Montag, 6. April 2020

Rezension zu "Serafin. Das Kalte Feuer" von Kai Meyer

Zum Buch


Der Merle-Zyklus – Band 4

Serafins Venedig ist voller Magie. In einer Neumondnacht begibt er sich mit seiner geflügelten Katze auf Beutezug. Wie jeden Monat ist für eine Nacht das Wasser aus den Kanälen verschwunden. Doch statt Kostbarkeiten findet Serafin auf dem Grund des Canal Grande zwei fremde Mädchen, leblos am Fuß eines goldenen Spiegels. Mächtige Gegner machen Jagd auf die beiden. Die Gilde der Glasbrenner, die Kartographen der Spiegelwelt und eine legendäre Katzengöttin – sie alle sehen in den Mädchen Junipa und Merle den Schlüssel zu Venedigs uraltem Zauber.  
(Quelle: Klappentext)




Mit großer Begeisterung habe ich gerade die ersten drei Merle-Bücher zum zweiten Mal gelesen. Die ehemalige Trilogie wurde erstmals in den Jahren 2001/2002 veröffentlicht.  Nun, nach gut 18 Jahren ist Autor Kai Meyer wieder in Merles magische Welt zurückgekehrt und überrascht mit einem neuen Abenteuer, das mich genauso begeistern konnte wie dessen Vorgänger. Serafin. Das Kalte Feuer ist das vierte Buch aus dem Merle-Zyklus und spielt in einem anderen Venedig, in dem es genau so magisch ist wie in Merles alter Welt. In den ersten drei Romanen wird am Rande immer wieder erwähnt, dass es hinter der Spiegelwelt noch weitere Versionen von Venedig gibt – und somit auch ein anderer Serafin und vielleicht auch eine andere Merle:


„Merle folgte ihr durch die Wand aus Silber, hinaus in die Labyrinthe der Spiegelwelt, dorthin, wo es so vieles zu sehen, zu erkunden, zu finden gab. Ihren Vater. Das andere Venedig – das aus den Spiegelungen auf den Kanälen. Und dort wiederum, wer weiß, eine andere Merle, eine andere Junipa. Einen anderen Serafin.“ - aus DAS GLÄSERNE WORT, Seite 300


Die Handlung beginnt zwei Jahre nach den letzten Geschehnissen in Das Gläserne Wort. Zunächst lernen wir den Serafin aus dem anderen Venedig kennen und mit ihm ein mysteriöses Phänomen: Einmal im Monat verschwindet das Wasser aus den Kanälen. In dessen Schlamm sucht Serafin nach Schätzen. Doch in dieser Nacht ist alles anders: Er findet zwei bewusstlose Mädchen, die vor einem alten Spiegel am Grund liegen. So lernt er zunächst Junipa kennen, das Mädchen mit den Spiegelaugen.


„Serafin sah sie von der Seite an. Ihr hellblondes Haar war zerzaust, und in ihren Augen spiegelte sich die Düsternis des Speichers. Er hätte es seltsam finden müssen, unheimlich sogar, doch tatsächlich hatte er nur das Bedürfnis, sie zu beschützen.“ – Seite 144


Was mir hier sehr gut gefallen hat: Merle und Junipa sind noch die gleichen liebgewonnenen Figuren aus den Vorgängern, somit wird ihre Geschichte hier weitererzählt – nur Serafin ist ein anderer. Wir erfahren, was die beiden Mädchen in den letzten zwei Jahren auf ihren Reisen durch die Spiegelwelt erlebt haben und nach was sie wirklich suchen. Dabei sind ihnen mächtige Gegner auf den Fersen, die sie bis in Serafins Venedig verfolgen.  Auch Serafin hat eigene Sorgen und Probleme, doch er ist bereit, den beiden Mädchen zu helfen. Somit erleben alle ein gefährliches Abenteuer mit einigen Überraschungen  - ihr Weg führt sie schließlich an einen besonderen Ort, der geheimnisvoller nicht sein kann…


„Der Staub, den Merle für Asche gehalten hatte, roch nach nichts und haftete auch nicht an ihren Fingerspitzen, als sie sich danach bückte. Ebenso wenig setzte er sich auf ihrer Kleidung fest. Es dauerte eine Weile, ehe ihr klarwurde, dass es sich nicht um Schmutz handelte, sondern um lose Fragmente der Wirklichkeit, die an diesem Ort allmählich zerstäubte.“ – Seite 285


Die Geschichte ist von Anfang an fesselnd – sowohl der spannende Verlauf der Handlung, als auch die beeindruckenden Schauplätze, die magischen Phänomene und die Figuren, die nicht immer menschlich sind, wie u.a. Cagliostra, die geflügelte goldene Katze.  Alles ist sehr gut aufeinander abgestimmt und lässt den Leser eintauchen in eine phantastische Welt. Besonders das letzte Drittel hat mir unheimlich gut gefallen.

Nun noch zu der Frage, ob man die Vorgänger gelesen haben sollte:  Dieses Buch ist zwar ein ganz eigenes und es gibt immer wieder kleinere Rückblicke mit den wichtigsten Eckpunkten aus den ersten drei Büchern – allerdings würde ich empfehlen, zunächst doch die Vorgänger zu lesen. Einfach, weil viele Figuren und deren Schicksale erwähnt werden und auch, wie es schließlich zu der Reise von Merle und Junipa kam. So hat man dann das volle Lesevergnügen.
Passend dazu ist die ehemalige Trilogie nochmal neu veröffentlicht worden – genau wie der neue Serafin-Roman als wunderschöne Hardcover mit Schutzumschlag.

Mein Fazit: Auch dieses Buch aus dem Merle-Zyklus hat mich mit den vielen phantastischen Elementen, den detailreich geschilderten Schauplätzen und den schillernden Figuren überzeugt. Besonders das letzte Drittel ist besonders packend und schildert eine abenteuerliche Reise. Es wird magisch, spannend, gefährlich und überraschend.
Auch wenn mich alle Bücher aus dem Merle-Zyklus sehr begeistert haben, ist dieses hier mein neues Lieblingsbuch der Reihe. Sehr lesenswert!


Meine Bewertung: 





Titel: Der Merle-Zyklus 4 - Serafin. Das Kalte Feuer
Autor: Kai Meyer
Genre: Jugendfantasy
Seitenanzahl: 384
Verlag: FISCHER Sauerländer
Erstveröffentlichung: 26. Februar 2020 


Die Bücher des Merle-Zyklus:
Band 4 - Serafin. Das Kalte Feuer

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