 


Meine Bewertung: 




Titel: Der 13. Stuhl
Autor: Dave Shelton
Genre: Jugendbuch / Mystery / Unheimliches / Kurzgeschichten
Seitenanzahl: 304
Verlag: Carlsen / Königskinder


Noch ein Update (Februar 2021): Dieses Buch ist mittlerweile nur noch gebraucht erhältlich.

Samstag, 13. Januar 2018

Rezension zu "Jackaby - Die verschwundenen Knochen" von William Ritter

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Band 2 der Jackaby-Reihe

New Fiddleham im Jahr 1892: Auf R.F. Jackaby, dem Detektiv für unerklärliche Phänomene, wartet ein neuer, mysteriöser Fall. Tatkräftig unterstützt wird er dabei von seiner Assistentin Abigail Rook, der  es in ihrem neuen Job nie langweilig wird. Schon bald haben die beiden einiges zu tun: Seltsame Gestaltwandler in Form von süßen Kätzchen und  ein rätselhafter Mord warten auf das Ermittlerduo. Doch das ist nicht alles – Junior Detective Charlie Cane, der zurzeit im benachbarten Gad’s Valley weilt, bittet Abigail um Hilfe. Sofort machen Jackaby und Abigail sich in die ländliche Region, in der ein noch nicht identifiziertes Monster sein Unwesen treibt. Auch ein kürzlich entdecktes Fossil wirft Fragen auf…


„Manche Mädchen stehen hinter einer Ladentheke oder verkaufen auf der Straße Blumen. Ich assistiere einem kauzigen Privatdetektiv bei der Untersuchung ungeklärter Phänomene – wie beispielsweise der Erforschung von Fischen, die eigentlich Katzen sein sollten, aber vergessen zu haben scheinen, wie das geht. Mein Name ist Abigail Rook und das ist meine Arbeit.“ – Seite 12, eBook


Nachdem mir der erste Band um den skurrilen Detektiv Jackaby schon gut gefallen hatte, war ich gespannt auf das neue Abenteuer von ihm und seiner scharfsinnigen Assistentin Abigail. In Band zwei  geht es sofort spannend los: Neben außergewöhnlichen Gestaltwandlern und einem Mord geschehen auch noch mysteriöse Ereignisse im benachbarten Örtchen Gad’s Valley – die beiden haben einiges zu tun. Sofort wird hier Jackabys spezielle Art wieder deutlich, die so manches Mal auch zum schmunzeln ist. Doch ich bin fast der Meinung, das Abigail Rook der heimliche Star der Reihe ist – sie scheint immer den Durchblick zu haben und lässt sich von dem manchmal ruppigen Verhalten ihres Arbeitgebers nicht einschüchtern. Gerade die vielen Gegensätze machen Jackaby und Abigail zu einem interessanten Ermittlerduo.
Die Geschichte ist wieder in der Ich-Perspektive aus Abigails Sicht geschrieben – die Schauplätze und die mysteriösen, manchmal auch magischen Geschehnisse werden sehr gut beschrieben. Das Einzige, was ich etwas schade fand: Einige Dialoge sind manchmal etwas fade, die Gespräche kommen nicht richtig in Gang – leider wirkt sich das an manchen Stellen auf die Spannung aus.
Dennoch ist die Handlung interessant und die vielen Geheimnisse, die sich gerade am Anfang auftun, werden nach und nach gelüftet.  Die Auflösung ist dem Autor daher gut gelungen.


„Er musterte die monströse knöcherne Gestalt mit einem beeindruckenden Nicken, während er noch darüber nachdachte. Ich versuchte meine eigene Fassungslosigkeit beim Anblick dessen, was ich vor mir hatte, abzuschütteln.“ – Seite 147, eBook


Mein Fazit: Eine gelungene Fortsetzung, die ein neues Abenteuer bereithält.  Detektiv Jackaby ist wieder in seinem Element und  geht unerklärlichen Phänomenen auf den Grund, mit tatkräftiger Unterstützung von seiner Assistentin. Die Handlung entwickelt sich gut, sie ist geheimnisvoll und wirft Fragen auf – das Finale ist spannend und macht zudem neugierig auf den dritten Band. Bis auf die oben erwähnten, kleineren Schwächen hat mir Die verschwundenen Knochen sehr gut gefallen. 


