Freitag, 24. April 2020

Rezension zu "Fremdes Licht" von Michael Stavaric

Zum Buch


Allein mit den Erinnerungen an einem fremden Ort…

Sie ist an einem unbekannten Ort und in einer eisigen, unwirtlichen Umgebung. Erst nach und nach kehrt die Erinnerung zurück, und Elaine begreift, was passiert ist: dass ihr Großvater einst bei den Inuit in Grönland lebte und er sie mit dem Überleben in Eis und Schnee vertraut machte. Dass sie zuletzt für einen Konzern im Schweizer Ort Winterthur tätig war und sich dort als Genforscherin mit der Rekonstruktion von Leben beschäftigte. Dass die Erde während eines Kometeneinschlages zugrunde ging und sie die letzte Überlebende zu sein scheint. Was das alles mit ihrer Urgroßmutter aus Grönland zu tun hat, ahnt sie nicht. (Quelle: Klappentext)




Auf das Buch Fremdes Licht bin ich beim Stöbern aufmerksam geworden und der geheimnisvolle Klappentext hat mich sofort neugierig gemacht: Geheimnisvoll und außergewöhnlich ist dieser Roman in jedem Fall: Hauptfigur ist die Forscherin Elaine Duval, die sich plötzlich an einem fremden, ungemütlichen Ort wiederfindet, in dem es außer Schnee, Sturm und eisige Kälte nichts anderes zu geben scheint – erst nach und nach enthüllen ihre Erinnerungen in Kombination mit aktuellen Geschehnissen das ganze Ausmaß:


„Ich war ganz offensichtlich die einzig Überlebende des einzigen jemals auf den Weg gebrachten und tatsächlich in den Orbit gelangten Schiffes, ich erinnerte mich vorerst nur lückenhaft an den eigentlichen überhasteten Aufbruch. (…)

Es hieß, der Komet wäre aus dem Nichts aufgetaucht, zunächst ein winziges Etwas irgendwo in unsäglicher Ferne (und nur mit den allerbesten Teleskopen zu erahnen), in der verbleibenden Zeit hatte man selbstverständlich nichts unversucht gelassen.“ (Elaine) – Seite 27, eBook


Sehr überraschend ist, dass das Buch in zwei Teile aufgeteilt ist, die zwar einen Zusammenhang haben, aber unterschiedlicher nicht sein könnten:
Der erste Teil ist etwas Science-Fiction-mäßig angehaucht, denn das Schreckensszenario der zerstörten Erde und den letzten Ereignissen ist ungefähr in der Mitte des 24. Jahrhunderts angesiedelt. Elaines Geschichte wechselt sich mit Erinnerungen aus der Vergangenheit und den aktuellen Geschehnissen ab. Besonders die gemeinsamen Erlebnisse mit ihrem Großvater, der in Grönland lebte und ein Nachfahre der Inuit ist, prägen die Geschichte.
Der zweite Teil geht zurück in die Vergangenheit und ist Ende des 19. Jahrhunderts angesiedelt – er besteht aus Tagebucheinträgen eines Kapitäns, die sich abwechseln mit den Schilderungen einer jungen Inuit-Frau. Gerade hier bekommen wir einen detailreichen Einblick in das Leben der Inuit und die Sicht der jungen Frau. Zunächst wirkt gerade der zweite Teil sehr rätselhaft, doch am Ende erschließt sich die gesamte Geschichte.

Nun zu meinem Gesamteindruck: Das Buch ist insgesamt  sehr detailreich geschrieben, gerade durch die Ich-Perspektive aus Elaines Sicht bekommen wir einen sehr direkten Einblick in ihre Gedanken, Pläne und natürlich in ihre Erinnerungen. Auch die Schilderungen der Umgebung sind gelungen:


„Ich hatte zum wiederholten Mal das Gefühl, auf Winterthur nicht mehr zwischen Schein und Wirklichkeit unterscheiden zu können; ich fühlte mich eingesponnen, kristallene Fäden lagen in der Luft, der Frost hielt mich in seinen Fängen.“ (Elaine) – Seite 137, eBook


Die Idee der Geschichte ist großartig – leider gibt es in der Umsetzung einige Schwächen, sodass die Spannung etwas verlorengeht. Gerade das Zukunftsszenario im ersten Teil mit der zerstörten Erde, das Leben in der fernen Zukunft und die Suche nach neuen Planeten hat großes Potential – dieses rückt etwas zu sehr in den Hintergrund und verliert sich schließlich völlig. Elaines Erinnerungen sind oft etwas durcheinander geschildert, es fehlt der rote Faden. Der zweite Teil lässt sich dagegen besser  lesen.

Mein Fazit: Ein außergewöhnlicher Roman mit Stärken und Schwächen. Zu den Stärken gehört der detailreiche, schöne Schreibstil und die Idee der Geschichte – gerade das Zukunftsszenario ist interessant und hat Potential. Leider wurde dieses etwas schwach umgesetzt. Die Story verliert sich etwas – der rote Faden fehlt. Auch wenn der zweite Teil etwas besser zu lesen ist und das Geheimnis des Zusammenhangs gelüftet wird, bleiben dennoch einzelne Fragen offen. Doch auch wenn mich das Buch selbst nur teilweise überzeugen konnte, ist es dennoch eine interessante Story.


Meine Bewertung: 



Titel: Fremdes Licht
Autor: Michael Stavaric
Genre: Roman
Seitenanzahl: 512
Verlag: Luchterhand
Erstveröffentlichung: 09.03.2020


Vielen Dank an das Bloggerportal und Luchterhand für das Rezensionsexemplar!

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