Dienstag, 21. April 2020

Rezension zu "Das achte Leben (Für Brilka)" von Nino Haratischwili

Zum Buch

Acht Leben – viele Geschichten

Dieser Roman ist über die Literaturwelt gekommen wie ein Naturereignis: ein wuchtiges Familienepos, das am Beispiel von sechs Generationen außergewöhnlicher Frauen das ganze pralle 20. Jahrhundert mit all seinen Umbrüchen und Dramen, Katastrophen und Wundern erzählt. Vom Georgien am Vorabend des Ersten Weltkriegs bis ins Deutschland zu Anfang des neuen Millenniums spannt Nino Haratischwili den Bogen. Alles beginnt mit Stasia, Tochter eines angesehenen Schokoladenfabrikanten. Mit ihrer Geburt setzt die Geschichte ein, die fortan wie ein gewaltiger Strom mit unzähligen Nebenarmen und Verwirbelungen durch Europa zieht und den Leser bis zur letzten Seite in ihrem Sog gefangen hält. (Quelle: Klappentext)



„Teppiche sind aus Geschichten gewoben. Also muss man sie wahren und pflegen. Auch wenn dieser jahrelang irgendwo verpackt den Motten zum Fraß vorgeworfen wurde, muss er nun aufleben und uns seine Geschichten erzählen. Ich bin mir sicher, wir sind da auch eingewebt, auch wenn wir das nie geahnt haben.“ (Niza) – Seite 31


Von Nino Haratischwili hatte ich bereits ihr letztes Buch Die Katze und der General gelesen und war beeindruckt von ihrem detaillierten Schreibstil. Nun habe ich mich ihrem großen Roman Das achte Leben gewidmet und bin begeistert. Auf 1.280 hat die Autorin eine beeindruckende Geschichte erschaffen, die sich durch mehrere Generationen einer Familie zieht. Beginnend mit Anastasia – genannt Stasia -, die im Jahr 1900 zur Welt kommt, als Tochter eines Schokoladenfabrikanten. Wir bekommen einen detaillierten Einblick in das Leben ihrer Familie: Anfangs steht Stasias Leben selbst im Mittelpunkt, dann auch das Leben ihrer Geschwister und später ihre Nachfahren – eben bis hin zu Brilka, die im Jahr 2006 zwölf Jahre alt ist. Der Faden spannt sich durch das komplette 20. Jahrhundert mit allen Höhen und Tiefen, mit Freud und Leid. Neben den persönlichen, oft ergreifenden und berührenden Schicksalen der Hauptfiguren  gibt es auch viele historische Einblicke – Die Zeit des Bürgerkriegs und die politischen Unruhen in Georgien, auch die beiden Weltkriege gehen an den Charakteren natürlich nicht spurlos vorüber. Es wird sehr emotional und erschütternd. Immer wird es packend mit überraschenden Entwicklungen.


„Am 31. Dezember – es muss der letzte Tag des Jahres 1927 gewesen sein – sollten beide Schwestern Bekanntschaften machen, die für immer ihr Leben verändern würden, der Teppich unserer Geschichte, Brilka, sollte weitergeknüpft werden, pompöse, karnevaleske, schillernde, aber auch dunkle und bedrohliche Muster sollten sich ergeben.“ (Niza) – Seite 143


Auch der gesamte Aufbau des umfangreichen Romans ist besonders: Im Prolog lernen wir Niza Jaschi kennen – sie ist die Urenkelin von Stasia Jaschi und die Tante von der zwölfjährigen Brilka. Nachdem Brilka sich zu einem mutigen Schritt entschlossen hat, beschließt Niza, ihrer Nichte die Geschichte ihrer Familie zu erzählen: Sechs Generationen, aufgeteilt in Abschnitten von acht außergewöhnlichen Leben: Beginnend bei Stasia bis hin zu Brilka. Und dazwischen passiert auf den fast 1.300 Seiten einiges.


„Die Geschichten überlappen sich, gehen ineinander über, verwachsen – ich versuche, dieses Wollknäuel auseinanderzuziehen, weil man ja die Dinge nacheinander erzählen muss, weil die Gleichzeitigkeit der Welt nicht in Worte zu fassen ist.“ (Niza) – Seite 521


Dieses Buch ist von der ersten Seite an fesselnd – detailliert geht es durch viele Jahrzehnte mit starken Hauptfiguren – jede von ihnen ist anders und hat eigene Träume und Wünsche. Doch daneben gibt es auch viele wichtige Nebenfiguren, alles ist sehr gut miteinander verwoben. Es wird dramatisch und überraschend, berührend und erschreckend, aber auch einzelne schöne Momente sind vorhanden.

Mein Fazit: Ein beeindruckendes Familienepos, das den Leser von der ersten Seite an packt. Auf 1.280 Seiten schildert die Autorin die Geschichte einer Familie über sechs Generationen – aufgeteilt in acht beeindruckenden Leben. Der Faden zieht sich durch das komplette 20. Jahrhundert, mit seinen Schrecken der Weltkriege bis hin zu glücklicheren Zeiten. Es wird dramatisch, berührend, emotional, überraschend, dank der so großartig gezeichneten Figuren. Ein großes Lesehighlight, das ich jedem empfehlen möchte.


Meine Bewertung: 





Titel: Das achte Leben (Für Brilka)
Autorin: Nino Haratischwili
Genre: Gegenwartsliteratur / Familiensaga
Seitenanzahl: 1.280
Verlage: Frankfurter Verlagsanstalt (Hardcover) / Ullstein (Paperback)
Veröffentlichungen: 01. September 2014 (Hardcover)
                                  08. September 2017 (Paperback)





2 Kommentare:

  1. Klingt ganz nach dem, was auch mir sehr gut gefällt. Schöne Buchbesprechung ... und auch sehr schicke Seite, nebenbei bemerkt.

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    1. Hallo Ulf,
      das Buch ist wirklich lesenswert. Vielen Dank!

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