Meine Bewertung: 





Titel: Jackaby 2 - Die verschwundenen Knochen
Autor: William Ritter
Genre: All Age / Mystery
Seitenanzahl: 320
Verlag: cbj/cbt
Erstveröffentlichung: Januar 2018

Die Bücher der JACKABY-Reihe:
Band 1 - Jackaby
Band 2 - Die verschwundenen Knochen
Band 3 - Der leichenbleiche Mann
Band 4 - Der gnadenlose König


Vielen Dank an das Bloggerportal und cbj/cbt für das Rezensionsexemplar! :)

Dienstag, 9. Januar 2018

Rezension zu "Der Koffer" von Robin Roe

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Ein Koffer voller Erinnerungen…

Vier Jahre ist es her, als das Unglück mit aller Macht über Julian hereinbrach – er verlor seine Eltern bei einem Autounfall. Seitdem lebt er bei seinem grausamen Onkel Russell. Aus seiner einst glücklichen Kindheit ist nichts geblieben, außer Geheimnisse und ein Koffer voller Erinnerungen. Julian vermisst seine Eltern sehr und zieht sich immer weiter zurück. Doch eines Tages trifft er auf Adam, mit dem ihn viel verbindet. Adam hat eine fröhliche und unbeschwerte Art an sich und war eine Zeitlang für Julian wie ein Bruder. Doch Julian schafft es einfach nicht, mit Adam über die Sachen zu sprechen, die er am liebsten für immer vergessen würde. Doch als Adam endlich hinter Julians Geheimnis kommt, ist es schon fast zu spät…



„Ich lasse den Rucksack auf den Boden fallen und hebe den schweren Deckel des Koffers an. Beim Anblick all der Dinge, die mir im Leben wichtig sind, zieht sich mein Herz zusammen: die Fotoalben und die Elian-Mariner-Bücher und das grüne Notizheft mit der Spiralbindung, das meiner Mutter gehört hat.“ – Seite 15/16


Der Koffer ist ein sehr berüherendes Buch. Es geht um den vierzehnjährigen Julian, der seine Eltern bei einem Autounfall verloren hat. Dieses schreckliche Ereignis hat er nie wirklich überwunden – nun  lebt er bei seinem Onkel und distanziert sich mehr und mehr von seinem Umfeld. Doch dann taucht Adam auf – der Ältere war immer wie ein Bruder für ihn. Schafft er es, wieder etwas Glück in Julians Leben zu bringen? Was niemand weiß: Julian muss nicht nur den Tod seiner Eltern verarbeiten, sondern auch noch etwas ganz anderes – er hütet ein erschütterndes Geheimnis…
Das Buch ist abwechselnd aus zwei Perspektiven geschrieben: Julian, eher sensibel und ängstlich,  und Adam, der beliebt und schlagfertig ist. In die Leben beider Charaktere bekommt man durch die Ich-Perspektive einen detailreichen Einblick – auch wie sie denken, handeln und fühlen – neben kleinen schönen Momenten wird es oft sehr berührend, traurig und auch dramatisch.
Neben den aktuellen Geschehnissen werden auch immer wieder Erinnerungen von Julian an glückliche Momente aus seiner Kindheit und die gemeinsame Zeit mit seinen Eltern beschrieben:


Und wenn mein Vater mich dann ins Bett bringt, fragt er: „Wie viele Sterne?“ Wenn es ein schöner Tag war, sage ich „neun“ oder „zehn“. Aber wenn es ein sehr schöner Tag war, vielleicht sogar der schönste Tag meines Lebens, darf ich übertreiben und irgendwas Verrücktes sagen wie „zehntausend Sterne“. – Seite 14


Das Cover ist eher dunkel gehalten – neben dem abgebildeten Sternenhimmel passt auch das schwarz-weiß gehaltenen Bild der beiden Jungen sehr gut. Eine passende und sehr schöne Gestaltung.






Mein Fazit:
Der Koffer ist ein Buch, das berührt. Es ist sehr gut geschrieben – die Geschichte überzeugt mit zwei starken Hauptcharakteren, die dem Leser sofort ans Herz wachsen. Einige Abschnitte sind sehr erschütternd, traurig und dramatisch – dazwischen gibt es aber immer wieder kleine Lichtblicke. Wieder ein Buch aus dem Königskinder-Verlag, das mich sehr begeistert und tief berührt hat. Sehr lesenswert!


Meine Bewertung: 





Titel: Der Koffer
Autorin: Robin Roe
Genre: Jugendbuch / All Age / Drama
Seitenanzahl: 416
Verlag: Carlsen / Königskinder
Erstveröffentlichung: 14. März 2017



Update Februar 2021: Bis auf wenige Exemplare ist dieses Buch fast nur noch gebraucht erhältlich.