Freitag, 22. Februar 2019

Rezension zu "Das Volk der Bäume" von Hanya Yanagihara

Zum Buch

Eine Entdeckung und ihre dramatischen Folgen…

Der junge Arzt Norton Perina kehrt mit einer unfassbaren Entdeckung von der Insel Ivu’ivu zurück: Hat er wirklich ein Mittel gegen die Sterblichkeit gefunden? Eine uralte Schildkrötenart soll die Formel des ewigen Lebens bergen. So kometenhaft er damit zur Spitze der Wissenschaft aufsteigt, so rasant vollzieht sich die Kolonisierung und Zerstörung der Insel. Mit gnadenloser Verführungskraft zieht Hanya Yanagihara uns hinein in den Forscherrausch im Urwald und lässt uns auch dann nicht entkommen, als Perina dort eine weitere Entdeckung macht: seine fatale Liebe zu Kindern. Wie betrachten wir eine Lebensleistung, wenn sich das Genie als Monster entpuppt? Ein brillant geschriebener, gefährlicher Dschungel von einem Roman. (Quelle: Klappentext vom Verlag)


Im März 2017 habe ich Hanya Yanagiharas Roman Ein wenig Leben gelesen – ein sehr berührendes Buch, das zu meinen Jahreshighlights gehörte und auch bis heute nicht vergessen ist. Dementsprechend gespannt war ich nun auf das neue Buch der Autorin, das Ende Januar 2019 erschienen ist. Das Volk der Bäume ist inhaltlich natürlich völlig anders und beginnt überraschend mit einer kompletten Kurzfassung des Buches – Nach dieser Einleitung schildert die Hauptfigur Dr. Norton Perina seine Geschichte selbst. Er erzählt ausführlich, wie seine Kindheit verlaufen ist, seine Studienzeit und wie es dazu kam, dass er an der Forschungsreise zu der entlegenen Inselgruppe teilnehmen konnte. Auch die Zeit und seine Entdeckungen dort, sowie die späteren Jahre, die er mit den adoptierten Kindern verbracht hat, werden ausführlich geschildert.
Der Schreibstil der Autorin ist erneut detailreich, direkt und bildgewaltig. Als Leser taucht man tief in das Buch hinein. Beeindruckend fand ich die Schilderungen der Insel – man bekommt einen genauen Einblick in den tiefen, oft undurchdringlichen Dschungel und von den darin lebenden Tieren.


„Es zerrte an meinen Nerven, wie rasch der Dschungel uns verschluckt hatte, wie unbedeutend wir in ihm wirkten; als wir seit etwas einer Viertelstunde unterwegs waren, drehte ich mich um, weil ich wissen wollte, wie weit wir gekommen waren, nur um zu sehen, dass bereits ganze Baumarmeen unseren Weg verdeckten.“ – Seite 90, eBook
„Anders als im Dorf war ich mir jetzt der jenseitigen Wälder bewusst und dessen, was hinter den Reihen und Reihen von Bäumen leben mochte, die zu betreten uns noch nicht mal eingefallen war.“ – Seite 221, eBook


Dramatisch und detailreich zu verfolgen ist, wie schnell und stetig die einst unberührte Inselgruppe nach der Entdeckung der Schildkröte von Forschungsteams überrannt und zerstört wird. Doch das ist längst nicht alles, was das Buch beinhaltet – manche Abschnitte sind erschreckend und auch abstoßend. Natürlich ist durch den Klappentext bekannt, um was es geht, trotzdem habe ich mich an manchen Stellen sehr schwer getan. Obwohl das Buch einen eher ruhigen Erzählstil hat, schlägt es an manchen Stellen daher umso mehr mit voller Wucht zu.
Das Volk der Bäume gehört für mich zu den wenigen Büchern, wo eine Bewertung sehr schwer fällt – zwischenzeitlich habe ich zwischen zwei und fünf Sternen geschwankt. Insgesamt ein schwieriges Buch mit schwierigem Thema und einer Hauptfigur, deren erschreckende Art nach und nach sichtbar wird.


