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Allein mit den Erinnerungen an einem fremden Ort…
Sie ist an einem unbekannten Ort und in einer eisigen,
unwirtlichen Umgebung. Erst nach und nach kehrt die Erinnerung zurück, und
Elaine begreift, was passiert ist: dass ihr Großvater einst bei den Inuit in
Grönland lebte und er sie mit dem Überleben in Eis und Schnee vertraut machte.
Dass sie zuletzt für einen Konzern im Schweizer Ort Winterthur tätig war und
sich dort als Genforscherin mit der Rekonstruktion von Leben beschäftigte. Dass
die Erde während eines Kometeneinschlages zugrunde ging und sie die letzte
Überlebende zu sein scheint. Was das alles mit ihrer Urgroßmutter aus Grönland
zu tun hat, ahnt sie nicht. (Quelle: Klappentext)
Auf das Buch Fremdes Licht bin ich beim Stöbern aufmerksam
geworden und der geheimnisvolle Klappentext hat mich sofort neugierig gemacht:
Geheimnisvoll und außergewöhnlich ist dieser Roman in jedem Fall: Hauptfigur
ist die Forscherin Elaine Duval, die sich plötzlich an einem fremden,
ungemütlichen Ort wiederfindet, in dem es außer Schnee, Sturm und eisige Kälte
nichts anderes zu geben scheint – erst nach und nach enthüllen ihre
Erinnerungen in Kombination mit aktuellen Geschehnissen das ganze Ausmaß:
„Ich war ganz offensichtlich die einzig Überlebende des einzigen jemals auf den Weg gebrachten und tatsächlich in den Orbit gelangten Schiffes, ich erinnerte mich vorerst nur lückenhaft an den eigentlichen überhasteten Aufbruch. (…)
Es hieß, der Komet wäre aus dem Nichts aufgetaucht, zunächst ein winziges Etwas irgendwo in unsäglicher Ferne (und nur mit den allerbesten Teleskopen zu erahnen), in der verbleibenden Zeit hatte man selbstverständlich nichts unversucht gelassen.“ (Elaine) – Seite 27, eBook
Sehr überraschend ist, dass das Buch in zwei Teile
aufgeteilt ist, die zwar einen Zusammenhang haben, aber unterschiedlicher nicht
sein könnten:
Der erste Teil ist etwas Science-Fiction-mäßig angehaucht, denn
das Schreckensszenario der zerstörten Erde und den letzten Ereignissen ist
ungefähr in der Mitte des 24. Jahrhunderts angesiedelt. Elaines Geschichte
wechselt sich mit Erinnerungen aus der Vergangenheit und den aktuellen
Geschehnissen ab. Besonders die gemeinsamen Erlebnisse mit ihrem Großvater, der
in Grönland lebte und ein Nachfahre der Inuit ist, prägen die Geschichte.
Der zweite Teil geht zurück in die Vergangenheit und ist
Ende des 19. Jahrhunderts angesiedelt – er besteht aus Tagebucheinträgen eines
Kapitäns, die sich abwechseln mit den Schilderungen einer jungen Inuit-Frau. Gerade
hier bekommen wir einen detailreichen Einblick in das Leben der Inuit und die
Sicht der jungen Frau. Zunächst wirkt gerade der zweite Teil sehr rätselhaft,
doch am Ende erschließt sich die gesamte Geschichte.
Nun zu meinem Gesamteindruck: Das Buch ist insgesamt sehr detailreich geschrieben, gerade durch die
Ich-Perspektive aus Elaines Sicht bekommen wir einen sehr direkten Einblick in
ihre Gedanken, Pläne und natürlich in ihre Erinnerungen. Auch die Schilderungen
der Umgebung sind gelungen:
„Ich hatte zum wiederholten Mal das Gefühl, auf Winterthur nicht mehr zwischen Schein und Wirklichkeit unterscheiden zu können; ich fühlte mich eingesponnen, kristallene Fäden lagen in der Luft, der Frost hielt mich in seinen Fängen.“ (Elaine) – Seite 137, eBook
Die Idee der Geschichte ist großartig – leider gibt es in
der Umsetzung einige Schwächen, sodass die Spannung etwas verlorengeht. Gerade
das Zukunftsszenario im ersten Teil mit der zerstörten Erde, das Leben in der
fernen Zukunft und die Suche nach neuen Planeten hat großes Potential – dieses
rückt etwas zu sehr in den Hintergrund und verliert sich schließlich völlig. Elaines
Erinnerungen sind oft etwas durcheinander geschildert, es fehlt der rote Faden.
Der zweite Teil lässt sich dagegen besser lesen.
Mein Fazit: Ein außergewöhnlicher Roman mit Stärken und
Schwächen. Zu den Stärken gehört der detailreiche, schöne Schreibstil und die
Idee der Geschichte – gerade das Zukunftsszenario ist interessant und hat
Potential. Leider wurde dieses etwas schwach umgesetzt. Die Story verliert sich
etwas – der rote Faden fehlt. Auch wenn der zweite Teil etwas besser zu lesen
ist und das Geheimnis des Zusammenhangs gelüftet wird, bleiben dennoch einzelne
Fragen offen. Doch auch wenn mich das Buch selbst nur teilweise überzeugen
konnte, ist es dennoch eine interessante Story.
Meine Bewertung:
Titel: Fremdes Licht
Autor: Michael Stavaric
Genre: Roman
Seitenanzahl: 512
Verlag: Luchterhand
Erstveröffentlichung: 09.03.2020
Vielen Dank an das Bloggerportal und Luchterhand für das Rezensionsexemplar!

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