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Auf der Suche nach Vermissten…
Detektivarbeit ist kein Kinderspiel. Der neunjährige Jai
schaut zu viele Polizei-Dokus, denkt, er sei klüger als seine Freundin Pari
(obwohl sie immer die besten Noten bekommt) und hält sich für einen besseren
Anführer als Faiz (obwohl Faiz derjenige mit zwei älteren Brüdern und einem
echten Job ist). Als ein Junge aus ihrer Klasse verschwindet, beschließt Jai,
sein Fernsehwissen zu nutzen, um ihn zu finden. Mit Pari und Faiz an seiner
Seite wagt er sich in den verwinkelten Bhoot-Basar und dann weiter hinaus in
die verbotenen Viertel der Stadt. Doch mehr und mehr Kinder verschwinden, und
die Dinge in der Nachbarschaft werden kompliziert …
(Quelle: Klappentext)
Die Detektive von Bhoot-Basar ist das Debüt von Deepa
Anappari , die viele Jahre als Journalistin in Delhi und Mumbai gearbeitet hat.
Ihre gesammelten Eindrücke fließen in diesen Roman ein, der ihr wirklich
gelungen ist. Auf ganz besondere Weise erzählt sie die Geschichte des
neunjährigen Jungen Jai, der sich auf eine gefährliche Suche nach vermissten
Kindern macht. Hauptfigur Jai lebt in einem der ärmlichen Vierteln in Indien –Basti
genannt- das im Schatten der
wohlhabenden Hochhäuser liegt. Und gleichzeitig in der Nähe des Bhoot-Basars –
einem Markt, auf dem man vieles bekommt, wo aber auch viele Gefahren lauern.
„Als wir am nächsten Tag aus der Schule kommen, hat das Basti im Smog seine Form verloren. Schatten breiten sich auf den Dächern unserer Häuser aus, wo platte Fahrradreifen, Ziegelsteine und kaputte Rohre die Plastikplanen beschweren. Ich sollte unter einer warmen Decke auf Mas und Papas Bett liegen und fernsehen. Stattdessen ermittle ich in der Kälte.“ (Jai) – Seite 180
Plötzlich ist ein Klassenkamerad spurlos verschwunden,
zuletzt wurde er auf dem Bhoot-Basar gesehen. Zusammen mit seinen Freunden Pari
und Faiz macht sich Jai auf die Suche nach dem vermissten Jungen – ein
gefährliches Abenteuer, dass sie weit hinaus aus ihrem Bezirk in verbotene
Viertel führt. Bald werden noch mehr Kinder vermisst. Und die Lage spitzt sich
zu…
Das Buch ist hauptsächlich aus der Sichtweise von Jai
erzählt – so bekommen wir einen detaillierten Einblick in sein Leben und den vielen
Entbehrungen, die seine Familie Tag für Tag erträgt. Zusammen mit seinen Eltern
und seiner älteren Schwester Runu bewohnt er eine kleine Ein-Zimmer- Hütte, ihr
wertvollster Besitz ist ein alter Fernseher. Auch erfahren wir viel über das
Viertel und deren Bewohner, in dem Jai lebt. Es ist oftmals sehr traurig und ernst,
aber dann auch wieder hoffnungsvoll, denn Jai gibt die Suche nach den
vermissten Kindern nicht auf:
„Ich bin der Einzige, der da was tun kann. Ich kann Bahadur finden, weil ich schon Hunderte von Sendungen im Fernsehen gesehen habe und haargenau weiß wie ein Detektiv wie Byomkesh Bakshi böse Menschen fängt, die Kinder, Gold, Frauen und Diamanten stehlen.“ (Jai) – Seite 39
Neben der Detektivgeschichte erfahren wir auch einiges über
das heutige Indien – die große Schere zwischen Arm und Reich, das Leben in den
Elendsvierteln, die Ungerechtigkeit und die Gefahren, die an vielen Ecken
lauern. Auch der Bhoot-Basar, wird bildgewaltig beschrieben. Wie der Markt zu diesem Namen kam (Bhoot =
Geist), erfährt man im Laufe des Buches.
„Faiz läuft sehr schnell voran, selbst in den Straßen des Bhoot-Basar, in denen es von viel zu vielen Menschen, Hunden, Fahrrad-, Auto- und E-Rikschas wimmelt. (…) Niemand wird mir glauben, aber ich bin hundertpro sicher, dass meine Nase von den vielen Gerüchen nach Tee, rohem Fleisch, Brot, Kebab und Rotis im Basar jedes Mal länger wird. Auch meine Ohren werden größer, wegen den Geräuschen.“ (Jai) – Seite 31
Das ganze Buch ist sehr berührend und intensiv. Neben dem
beeindruckenden und klaren Schreibstil gibt es in dem Roman auch viele indische
Begriffe – zunächst gewöhnungsbedürftig, aber im Nachhinein passt dieses sehr
gut in die ganze Atmosphäre des Buches. Hilfreich ist hier das Glossar hinten
im Buch, wo alle indischen Begriffe und Bedeutungen übersetzt werden. Auch die
Covergestaltung ist perfekt – das in pink/rosa gehaltende Cover ist unheimlich
gut gelungen.
Sehr informativ und lesenswert ist auch das Nachwort, in dem
die Autorin schildert, wie ihr die Idee zu diesem Roman kam. Dieser wird
besonders im letzten Drittel sehr berührend und endet irgendwie anders, als ich
gedacht habe.
Mein Fazit: Ein großartiges Debüt mit einer sehr berührenden
Geschichte. Neben einer sympathischen Hauptfigur und seinem Ideenreichtum gibt
es einen intensiven Einblick in das heutige Indien mit all seine Farben und
Facetten. Es wird ernst und auch erschütternd, aber dann auch (durch Jais Ideenreichtum)
wieder hoffnungsvoll – insgesamt sehr emotional. Der Schreibstil ist beeindruckend –
detailreich, bildgewaltig und klar. Ein wertvolles Buch, das berührt und man so
schnell nicht vergisst. Lesehighlight!
Meine Bewertung:

Titel: Die Detektive vom Bhoot-Basar
Autorin: Deepa Anappara
Genre: Roman / Gegenwartsliteratur
Seitenanzahl: 400
Verlag: Rowohlt
Erstveröffentlichung: 10.03.2020

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