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Ein Leben in 29 Geschichten
Drei Heldentaten habe sie in ihrem Leben vollbracht, erklärt Helga Schuberts Mutter ihrer Tochter: Sie habe sie nicht abgetrieben, sie im Zweiten Weltkrieg auf die Flucht mitgenommen und sie vor dem Einmarsch der Russen nicht erschossen. In kurzen Episoden erzählt Helga Schubert ein deutsches Jahrhundertleben – ihre Geschichte, sie ist Fiktion und Wahrheit zugleich. Als Kind lebt sie zwischen Heimaten, steht als Erwachsene mehr als zehn Jahre unter Beobachtung der Stasi und ist bei ihrer ersten freien Wahl fast fünfzig Jahre alt. Doch vor allem ist es die Geschichte einer Versöhnung: mit der Mutter, einem Leben voller Widerstände und sich selbst.
(Quelle: Klappentext - dtv Verlag)
In diesem besonderen Buch erzählt die Autorin Helga Schubert neunundzwanzig Geschichten: Von kleinen Anekdoten, Erinnerungen an bestimmte Zeiten und Momentaufnahmen aus ihrem Leben und das ihrer Mutter – von schönen Momenten, aber auch traurigen.
Von den Entbehrungen im zweiten Weltkrieg über eine dramatische Flucht und dem Leben in der DDR – inzwischen ist die Autorin 81 Jahre alt und blickt auf ein bewegtes Leben zurück – Bruchstücke daraus hat sie in kurzen Episoden zusammengefasst – detailreich geschrieben, gleichzeitig klar und ohne Schnörkel.
„Ich bin ein Kriegskind, ein Flüchtlingskind, ein Kind der deutschen Teilung. Auch heute noch, dreißig Jahre nach dem 9. November 1989, sehe ich aus dem Zugabteil die Grenze von damals leibhaftig, auf dem Todesstreifen sind die Sträucher und Bäume noch jünger, erst DANACH angepflanzt.“ (aus KEINE ANGST) – Seite 16, eBook
„Ich habe so viele Ursprünge, meine Wurzeln schleppe ich als Drachenschwanz verborgen immer mit mir.“ (aus MEINE HEIMAT) – Seite 74, eBook
Mal berührend, mal traurig und nachdenklich machend und auch mal schön: Die Erzählungen sind facettenreich, ziemlich unterschiedlich, aber immer interessant und lesenswert – ab und an auch mit einer poetischen Note.
Besonders die letzte Geschichte Vom Aufstehen ist sehr ergreifend – mit dieser hat sie im Jahr 2020 den Ingeborg-Bachmann-Preis gewonnen. Diese Erzählung gibt dem Buch einen schönen, runden Abschluss.
„In diesen Stapeln um mich herum ist das Leben meiner Mutter geronnen. Sie kann nicht mehr darüber bestimmen. Aber ich kann die bunten, orientalischen Hochzeitstücher darüberbreiten, die ich auf dem Flohmarkt am Berliner Preußenpark gekauft habe. (…)
Ihr Leben von über hundert Jahren wird unter diesen Hochzeitstüchern liegen wie in kostbaren farbigen Meereswellen. Es ist meine Schatzkammer.“ (aus VOM AUFSTEHEN) - Seite 131/132, eBook
Mein Fazit: In neunundzwanzig Geschichten erzählt die Autorin über ihr Leben – mal berührend, dramatisch und nachdenklich, aber auch mal schön und etwas poetisch. Durch den detaillierten und klaren Schreibstil lässt sich das Buch flüssig lesen. Bis auf einige wenige haben mir die autobiografischen Erzählungen sehr gut gefallen - eine Leseempfehlung!
Meine Bewertung:
Titel: Vom Aufstehen
Autorin: Helga Schubert
Genre: Autobiografiesche Erzählungen / Kurzgeschichten
Seitenanzahl: 224
Verlag: dtv
Erstveröffentlichung: 18. März 2021

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