Mittwoch, 25. März 2020

Rezension zu "Herzland" von Téa Obreht

Zum Buch

Im Herzland…

Arizona, um 1890. Ein neuer Morgen eines zu heißen Sommers bricht an für Nora Lark. Ihre Farm ist bedroht von Dürre und mächtigen Viehzüchtern, neuerdings auch, so glaubt ihr kleiner Sohn Toby, von einem monströsen Tier, das draußen umherstreift. Seit Tagen ist Noras Mann verschwunden, nachts sind die beiden älteren Söhne im Streit davongeritten, und irgendwer ist ins Brunnenhaus eingebrochen. Doch Nora stehen noch ganz andere Prüfungen bevor – die über das Schicksal ihrer Familie entscheiden werden.
Das liegt auch an Lurie, Waise eines Einwanderers aus dem Osmanischen Reich, der vom kleinen Ganoven zum verfolgten Outlaw wurde, schließlich einen unerwarteten Gefährten findet und in einem Trupp der U.S. Army untertaucht. In Luries abenteuerlichem Leben verdichten sich das Heldentum und die Niedertracht der Epoche zu einem schrecklichen, prächtigen, epischen Bogen – mit immer überraschenden Wendungen. (Quelle: Klappentext)


„Dieser Tage war der Hang nur noch eine Brandfläche verdorrter Gräser, nichts als Distelspelz und abgestreifte Schlangenhaut; eine Spitzkehre nach der anderen zickzackte hinauf zur roten Kuppe des Felsvorsprungs. Wenn in dieser Gegend ein lebendiges Herz schlug, gehörte es sicher einem vom Schatten zu Schatten huschenden Rennkuckuck.“ – Seite 35


Es ist der klare und eindringliche Schreibstil, der das Buch Herzland von Téa Obreht so besonders macht. Die Autorin schafft es, die besondere Atmosphäre, die die gesamte Geschichte umgibt, sehr gut zu schildern. Die Handlung wechselt regelmäßig zwischen der Vergangenheit und den aktuellen Geschehnissen, die im Jahr 1893 passieren.  Die Kapitel, in denen Nora Lark die Hauptfigur ist, sind in Tageszeiten unterteilt und schildert den Verlauf eines sehr heißen Tag, der schon beunruhigend beginnt: Das Wasser ist knapp, ins Brunnenhaus wurde eingebrochen, ihre beiden älteren Söhne sind unauffindbar und auch von ihrem Mann Emmett, der längst mit neuen Wasservorräten zurück sein wollte, fehlt jede Spur. An diesem Tag kehren Noras Gedanken oft in die Vergangenheit zurück und so erfahren wir, wie ihr bisheriger Lebensweg verlaufen ist und wie Nora und ihr Mann eines Tages  schließlich im County Amargo angekommen sind.


„Schafe, Feuer und Sandy Frerds Silberzunge. Das waren die miteinander verflochtenen Stränge, die dafür sorgten, dass ihr Wagen 1876 ins Arizona Territorium rumpelte.“ – Seite 104


Neben diesem Erzählstrang gibt es noch einen weiteren, der in der Ich-Perspektive aus Luries Sicht geschrieben ist. Er schildert hier sein ganzes Leben, das ihn an viele Orte gebracht hat. Man erfährt, wie er vom Ganoven zu einem Trupp der U.S. Army kommt, die ganz besondere Begleiter haben – einer davon wird sein Gefährte…
Beide Blickwinkel sind interessant und auf gewisse Weise spannend zu verfolgen – die Entwicklungen sind abenteuerlich, mal dramatisch und dann wieder etwas ruhiger und nachdenklich - aber immer intensiv erzählt. Ab und an gab es auch mal Abschnitte, die sich ein wenig schleppend dahinzogen, aber dieses hält sich in Grenzen. Gerade die Atmosphäre des Wilden Westens und die Entwicklung in dieser Epoche bringt die Autorin sehr gut rüber.

Wie die zwei so unterschiedlichen Geschichten von Nora und Lurie letztendlich zusammenkommen ist sehr interessant. Alle Rätselhafte, das im Laufe des Romans aufkommt, werden gelöst und bieten ein überraschendes Bild.

Mein Fazit: Ein besonderes Buch, das vor allem durch die klare und intensive Erzählweise überzeugt. Die Autorin nimmt den Leser mit auf eine Reise in die Vergangenheit – es wird abenteuerlich und dramatisch, aber es gibt auch häufig ruhigere und nachdenkliche Abschnitte.  Die Handlung besteht aus zwei verschiedenen Fäden mit einer Mischung aus Vergangenem und Gegenwart, die am Ende aufeinandertreffen – dieses ist gut gelungen. Bis auf Kleinigkeiten ein sehr lesenswerter Roman!


Meine Bewertung: 







Titel: Herzland
Autorin: Téa Obreht
Genre: Roman
Seitenanzahl: 512
Verlag: Rowohlt Berlin
Erstveröffentlichung: 10.03.2020






Vielen Dank an den Rowohlt-Verlag für das Rezensionsexemplar! 

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