Mein Fazit: Ein schwieriges Buch, das mich mit geteilter Meinung zurücklässt. Sehr beeindruckt hat mich erneut der brillante Schreibstil, der den Leser sofort packt und ihn in die Geschichte hinein katapultiert. Mit einigen Abschnitten der Handlung an sich habe ich mich jedoch schwer getan – die Schilderungen sind nicht ohne. Das Buch ist keine leichte Kost, es verlangt dem Leser einiges ab. Ich vergebe hier drei Sterne – die Geschichte hallt lange nach und der Schreibstil ist sehr gelungen, mir persönlich hat das Buch leider nur teilweise zugesagt.
Für mich bliebt nach wie vor Ein wenig Leben das bessere Buch, welches mich sehr begeistert hat. Hanya Yanagihara hat großes Talent und auch, wenn mir Das Volk der Bäume nicht komplett zugesagt hat, bin ich gespannt auf weitere Bücher von ihr. 


Meine Bewertung: 





Titel: Das Volk der Bäume
Autorin: Hanya Yanagihara
Genre: Gegenwartsliteratur
Seitenanzahl: 480
Verlag: Hanser

Die Bücher von Hanya Yanagihara:
Ein wenig Leben
Das Volk der Bäume

Noch eine Anmerkung: Das Volk der Bäume ist das eigentliche Debüt der Autorin. Es erschien bereits im Jahr 2013 im amerikanischen Original und nun, 2019 erstmals auf Deutsch.



Vielen Dank an die Hanser Literaturverlage für das Rezensionsexemplar! :)

Eine weitere Rezension zum Hörbuch:
Monerls bunte Welt

5 Kommentare:

  1. Liebe Nicole,
    das sind klare Worte und nun bin ich sehr gespannt, ob dieses Buch - ich habe es mir in der Bücherei ausgeliehen - es über das Anlesen hinaus schafft... Bei vielen Büchern haben wir ja einen ähnlichen Geschmack.
    Viele Grüße, Heike

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    1. Liebe Heike,
      ich bin wirklich sehr gespannt, wie deine Meinung ausfällt, falls du es lesen solltest.
      Mein Favorit ist nach wie vor "Ein weng Leben", das ich irgendwann mal re-readen möchte.
      Liebe Grüße
      Nicole

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  2. Hallo Nicole,
    ich habe das Hörbuch gehört. Und diese Fassung ist vielstimmig, sehr gelungen und absolut hörenswert.

    Der Roman ist so wissenschaftlich verfasst, dass ich nochmals nachschauen musste, ob es eine Biografie oder ein erfundener Roman ist. Schließlich kam raus, dass es die fiktionalisierte Geschichte des Nobelpreisträgers Daniel Carleton Gajdusek ist. Umso gespannter war ich nun auf das Buch.

    Es ist grandios, wie die Autorin mit der Faszination und der Moral des*der Leser*in spielt. Ich war fasziniert und abgestoßen zugleich. Ich finde, man sollte aber eine Triggerwarnung bzgl. Kindesmissbrauch herausgeben. Der Schluss ist nämlich nicht ganz ohne!

    Ich gebe dir recht, "Ein wenig Leben" war viel besser! Hierzu habe ich nur noch keine Rezi geschrieben. Kommt noch.
    Bin auch sehr gespannt auf das nächste Buch der Autorin.

    Habe deine Rezi bei mir verlinkt.

    GlG, monerl

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    1. Liebe Monerl,

      vielen Dank für deinen Kommentar und deine Verlinkung! Gerade habe ich deine Rezension zum Hörbuch gelesen und du bringt alles sehr gut auf den Punkt.
      Eine Triggerwarung wäre eine gute Idee, der Schluss hat mich ebenfalls sprachlos zurückgelassen.
      Mir gefällt an der Autorin aber, dass sie so sprachgewaltig und intensiv schreibt - da bleibt "Ein wenig Leben" nach wie vor mein Favorit.
      Ich bin schon sehr gespannt auf deine Rezension zu dem Buch. :)

      Ganz liebe Grüße
      Nicole

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    2. Vielen lieben Dank für die Gegenverlinkung! Wenn ich das andere Buch rezensiert habe, gebe ich dir gerne Bescheid! :-)
      GlG, monerl

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