Freitag, 20. März 2020

Rezension zu "Marianengraben" von Jasmin Schreiber

Zum Buch



Eine Geschichte voll Trauer und Hoffnung

Paula braucht nicht viel zum Leben: ihre Wohnung, ein bisschen Geld für Essen und ihren kleinen Bruder Tim, den sie mehr liebt als alles auf der Welt. Doch dann geschieht ein schrecklicher Unfall, der sie in eine tiefe Depression stürzt. Erst die Begegnung mit Helmut, einem schrulligen alten Herrn, erweckt wieder Lebenswillen in ihr. Und schließlich begibt Paula sich zusammen mit Helmut auf eine abenteuerliche Reise, die sie beide zu sich selbst zurückbringt - auf die eine oder andere Weise. (Quelle: Inhaltsangabe - Eichborn Verlag)





Marianengraben gehört zu den Büchern, die wahre Buchschätze sind. Die Geschichte über Paula und Helmut hat mich von Anfang an mitgerissen und sehr berührt. Hauptfigur hier ist die Studentin Paula, deren Leben vor zwei Jahren aus den Fugen gerät, als ihr kleiner Bruder Tim während eines Urlaubs ertrank. Die Geschichte ist in der Ich-Perspektive aus Sicht von Paula geschrieben und so aufgebaut, als würde sie ihrem geliebten Bruder all das erzählen, was gerade geschieht. Neben den aktuellen Geschehnissen bekommen wir LeserInnen auch zwischendurch immer mal wieder kleine Einblicke in die Vergangenheit  – kleine Ausschnitte von  gemeinsamen Momenten zeigen, wie eng das Geschwisterband zwischen Paula und Tim wirklich war:


„Du warst Zauberer und Abenteurer, Tierdompteur und Taucher, du warst ein Seeadler, wolltest fliegen und schwimmen und rennen und tauchen und das alles, bis es eben vorbei war. Tim, der Fisch. Tim, der das Meer so liebte und dann vor zwei Jahren in ihm ertrank.“ – Seite 14, eBook

„Manchmal liege ich da und überlege, was ich an dir am liebsten mochte. Also, dass du existiert hast, das war auf jeden Fall schon einmal ziemlich fantastisch. Eine Welt mit dir als meinem zehnjährigen Bruder darin ist auf jeden Fall die beste aller Welten, die ist außer Konkurrenz.“ – Seite 66, eBook


Paula stürzt nach Tims Tod in eine tiefe Depression und wagt nun nach langer Zeit einen für sie großen Schritt – und dabei trifft sie auf den dreiundachtzigjährigen Helmut, der seiner verstorbenen Ex-Frau einen großen Wunsch erfüllen möchte.
Und ab hier wird es besonders interessant: Die beiden Menschen, die unterschiedlicher nicht sein können, begeben sich auf eine Reise in die Berge, die sich zu einem kleinen Road-Trip entwickelt. Nach und nach erfahren wird nicht nur mehr über Paula, sondern auch über Helmut, der eine bewegte Vergangenheit hat und zudem noch ein trauriges Geheimnis hütet.
Es wird sehr berührend, emotional, traurig und auch hoffnungsvoll – die Geschichte ist großartig und nah geschrieben, mit vielen bedeutungsvollen Sätzen:


„Wäre Sehnsucht eine olympische Disziplin, ich hätte uns längst Gold geholt.“ – Seite 116, eBook


Und nicht nur die Geschichte, sondern auch das Cover ist unheimlich toll gelungen – der Titel Marianengraben ist ebenfalls perfekt gewählt und spielt im Roman eine Rolle.
Anfangs habe ich über die Kapitelüberschriften gerätselt – diese bestehen aus Zahlen, die -beginnend mit der Zahl 11.000- immer kleiner werden. Doch etwas später wurde mir dann klar, was diese bedeuten. Alles ist sehr gut aufeinander abgestimmt.

Mein Fazit: Marianengraben ist ein Buch, das jetzt schon zu meinen Jahreshighlights gehört. Die Geschichte ist sehr berührend, emotional, traurig und auch hoffnungsvoll – sie hat mich von Anfang an mitgerissen und gefesselt. Die Charaktere, der nahe,  klare Schreibstil und die vielen bedeutungsvollen Aussagen sind der Autorin sehr gelungen. Ein Buch, das überrascht und ich jedem ans Herz legen möchte. Großartig!


Meine Bewertung: 




Titel: Marianengraben
Autorin: Jasmin Schreiber
Genre: Roman / Gegenwartsliteratur
Seitenanzahl: 254
Verlag: Eichborn / Bastei Lübbe
Erstveröffentlichung: 28. Februar 2020



Vielen Dank an den Eichborn-Verlag und Netgalley für das Rezensionsexemplar!

2 Kommentare:

  1. Liebe Nicole,
    interessant, wie sich Geschmäcker unterscheiden können. Du liebst das Buch, für mich war es bisher der Flop des Jahres. ;-)
    Liebe Grüße
    Heike

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    1. Liebe Heike,
      ich fand das Buch großartig! Schade, dass es dir nicht so gut gefallen hat - aber Geschmäcker sind ja verschieden. :-)
      Liebe Grüße
      Nicole

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