Sonntag, 12. April 2020

Rezension zu "Die Ewigkeit in einem Glas" von Jess Kidd

Zum Buch

Von einer Entführung und merkwürdigen Vorkommnissen…

London 1863. Bridie Devine, Privatdetektivin und Expertin für kleinere chirurgische Eingriffe, erhält den Auftrag, die entführte Tochter des Adligen Sir Edmund zurückzubringen. Alles an dem Fall ist beängstigend seltsam: der nervöse Vater, die feindselige Dienerschaft, der windige Hausarzt. Allen voran aber die verschwundene Christabel, die kaum je einer gesehen hat. Doch zunächst ist die energische Bridie ganz in ihrem Element, denn sie liebt vertrackte Fälle. Zudem fühlt sie sich beschützt von ihrem neuen Begleiter, Ruby – der ist zwar tot, aber wen stört das schon. Als sich Bridie jedoch Zugang zu Christabels Räumen verschafft, begreift sie, was das Besondere an dem Mädchen ist und dass dieses in großer Gefahr schwebt. Und noch etwas ahnt sie: Ihr größter Widersacher aus der Vergangenheit, ein herzloser und grausamer Sammler menschlicher Kuriositäten, von dem Bridie gehofft hatte, dass er tot sei, ist wieder aufgetaucht, und er wird zu ihrem gefährlichsten Gegner bei der Suche nach Christabel. (Quelle: Inhaltsangabe - DuMont Verlag)


Im letzten Sommer habe ich bereits das Buch Heilige und andere Tote von Jess Kidd gelesen und war beeindruckt von ihrem speziellen und außergewöhnlichen Schreibstil. Dieser kommt auch bei ihrem aktuellen Buch Die Ewigkeit in einem Glas zum Einsatz. Schon der Prolog ist sehr rätselhaft und unheimlich und macht neugierig auf die Story.

Hauptfigur hier ist Bridget „Bridie“ Devine – sie ist eine Privatermittlerin und hat eine besondere Begabung: Sie kann die Geschichte von Leben und Tod, die jedes Opfer hinterlässt, lesen und daraus genaue Schlüsse ziehen. Daher betraut ein alter Freund von Scotland Yard sie gelegentlich mit einem Fall. Doch ihr neuester Fall stellt sie vor große Rätsel: Ein sechsjähriges Mädchen ist  aus ihrem Kinderzimmer eines herrschaftlichen, sehr abgelegenen Anwesens entführt worden. Als Bridie dort eintrifft, trifft sie eher auf Ablehnung: der Vater ist nervös und pocht auf Geheimhaltung, die Dienerschaft verhält sich merkwürdig. Nach und nach stößt sie in dem Haus auf skurrile Gegenstände und einer beängstigenden Atmosphäre: Schnell fragt sie sich: Was war Christabel für ein Mädchen und welches Geheimnis verbirgt sie? Schon bald kommt sie der Wahrheit näher, die sie gleichzeitig in ihre eigene Vergangenheit führt…

Zunächst erstmal gewöhnungsbedürftig, aber gerade der Schreibstil macht das Besondere an den Büchern von Jess Kidd aus. Außergewöhnliche Charaktere, mysteriöse Vorkommnisse und Kuriositäten spielen hier eine zentrale Rolle:


„Jedes dieser Präparate erzählt von längst vergangenen Augenblicken, als diese vergänglichen Exemplare untersucht, ausgewählt und sorgfältig konserviert wurden.
Sie trotzen der natürlichen Ordnung der Dinge: Leben – Tod – Staub.
Hier wird die Zeit in der Schwebe gehalten. Das Gestern konserviert. Die Ewigkeit in einem Glas.“ – Seite 135, eBook


Auch ihre Hauptfiguren sind immer sehr gut ausgearbeitet  und haben meist besondere Begleiter – so auch Bridie Devine: Der Boxer Ruby Doyle, der vor einem halben Jahr gestorben ist, begleitet sie und steht ihr mit hilfreichen (und auch mal weniger hilfreichen) Ratschlägen zur Seite.


„Dann sieht sie ihn, den Toten, schummrig im heller werdenden Morgenlicht, der um eine Hütte herumkommt und auf sie zusteuert, als hätte er die ganze Zeit auf sie gewartet. Ruby Doyle, dessen dunkle Augen glühen, trägt kaum mehr als einen Zylinderhut, eine lange Unterhose und ein Lächeln.“ – Seite 51, eBook


Wie vieles in diesem Buch umgibt auch den Toten Ruby Doyle ein Geheimnis: Woher kennt er Bridie? Neben den aktuellen Ereignissen, die im Jahre 1863 spielen, gibt es auch immer wieder Rückblicke in Bridies Kindheit. So setzt sich nach und nach ein erstaunliches Gesamtbild zusammen.  Auch bei den rätselhaften Ereignissen aus dem Prolog kommt Licht ins Dunkel. Gerade Christabels Story ist wirklich schräg.  Lasst euch überraschen.


Mein Fazit: Ein Mystery-Krimi, der einige skurrile Überraschungen bereit hält. Es wird spannend, mysteriös, sehr seltsam und dank des außergewöhnlichen Schreibstils auch besonders. Besonders gefallen hat mit die Rolle von Bridie Devine: Jess Kidd hat hier eine starke weibliche Hauptfigur geschaffen, die es locker mit jedem anderen männlichen Ermittler aufnehmen kann – klasse! Auch wenn die Story manchmal etwas zu sehr abdriftet in nebensächliche Details, ist es ein sehr lesenswertes Buch. 

Meine Bewertung:





Titel: Die Ewigkeit in einem Glas
Autorin: Jess Kidd
Genre: Mystery / Krimi
Seitenanzahl: 400
Verlag: Dumont
Erstveröffentlichung: 08. November2019


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