Sonntag, 13. Juni 2021

Rezension zu "Das Buch des Totengräbers" von Oliver Pötzsch

 

Zum Buch

Die Totengräber-Serie - Band 1


1893: Augustin Rothmayer ist Totengräber auf dem berühmten Wiener Zentralfriedhof. Ein schrulliger, jedoch hochgebildeter Kauz, der den ersten Almanach für Totengräber schreibt. Seine Ruhe wird jäh gestört, als er Besuch vom jungen Inspektor Leopold von Herzfeldt bekommt. Herzfeldt braucht einen Todes-Experten: Mehrere Dienstmädchen wurden ermordet – jede von ihnen brutal gepfählt. Der Totengräber hat schon Leichen in jeder Form gesehen, kennt alle Todesursachen und Verwesungsstufen. Er weiß, dass das Pfählen eine uralte Methode ist, um Untote unter der Erde zu halten. Geht in Wien ein abergläubischer Serientäter um? Der Inspektor und der Totengräber beginnen gemeinsam zu ermitteln und müssen feststellen, dass sich hinter den Pforten dieser glamourösen Weltstadt tiefe Abgründe auftun …
(Quelle: Klappentext - Ullstein-Verlag)



Das Buch des Totengräbers ist der Auftakt einer neuen historischen Krimireihe von Oliver Pötzsch. Einer der Hauptfiguren ist der junge Polizeiagent Leopold von Herzfeldt, der von Graz nach Wien gekommen ist, um dort die örtliche Polizei zu unterstützen. Als eine Dienstmagd brutal ermordet aufgefunden wird, macht sich Leo direkt an die Spurensicherung: Beweise sammeln, Fotografien anfertigen und den Tatort absperren, so wie er es in Graz bei seinem Mentor gelernt hat. Doch bei seinen Kollegen stößt er mit seinen modernen Ermittlungsmethoden auf taube Ohren und macht sich unbeliebt. Daher wird er zunächst mit einem anderen Fall betraut, bei dem er die Hilfe von Augustin Rothmayer benötigt: Dieser arbeitet seit zwanzig Jahren als Totengräber auf dem Wiener Zentralfriedhof. Auch wenn er zunächst abweisend und wortkarg wirkt, hat er ein erstaunliches Wissen rund um den Tod – von Todesursachen bin hin zu den verschiedenen Verwesungsstufen – Rothmayer plant, sein Wissen in einem Buch festzuhalten und macht regelmäßig Eintragungen.
Doch nicht nur die mysteriöse Auferstehung eines todgeglaubten Mannes, sondern auch weitere Morde an jungen Frauen halten Herzfeldt in Atem – bald führen ihn seine Ermittlungen in eine Richtung, wie sie schockierender nicht sein kann…

Angesiedelt am Ende des 19. Jahrhunderts in Wien, ist Oliver Pötzsch wieder ein sehr guter historischer Krimi gelungen. Die damalige Atmosphäre fängt er sehr gut ein, dazu gibt es viele detailreiche Beschreibungen – sowohl von den Tatorten, als auch von den verschiedenen Schauplätzen, wie etwa der Wiener Zentralfriedhof. Damals schon groß und sehr verschachtelt angelegt, ist dieser im Jahr 1893 gerade mal zwanzig Jahre alt.

Zusammen mit Leopold von Herzfeld und Augustin Rothmayer spielt auch die junge Telefonistin Julia Wolf eine zentrale Rolle. Neben den aktuellen Entwicklungen in den Mordfällen, die immer rätselhafter werden, haben jeder der Hauptfiguren noch mit Ereignissen aus der Vergangenheit zu kämpfen, jeder hat Geheimnisse, die nach und nach ans Licht kommen.

„Der Name hatte etwas in Augustin ausgelöst, er hatte ein altes, verrostetes Uhrwerk in Gang gesetzt. Erinnerungen waren zurück gekommen, Erinnerungen, von denen Augustin geglaubt hatte, er hätte sie so gut begraben wie den untersten Sarg eines sieben Fuß tiefen Schachtgrabs.“ – Seite 106, eBook



Zu Anfang etwas schleppend, nimmt die Handlung langsam an Fahrt auf und es gibt einige überraschende Entwicklungen. Oft wird es etwas brutal und blutig, zudem sind einige Abschnitte manchmal ziemlich heftig. Am Ende laufen dann die anfangs lose wirkenden Fäden gekonnt zusammen.

„Es war, als wurden all seine Theorien plötzlich in einem anderen Licht erstrahlen, wie ein Vexierbild, das sich, sobald man blinzelte, in ein gänzlich neues Bild verwandelte.“ – Seite 304, eBook


Sehr gut eingefügt hat der Autor die damaligen Entwicklungen der Fotografie und auch des Fahrrads. Zudem lässt sich spannend verfolgen wie langsam die moderne Spurensicherung in die Ermittlungen Einzug erhält.


Mein Fazit: Mysteriöse Mordfälle, interessante und geheimnisvolle Hauptfiguren sowie gut beschriebene Schauplätze - ein gelungener Auftakt der neuen historischen Krimireihe von Oliver Pötzsch. Anfangs zunächst etwas schleppend, nimmt die Handlung nach und nach an Fahrt auf – es ist interessant zu verfolgen, wie sich letztendlich alles zusammenfügt. Lesenswert!


Meine Bewertung:




Titel: Das Buch des Totengäbers - Ein Fall für Leopold von Herzfeldt
Autor: Oliver Pötzsch
Genre: Historischer Krimi
Seitenanzahl: 468
Verlag: Ullstein
Erstveröffentlichung: 31. Mai 2021


Vielen Dank an die Ullstein Buchverlage und Netgalley für das Rezensionsexemplar!

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