Mittwoch, 21. April 2021

Rezension zu "Der Alchimist" von Paulo Coelho

 

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Ein Hirte auf der Suche nach seinem persönlichen Lebensweg


Santiago, ein andalusischer Hirte, hat einen wiederkehrenden Traum: Am Fuß der Pyramiden liege ein Schatz für ihn bereit. Soll er das Vertraute für möglichen Reichtum aufgeben? Santiago ist mutig genug, seinem Traum zu folgen. Er begibt sich auf eine Reise, die ihn über die Souks in Tanger bis nach Ägypten führt, er findet in der Stille der Wüste auch zu sich selbst und erkennt, dass das Leben Schätze bereithält, die nicht mit Gold aufzuwiegen sind.

(Quelle: Klappentext - Diogenes Verlag)





Paulo Coelhos Der Alchimist ist mir in den letzten Jahren immer wieder begegnet – nun habe ich den Klassiker endlich gelesen und bin beeindruckt von diesem Buch. Im Original bereits 1988 erschienen, veröffentlichte der Diogenes Verlag im Jahr 1996 die bekannte deutsche Übersetzung.

Im Mittelpunkt steht der junge Hirte Santiago, der seit Jahren mit seiner Schafherde durch Andalusien zieht und eigentlich ganz zufrieden mit seinem Leben ist. Doch seit einiger Zeit hat er wiederholt den gleichen Traum: Hier führt ihn sein Weg nach Ägypten zu den Pyramiden. Dort am Fuß der eindrucksvollen Bauten liege ein Schatz für ihn bereit. Nach langer Überlegung lässt er sein bisheriges Leben hinter sich und begibt sich auf die Reise nach Afrika. Auf seinem Weg zu den Pyramiden erlebt er einiges und lernt interessante Menschen kennen, die ihm Wichtiges mit auf den Weg geben. Zu ihnen gehören u.a. ein geheimnisvoller alter Mann der behauptet, ein König zu sein und ein Kristallhändler, bei dem der Hirte einige Zeit verbringt. Und natürlich der berühmte Alchimist, der hier noch eine zentrale Rolle spielen wird.

„Erst die Möglichkeit, einen Traum zu verwirklichen, macht unser Leben lebenswert“, überlegte er, während er nochmals zum Himmel aufschaute und seine Schritte beschleunigte. – Seite 16, eBook


Auf 176 Seiten erzählt der Autor mit einer angenehmen Erzählweise die Geschichte von dem jungen Hirten (der hier meistens als „ der Jüngling“ bezeichnet wird) und der Suche nach dessen Lebensweg. Gleichzeitig ist dieses Abenteuer, das ihn durch die gefährliche Wüste führt, auch eine Reise zu sich selbst. Von den interessanten Menschen, die ihm während seiner Reise begegnen, erhält er wichtige Botschaften, Zeichen und Hinweise.

„Vergiss nie, dass alles ein Ganzes ist. Vergiss die Sprache der Zeichen nicht. Und vor allem vergiss nicht, deinen persönlichen Lebensweg zu Ende zu gehen.“ – Seite 26, eBook


„Je näher man an seinen Traum herankommt, um so mehr wird der persönliche Lebensweg zum eigentlichen Lebensziel“ – Seite 47, eBook


Der Stil ist manchmal leicht verträumt, mal nachdenklich und auch mal etwas mystisch, aber meist sehr interessant. In der Mitte gibt es mal einen leichten Durchhänger, was das stimmige Ende aber wieder gutmacht.

Mein Fazit: Ein beeindruckendes Buch, das sich zu lesen lohnt. Leicht geschrieben, enthält es viele wertvolle Botschaften. Die Reise des jungen Mannes auf der Suche nach sich selbst ist facettenreich und interessant zu verfolgen: Mal mystisch, mal nachdenklich und auch mal abenteuerlich. Ich vergebe 4,5 Sterne.

