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Die Zeit zwischen den Weltkriegen
Leicht haben es die Protagonisten in Ulrich Alexander Boschwitz’ Debütroman nicht. Sie sind die wahren Verlierer der Wirtschaftskrise: Kriegsheimkehrer, Bettler, Prostituierte, Verrückte. Doch abends zieht es sie alle in den Fröhlichen Waidmann. Die einen zum Trinken, die anderen zu Musik und Tanz. Sie treibt die Sehnsucht nach ein paar sorglosen Stunden, bevor sich der graue Alltag am nächsten Morgen wieder erhebt. Doch dann tanzt die Frau des blinden Sonnenbergs mit einem Mal mit Grissmann, der sich im Waidmann eine Frau angeln will und den Jähzorn des gehörnten Ehemanns unterschätzt. Und so nimmt das Verhängnis im Fröhlichen Waidmann seinen Lauf, bis sich neue Liebschaften gefunden haben, genügend Bier und Pfefferminzschnaps ausgeschenkt wurde und der nächste Morgen graut. Wie durch ein Brennglas seziert der zu diesem Zeitpunkt gerade mal zweiundzwanzigjährige Autor das Berliner Lumpenproletariat der Zwischenkriegsjahre. (Quelle: Auszug aus dem Klappentext)
Leicht haben es die Protagonisten in Ulrich Alexander Boschwitz’ Debütroman nicht. Sie sind die wahren Verlierer der Wirtschaftskrise: Kriegsheimkehrer, Bettler, Prostituierte, Verrückte. Doch abends zieht es sie alle in den Fröhlichen Waidmann. Die einen zum Trinken, die anderen zu Musik und Tanz. Sie treibt die Sehnsucht nach ein paar sorglosen Stunden, bevor sich der graue Alltag am nächsten Morgen wieder erhebt. Doch dann tanzt die Frau des blinden Sonnenbergs mit einem Mal mit Grissmann, der sich im Waidmann eine Frau angeln will und den Jähzorn des gehörnten Ehemanns unterschätzt. Und so nimmt das Verhängnis im Fröhlichen Waidmann seinen Lauf, bis sich neue Liebschaften gefunden haben, genügend Bier und Pfefferminzschnaps ausgeschenkt wurde und der nächste Morgen graut. Wie durch ein Brennglas seziert der zu diesem Zeitpunkt gerade mal zweiundzwanzigjährige Autor das Berliner Lumpenproletariat der Zwischenkriegsjahre. (Quelle: Auszug aus dem Klappentext)
„Hysterisch klingelten die Straßenbahnen. Dumpf grollten die großen Autobusse. Leise meckerten die Klingeln der Fahrräder. Die Autos und Lastwagen stießen eine dunkle, mit hellen Tönen gemischte Musik aus. Vorwärts! Berlin hatte keine Geräuschverbote. Man merkte es.“ – Seite 66, eBook
Nach der großen Wiederentdeckung des Romans Der Reisende,
der in Deutschland im Jahr 2018 erschien (erstmals veröffentlicht in England im
Jahr 1939), wurde nun auch der Debütroman Menschen neben dem Leben von Ulrich
Alexander Boschwitz veröffentlicht. Dieser erschien 1937 erstmals in
schwedischer Sprache. Der Autor, der 1942 mit 27 Jahren viel zu früh verstarb,
hat hier einen atmosphärisch dichten und detailreich geschilderten Roman geschrieben.
Beeindruckend sind die einfachen und authentischen Schilderungen des Alltags im
historischen Berlin Ende der 1920er Jahre. Für viele Menschen waren die
Nachkriegsjahre (die gleichzeitig auch die Jahre zwischen den beiden
Weltkriegen war) schwer - Rationalisierungen der Arbeitsplätze und
somit hohe Arbeitslosigkeit beherrschte die Zeit. Auch zeigt dieses Buch, dass schon
damals die Schere zwischen Arm und Reich sehr groß war.
Wir bekommen hier einen Einblick in das Leben verschiedener
Personen, dessen Geschichten im Fröhlichen Waidmann zusammenlaufen – ein Lokal, in dem verschiedene
Gesellschaftsschichten aufeinandertreffen. Dort nimmt schließlich ein Drama
ihren Lauf…
Die gesamte Geschichte ist nicht rasant, aber unheimlich
interessant zu verfolgen – gerade weil die Charaktere so detailreich gezeichnet
wurden. Ebenfalls lesenswert: Das Nachwort des Herausgebers.
„Werte, die in Gefahr sind, erkennt man. Aber das Selbstverständliche wird erst dann zur Kostbarkeit, wenn es umstritten ist.“ – Seite 229, eBook
Mein Fazit: Eine wertvolle Wiederentdeckung eines Romans,
der einen detailreichen Einblick ins historische Berlin gibt - außergewöhnlich
geschrieben! Gerade die detailreichen Schilderungen aus dem Alltag
verschiedener Personen und auch die klar gezeichneten Charaktere selbst machen die
Geschichte so besonders und interessant. Die gesamte Entwicklung der Geschichte,
die in einem Lokal ihren Höhepunkt findet, ist auf eine gewisse Art spannend zu
verfolgen. Ein beeindruckendes Buch, das gerne noch länger hätte sein dürfen – sehr lesenswert!
Meine Bewertung:
Titel: Menschen neben dem Leben
Autor: Ulrich Alexander Boschwitz
Herausgeber: Peter Graf
Genre: Historisches / Moderner Klassiker / Roman
Seitenanzahl: 303
Verlag: Klett-Cotta
Erstveröffentlichung: 21.09.2019
Vielen Dank an Klett-Cotta und Netgalley für das Rezensionsexemplar!

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