Dienstag, 1. Juni 2021

Rezension zu "Das Damengambit" von Walter Tevis


Zum Buch



Ein Erfolg mit Schattenseiten


Mit acht entdeckt Beth Harmon im Waisenhaus zwei Möglichkeiten, der harten Realität zu entfliehen: die grünen Beruhigungspillen, die den Kindern täglich verabreicht werden. Und Schach. Das Mädchen ist ein Ausnahmetalent und gewinnt Turnier um Turnier, mit 16 spielt sie gegen lauter erwachsene Männer um die US-Meisterschaft. Ihr Weg führt steil nach oben, doch bei jedem Schritt droht der Abgrund von Sucht und Selbstzerstörung. Denn für Beth steht viel mehr auf dem Spiel als Sieg und Niederlage.

(Quelle: Klappentext - Diogenes Verlag)






Auf die Geschichte Das Damengambit bin ich durch die gleichnamige und sehr erfolgreiche Netflix-Serie aufmerksam geworden, die im Oktober 2020 veröffentlicht wurde. Bisher habe ich diese noch nicht gesehen, da ich zuerst das Buch lesen wollte. Nun erschien im Mai 2021 (im Original bereits im Jahr 1983) der Roman erstmals auf Deutsch im Diogenes Verlag.
Dem im Jahr 1984 verstorbenen Autor Walter Tevis ist hier ein Meisterwerk gelungen: Von Anfang an ist Das Damengamit ein atmosphärisch dichtes Buch mit einer starken Hauptfigur.

Diese ist die zu Anfang achtjährige Elizabeth „Beth“ Harmon, die nach dem überraschenden Tod ihrer Mutter zur Vollwaise wird. Fortan lebt sie in einem Waisenhaus, in dem sie ein grauer und harter Alltag erwartet. Zudem bekommen die Kinder dort jeden Tag Vitamin- und auch Beruhigungspillen. Eines Tages beobachtet sie, wie der Hausmeister Mr. Shaibel im Keller vor einem Brett mit Figuren sitzt – genau dieses weckt das Interesse von Beth. Von da an entdeckt sie nach und nach ihre Leidenschaft zum Schachspiel und wird durch starken Ehrgeiz zu einem Ausnahmetalent in ihren jungen Jahren.


„Mr. Shaibel starrte auf das Brett, dann stieß er verärgert seinen König um. Keiner der beiden sagte etwas. Es war Beths erster Sieg. All die Spannung war wie weggeblasen, und Beth spürte in sich etwas Wunderschönes, so schön wie noch nie in ihrem Leben.“ – Seite 15/16, eBook

„Dann richtete sie ihren Blick und ihre Aufmerksamkeit wieder auf das Brett mit den zweiunddreißig Figuren, von denen jede ihre ganz eigene Kraft ausstrahlte.“ – Seite 19, eBook


Die Handlung beginnt in Beth‘ Kindheit, die nicht immer einfach war und begleitet sie über gut zehn Jahre bis zu ihrem 18. Lebensjahr. In diesen Jahren besteht ihr Alltag aus Turnieren und Beth ist erfolgreicher denn je. Doch der Erfolg hat auch Schattenseiten – das Mädchen droht regelmäßig in eine gefährliche Spirale aus Sucht und Selbstzerstörung zu rutschen. Freud und Leid liegen hier oft nah beieinander, plötzlich ist auch ihr Talent in Gefahr…
Schafft sie es, eine gesunde Balance in ihrem Leben zu finden?

Im Mittelpunkt steht natürlich auch das Schachspiel. Auch wenn man sich nicht mit dem Spiel auskennt, ist alles spannend zu verfolgen – Beth‘ Gedankenzüge, in dem sie ein Spiel durchspielt und alles durchdenkt, ist brillant geschrieben. Zudem erfahren wir einiges über Schach-Variante – sehr interessant, ohne zu ausschweifend zu werden.

Die oftmals detailreich beschriebenen Schachpartien sind packend zu verfolgen, man fiebert förmlich mit Beth mit:

„Die Dame drohte nun den Turm zu nehmen, fesselte den b-Bauern und konnte sich mit Schach den Läufer schnappen. Beth sah Beltik an. Den Blick starr auf das Brett gerichtet krempelte er die Ärmel hoch. Seine Uhr tickte.“ – Seite 87, eBook


Mein Fazit: Ein atmosphärisch dichter Roman mit einer starken Hauptfigur, die ihre Liebe zum Schach entdeckt. Beth‘ Lebensweg ist spannend zu verfolgen – mal dramatisch und traurig, aber auch spannend mit einigem Erfolg. Das Buch lässt sich flüssig lesen, auch für diejenigen, die kein Schach spielen können, sehr spannend. Lesenswert!


Meine Bewertung:




Titel: Das Damengambit
Autor: Walter Tevis
Genre: Roman / Drama
Seitenanzahl: 416
Verlag: Diogenes
Erstveröffentlichung: 1983
Deutsche Erstveröffentlichung: 26. Mai 2021



Vielen Dank an den Diogenes-Verlag für das Rezensionsexemplar!

5 Kommentare:

  1. Huhu!

    Freut mich sehr dass es dir so gut gefallenn hat, ich bin auch total begeistert!
    Und die Serie ist auch absolut gelungen und hat sich sehr ans Buch gehalten. Beides richtig super!

    Liebste Grüße, Aleshanee

    AntwortenLöschen
  2. Hi Nicole!

    Hast du eigentlich zwischenzeitlich die Serie angeschaut?

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hi Aleshanee,

      ja, die serie habe ich inzwischen geschaut und finde, dass sie richtig gut umgesetzt wurde. :)
      Liebe Grüße
      Nicole

      Löschen
  3. Liebe Nicole

    Aleshanee hat mich auf deine Rezension aufmerksam gemacht, weil du zuerst das Buch gelesen und dann erst die Serie gesehen hast. Bisher habe ich nämlich nur Rezensionen gelesen von Fans, welche die Serie bereits gesehen und erst nachher zum Buch gegriffen haben.

    Es freut mich sehr, dass dir das Buch so gut gefallen hat und dass du ihm fünf Sterne gibst. Ich habe nämlich insgeheim angenommen, dass man - wenn man zuerst die Serie geschaut hat - das Buch wesentlich lieber mag, als wenn man es ohne die Bilder im Hinterkopf liest. Dem ist offensichtlich überhaupt nicht so und ich werde nun die Augen nach dem Buch offen halten ;-)

    Alles Liebe an dich
    Livia

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Livia,

      schön, dass du bei mir vorbei geschaut hast! :)
      Ich hatte mir von Anfang an vorgenommen, zuerst das Buch zu lesen. Ich fand es anschließend total spannend, die Serie mit dem Buch zu vergleichen.

      Ich fand das Buch sehr gut umgesetzt - von den Charakteren bis hin zu den Schauplätzen und auch die einzelnen Schachspiele. :)

      Weißt du schon, ob zu lieber zuerst das Buch lesen oder doch erst die Serie schauen willst? Ich finde, dass bei dieser Story tatsächlich beides sehr gut möglich ist.

      Viele liebe Grüße! :)
      Nicole

      Löschen