Meine Bewertung:




Titel: Der Alchimist
Autor: Paul Coelho
Genre: Roman / Klassiker
Seitenanzahl: 176
Verlag: Diogenes
Deutsche Erstveröffentlichungen: 1993, 1996 erstmals bei Diogenes
Aktuelle Taschenbuchausgaben: März 2008 / Mai 2014 (TB Deluxe)

Montag, 19. April 2021

Rezension zu "Kalmann" von Joachim B. Schmidt

 

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Ein mysteriöses Verschwinden und außergewöhnliche Ermittlungen


Er ist der selbsternannte Sheriff von Raufarhöfn. Er hat alles im Griff. Kein Grund zur Sorge. Tag für Tag wandert er über die weite Ebene um das beinahe ausgestorbene Dorf, jagt Polarfüchse und legt Haiköder im Meer aus, um den Fang zu Gammelhai zu verarbeiten. Doch in Kalmanns Kopf laufen die Räder manchmal rückwärts. Als er eines Winters eine Blutlache im Schnee entdeckt, überrollen ihn die Ereignisse. Mit seiner naiven Weisheit und dem Mut des reinen Herzens wendet er alles zum Guten. Kein Grund zur Sorge.
(Quelle: Klappentext - Diogenes-Verlag)





Der Autor Joachim B. Schmidt hat mit dem 34-jährigen Kalmann Odinsson eine ganz besondere Hauptfigur erschaffen: Kalmann lebte schon immer in dem abgelegenen isländischen Dorf Raufarhöfn. Mit seinem Sheriffstern und passendem Cowboyhut wandert er durch das schneebedeckte Dorf und den weiten Ebenen, jagt Polarfüchse und geht auf Haifischfang. Doch als er auf einem seiner Streifzüge eine Blutlache im frischgefallenen Schnee entdeckt, ist Kalmann zunächst überfordert – er kann die Lage nicht einschätzen. Doch schon kurz darauf geht man dem Fall nach, denn der örtliche Hotelbesitzer Robert McKenzie wird seit kurzem vermisst. Und wer ist für die Suche besser geeignet als Kalmann – kennt er die Gegend doch wie seine Westentasche…
Somit beginnt eine Ermittlung, die so ganz anders verläuft als gewöhnlich.

„Das Blut glänzte rot und dunkel im weißen Schnee. Die Schneeflocken legten sich unaufhörlich darauf und schmolzen in der Blutlache. (…)
Natürlich schaute ich mir die ganze Sauerei etwas genauer an. Ich bemerkte Spuren, aber die waren durch den Neuschnee nur noch undeutlich zu erkennen.“
(Kalmann) – Seite 20, eBook


Kalmann erinnert etwas an Forrest Gump. Er lebt in seiner eigenen Welt, mit eigenen Gedanken und einer speziellen alltäglichen Routine. Neues und ungewohntes überfordert ihn leicht, doch er versucht dieses dann passend einzuordnen. Da das Buch in der Ich-Perspektive aus Kalmanns Sicht geschrieben ist, bekommt man schnell einen guten Einblick in sein Leben und seine Gedankengänge.

„Jemand sagte mir mal, dass jeder eine Bestimmung im Leben habe. Niemand sei zufällig hier. Alles habe einen Grund, eine Bedeutung, einen Sinn. Und in diesem Moment wurde mir bewusst, dass alles seine Richtigkeit hatte.“ (Kalmann) – Seite 201, eBook


Anfangs muss man sich erstmal einlesen – es dauert etwas, bis man sich an Kalmanns Gedankengänge und Handlungen gewöhnt hat, aber dann liest es sich plötzlich ganz leicht - seine Geschichte und die Vorgänge in dem isländischen Dorf sind interessant und spannend zu verfolgen. Die Darstellung der etwas anderen Hauptfigur ist dem Autor sehr gut gelungen. Ab und an gibt es kleine Längen und manchmal wird die Geschichte etwas skurril, doch im letzten Drittel nimmt die Geschichte an Fahrt auf und überrascht mit einem Ende, das verblüfft.


Mein Fazit: Ein Krimi der etwas anderen Art mit einer besonderen Hauptfigur. Nach etwas Einlesezeit entwickelt sich die Geschichte interessant, spannend und hält besonders am Ende einige (etwas schräge) Überraschungen bereit. Sehr gefallen haben mir die Schauplätze in Island, die hier sehr gut beschrieben werden. Trotz kleiner Schwächen ein lesenswertes Buch!

