![]() |
| Zum Buch |
Acht Leben – viele Geschichten
Dieser Roman ist über die Literaturwelt gekommen wie ein
Naturereignis: ein wuchtiges Familienepos, das am Beispiel von sechs
Generationen außergewöhnlicher Frauen das ganze pralle 20. Jahrhundert mit all
seinen Umbrüchen und Dramen, Katastrophen und Wundern erzählt. Vom Georgien am
Vorabend des Ersten Weltkriegs bis ins Deutschland zu Anfang des neuen
Millenniums spannt Nino Haratischwili den Bogen. Alles beginnt mit Stasia,
Tochter eines angesehenen Schokoladenfabrikanten. Mit ihrer Geburt setzt die
Geschichte ein, die fortan wie ein gewaltiger Strom mit unzähligen Nebenarmen
und Verwirbelungen durch Europa zieht und den Leser bis zur letzten Seite in
ihrem Sog gefangen hält. (Quelle: Klappentext)
„Teppiche sind aus Geschichten gewoben. Also muss man sie wahren und pflegen. Auch wenn dieser jahrelang irgendwo verpackt den Motten zum Fraß vorgeworfen wurde, muss er nun aufleben und uns seine Geschichten erzählen. Ich bin mir sicher, wir sind da auch eingewebt, auch wenn wir das nie geahnt haben.“ (Niza) – Seite 31
Von Nino Haratischwili hatte ich bereits ihr letztes Buch Die Katze und der General gelesen und war beeindruckt von ihrem detaillierten
Schreibstil. Nun habe ich mich ihrem großen Roman Das achte Leben gewidmet
und bin begeistert. Auf 1.280 hat die Autorin eine beeindruckende Geschichte
erschaffen, die sich durch mehrere Generationen einer Familie zieht. Beginnend
mit Anastasia – genannt Stasia -, die im Jahr 1900 zur Welt kommt, als Tochter
eines Schokoladenfabrikanten. Wir bekommen einen detaillierten Einblick in das
Leben ihrer Familie: Anfangs steht Stasias Leben selbst im Mittelpunkt, dann
auch das Leben ihrer Geschwister und später ihre Nachfahren – eben bis hin zu
Brilka, die im Jahr 2006 zwölf Jahre alt ist. Der Faden spannt sich durch das
komplette 20. Jahrhundert mit allen Höhen und Tiefen, mit Freud und Leid. Neben
den persönlichen, oft ergreifenden und berührenden Schicksalen der
Hauptfiguren gibt es auch viele
historische Einblicke – Die Zeit des Bürgerkriegs und die politischen Unruhen
in Georgien, auch die beiden Weltkriege gehen an den Charakteren natürlich
nicht spurlos vorüber. Es wird sehr emotional und erschütternd. Immer wird es
packend mit überraschenden Entwicklungen.
„Am 31. Dezember – es muss der letzte Tag des Jahres 1927 gewesen sein – sollten beide Schwestern Bekanntschaften machen, die für immer ihr Leben verändern würden, der Teppich unserer Geschichte, Brilka, sollte weitergeknüpft werden, pompöse, karnevaleske, schillernde, aber auch dunkle und bedrohliche Muster sollten sich ergeben.“ (Niza) – Seite 143
Auch der gesamte Aufbau des umfangreichen Romans ist besonders:
Im Prolog lernen wir Niza Jaschi kennen – sie ist die Urenkelin von Stasia
Jaschi und die Tante von der zwölfjährigen Brilka. Nachdem Brilka sich zu einem
mutigen Schritt entschlossen hat, beschließt Niza, ihrer Nichte die Geschichte
ihrer Familie zu erzählen: Sechs Generationen, aufgeteilt in Abschnitten von
acht außergewöhnlichen Leben: Beginnend bei Stasia bis hin zu Brilka. Und
dazwischen passiert auf den fast 1.300 Seiten einiges.
„Die Geschichten überlappen sich, gehen ineinander über, verwachsen – ich versuche, dieses Wollknäuel auseinanderzuziehen, weil man ja die Dinge nacheinander erzählen muss, weil die Gleichzeitigkeit der Welt nicht in Worte zu fassen ist.“ (Niza) – Seite 521
Dieses Buch ist von der ersten Seite an fesselnd –
detailliert geht es durch viele Jahrzehnte mit starken Hauptfiguren – jede von
ihnen ist anders und hat eigene Träume und Wünsche. Doch daneben gibt es auch
viele wichtige Nebenfiguren, alles ist sehr gut miteinander verwoben. Es wird
dramatisch und überraschend, berührend und erschreckend, aber auch einzelne
schöne Momente sind vorhanden.
Mein Fazit: Ein beeindruckendes Familienepos, das den Leser
von der ersten Seite an packt. Auf 1.280 Seiten schildert die Autorin die
Geschichte einer Familie über sechs Generationen – aufgeteilt in acht
beeindruckenden Leben. Der Faden zieht sich durch das komplette 20.
Jahrhundert, mit seinen Schrecken der Weltkriege bis hin zu glücklicheren Zeiten.
Es wird dramatisch, berührend, emotional, überraschend, dank der so großartig
gezeichneten Figuren. Ein großes Lesehighlight, das ich jedem empfehlen möchte.
Meine Bewertung:
Titel: Das achte Leben (Für Brilka)
Autorin: Nino Haratischwili
Genre: Gegenwartsliteratur / Familiensaga
Seitenanzahl: 1.280
Verlage: Frankfurter Verlagsanstalt (Hardcover) / Ullstein (Paperback)
Veröffentlichungen: 01. September 2014 (Hardcover)
08. September 2017 (Paperback)


Klingt ganz nach dem, was auch mir sehr gut gefällt. Schöne Buchbesprechung ... und auch sehr schicke Seite, nebenbei bemerkt.
AntwortenLöschenHallo Ulf,
Löschendas Buch ist wirklich lesenswert. Vielen Dank!