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Die Bibliothek zwischen Leben und Tod
Stell dir vor, auf dem Weg ins Jenseits gäbe es eine riesige Bibliothek, gesäumt mit all den Leben, die du hättest führen können. Buch für Buch gefüllt mit den Wegen, die deiner hätten sein können.
Hier findet sich Nora Seed wieder, nachdem sie aus lauter Verzweiflung beschlossen hat, sich das Leben zu nehmen. An diesem Ort, an dem die Uhrzeiger immer auf Mitternacht stehen, eröffnet sich für Nora plötzlich die Möglichkeit herauszufinden, was passiert wäre, wenn sie sich anders entschieden hätte. Jedes Buch in der Mitternachtsbibliothek bringt sie in ein anderes Leben, in eine andere Welt, in der sie sich zurechtfinden muss. Aber kann man in einem anderen Leben glücklich werden, wenn man weiß, dass es nicht das eigene ist?
(Quelle: Klappentext - Droemer Knaur-Verlag)
Mich begeistern die Bücher von Matt Haig schon seit vielen Jahren – umso gespannter war ich auf sein neuestes Buch: Die Mitternachtsbibliothek erzählt eine berührende Geschichte mit einem besonderen Was wäre wenn?-Szenario.
„Zwischen Leben und Tod liegt eine Bibliothek“, sagte sie. „Und diese Bibliothek besteht aus endlosen Regalen. Jedes Buch bietet dir die Chance, ein anderes Leben auszuprobieren, das du hättest leben können. Die Chance, zu sehen, wie alles gekommen wäre, wenn du andere Entscheidungen getroffen hättest … Hättest du irgendetwas anders gemacht, wenn sich ungeschehen machen ließe, was du heute bereust?“ – Seite 9/40, eBook
Hauptfigur ist die 35-jährige Nora Seed, die seit einiger Zeit mit dem Verlauf ihres Lebens hadert – sie ist unglücklich, bereut vieles und fragt sich oft, was gewesen wäre, wenn sie an bestimmten Punkten in ihrem Leben andere Entscheidungen getroffen hätte. Schließlich kommt der Tag, wo alles über sie hereinbricht und sie tief in ihre Depression versinkt. Sie sieht keinen anderen Ausweg mehr, als ihr Leben zu beenden.
„Sieben Stunden bevor sie beschloss zu sterben, befand sich Nora im freien Fall und hatte niemanden, mit dem sie reden konnte.“ – Seite 28, eBook
Doch anderes als erwartet, findet sich Nora plötzlich in der Mitternachtsbibliothek wieder, die zwischen Leben und Tod existiert – dort trifft sie auf die damalige Schulbibliothekarin Mrs Elm. Diese erklärt ihr, dass in den endlosen Regalen Bücher stehen, die ihr Leben zeigen, wenn sie andere Entscheidungen getroffen hätte.
„Jedes Leben umfasst Millionen von Entscheidungen. Manche groß, manche klein. Doch jedes Mal, wenn man einer Entscheidung den Vorzug vor einer anderen gibt, verschiebt sich das Resultat. Es tritt eine irreversible Veränderung ein, die wiederum zu weiteren Veränderungen führt. Diese Bücher sind Portale in all die Leben, die dir offengestanden hätten.“ (Mrs Elm) – Seite 41, eBook
Und so beginnt für Nora eine Reise in verschiedene Leben – und diese überraschen sie. Sie findet Antworten auf die Was wäre wenn?-Fragen. Wir LeserInnen lernen Nora immer besser kennen, und bekommen Einblicke in ihre Gedanken, es ist auf gewisse Weise spannend, ihren Weg zu verfolgen. Schließlich kommt sie zu einer ganz bestimmten Erkenntnis…
Matt Haig ist hier wieder ein ganz besonderes Werk gelungen. Flüssig geschrieben und in den einzelnen Situationen immer mit den richtigen Worten: manchmal sensibel in den sehr traurigen Situation am Beginn des Buches, mal etwas philosophisch, manchmal magisch und auch irgendwie fesselnd. Auch wenn es zu Anfang nicht so wirkt, es ist ein wirklich lebensbejahendes Buch, was nachdenklich macht und sehr berührt. Das Ende ist stimmig und hat einfach gepasst.
„Vielleicht gibt es kein Leben, das perfekt zu ihr passte, aber irgendwo gab es doch sicherlich ein Leben, das zu leben sich lohnte.“ – Seite 200, eBook
Mein Fazit: Ein wundervolles Buch, das berührt – mal traurig, mal philosophisch, mal magisch und auf besondere Weise auch packend. Matt Haig widmet sich hier der Frage, wie das Leben aussehen würde, wenn man manche Entscheidungen anders getroffen hätte. Eine großartige Geschichte, die zugleich eine wichtige Botschaft vermittelt und auch Mut macht. Ein Lesehighlight!
Meine Bewertung:
Titel: Die Mitternachtsbibliothek
Autor: Matt Haig
Genre: Roman/Gegenwartsliteratur
Seitenanzahl: 320
Verlag: Droemer Knaur
Erstveröffentlichung: 01. Februar 2021

Hi Nicole!
AntwortenLöschenFreut mich, dass dir das Buch so gut gefallen hat! Ich hab es auch sehr gerne gelesen, wobei ich manchmal das Gefühl hatte, dass es etwas zu viel an Leichtigkeit in sich hat. Aber ich denke, das wollte er auch so.
Wobei es mir ein bisschen so vorkam, als bräuchte man nur den Willen, damit alles besser "aussieht" oder besser "läuft", wenn man nur diese Erkenntnis bekommt, aber so einfach ist es oft leider nicht.
Dennoch ein schönes Buch :)
Liebste Grüße, Aleshanee
Hi Aleshanee,
Löschenklar, da hast du natürlich recht - so einfach ist das natürlich nicht.
Aber wie du schon sagst: Ich denke auch, dass sollte in diesem Buch so sein. Es ist ein sehr berührendes Buch.
Hast du von ihm schon das Buch "Ziemlich gute Gründe, am Leben zu bleiben" gelesen? Da schreibt Matt Haig über seine Depressionen und gibt hilfreiche Tipps. Ein sehr wertvolles Buch.
Liebe Grüße
Nicole
Ich kenn zwar schon ein paar Bücher von ihm, aber das noch nicht. Werde ich mir mal merken :)
LöschenHey Nicole,
AntwortenLöschendas Buch sieht man aktuell ja wirklich überall. :D
Ich muss gestehen, dass ich von Matt Haig noch kein einziges Buch gelesen habe. Das muss ich wohl bald mal ganz schnell ändern. "Die Mitternachtsbibliothek" klingt auf jeden Fall sehr gut. :)
Hab einen tollen Dienstag.
Ganz lieben Gruß
Steffi
Hi Steffi,
Löschenschön, von dir zu lesen. :)
Ich bin ja begeisterte Matt Haig-Leserin - neben seinen Romanen sind auch seine Sachbücher/Ratgeber sehr lesenswert ("Ziemlich gute Gründe, am Leben zu bleiben" und "Mach mal halblang. Anmerkungen zu unserem nervösen Planeten").
Ja, "Die Mitternachtsbibliothek" ist wirklich ein wundervolles Buch, was ich nur empfehlen kann. :)
Liebe Grüße und noch eine schöne Woche!
Nicole