Meine Bewertung:





Titel: Kalmann
Autor: Joachim B. Schmidt
Genre: Roman / Krimi
Seitenanzahl: 352
Verlag: Diogenes
Erstveröffentlichung: 01. September 2020


Samstag, 17. April 2021

Rezension zu "Der große Sommer" von Ewald Arenz


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Ein Sommer, der alles verändert


Die Zeichen auf einen entspannten Sommer stehen schlecht für Frieder: Nachprüfungen in Mathe und Latein. Damit fällt der Familienurlaub für ihn aus. Ausgerechnet beim gestrengen Großvater muss er lernen. Doch zum Glück gibt es Alma, Johann - und Beate, das Mädchen im flaschengrünen Badeanzug. In diesen Wochen erlebt Frieder alles: Freundschaft und Angst, Respekt und Vertrauen, Liebe und Tod. Ein großer Sommer, der sein ganzes Leben prägen wird.
(Quelle: Klappentext - Dumont-Verlag)





„Es war dieser eine Sommer, wie es ihn wahrscheinlich nur einmal im Leben gibt. Den hoffentlich jeder hatte; dieser eine Sommer, in dem sich alles ändert.“ – Seite 13, eBook


Der große Sommer ist mein erster Roman, den ich von Ewald Arenz gelesen habe. Ich war sofort begeistert von dem leichten, schönen und detaillierten Schreibstil.
Mittelpunkt der Geschichte ist der Sommer im Jahr 1981, in dem der 16-jährige Friedrich „Frieder“ Büchner einiges erlebt, das zum Teil sein ganzes Leben prägen wird. Von kurzen Augenblicken in der Gegenwart, wo der inzwischen erwachsene Frieder auf dem Friedhof nach einem bestimmten Grab sucht und sich dabei an jenen vergangenen Sommer erinnert, spielt der Hauptteil des Romans in der Vergangenheit:
Da Frieder in den Fächern Mathe und Latein durchgefallen ist, fährt er nicht wie üblich mit seiner Familie in den Urlaub, sondern verbringt die Ferien bei seinen Großeltern, um dort für die Nachprüfungen zu lernen. Kurz vor den Ferien hat er an einem Regentag im Freibad das Mädchen Beate kennen gelernt, die ihm nun nicht mehr aus dem Kopf geht. Neben dem Lernen verbringt er seine freie Zeit mit seinem besten Freund Johann, seiner jüngeren Schwester Alma und Beate – und erlebt mit ihnen einiges: Von großen Glücksmomenten und tiefem Vertrauen, über Angst und Verlust, bis hin zu nachdenklichen und ereignisreichen Momenten, die vieles verändern werden…
Zugleich erfährt Frieder auch mehr über das Leben seiner Großmutter und seinen immer so streng wirkenden Großvater.

Es ist eine Geschichte ohne viel drum herum – gerade das macht sie irgendwie besonders. Beeindruckend ist der bildgewaltige Schreibstil: der Autor schafft es, die jeweiligen Stimmungen perfekt einzufangen und Momentaufnahmen detailreich zu beschreiben. Über allem liegt eine oft träumerische Atmosphäre des damaligen Sommers – dieses ist sehr gut vorstellbar. Das Buch lässt sich flüssig lesen – mal mit unbeschwerten, mal nachdenklichen und traurigen Augenblicken, aber immer mit einer angenehm leichten Note.

„Wir schlossen die Fahrräder auf. Vom Friedhof klangen die Glocken herüber. Die Sonne stand über den Linden, die den Weg zu den Flusswiesen säumten. Für einen Augenblick war es, als wäre alles aus Licht gemacht. Die Kronen der Bäume eine Wolke von grün flirrendem Licht. Der Fahrradweg aus betonhellem, gleißendem Licht.“ – Seite 35, eBook


Mein Fazit: Ein besonderer Roman, der vor allem durch seinen schönen, leichten und detailreichen Schreibstil überzeugt. Es ist eine Geschichte über einen Sommer, in dem sich einiges verändert – eingefangen mit tollen Momentaufnahmen: Mal bewegend und traurig, dann wieder unbeschwert und leicht verträumt. Eine sehr gute Mischung. Wirklich lesenswert!


Meine Bewertung:




Titel: Der große Sommer
Autor: Ewald Arenz
Genre: Gegenwartsliteratur
Seitenanzahl: 320
Verlag: DuMont
Erstveröffentlichung: 26 März 2021



Vielen Dank an den DuMont-Verlag und Netgalley für das Rezensionsexemplar!