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Von Vergangenem und einer Lebenskrise
Toni ist ein Antiheld, der das Leben nicht liebt. Als Philosophielehrer an einem Gymnasium in Madrid lebt er nach einer Trennung alleine, mit Hund, und fasst einen Entschluss: Er will seinem Leben ein Ende setzen. In genau 365 Tagen. Am 31. Juli beginnt das letzte Jahr, und dieser Roman hat 365 Kapitel, eins für jeden Tag. Die ersten Monate sind für Toni geprägt von Erinnerungen an seine Familie in der wechselhaften spanischen Geschichte, Beobachtungen seiner Landsleute und Erlebnissen, die ihn in seiner Weltsicht bestärken. Doch dann kommt es zu einer unerwarteten Begegnung mit einer Frau, deren Hund auch Toni heißt. Ein Zeichen! Und mit einem Mal gerät Tonis Plan ins Wanken. (Quelle: Inhaltsangabe - Rowohlt Verlag)
Von Fernando Aramburu ist mit noch gut sein Roman Patria in Erinnerung geblieben. Ein sehr bewegendes Buch. Gespannt war ich nun auf sein neuestes Werk Die Mauersegler. Neugierig gemacht hat mich das wunderschöne Cover und natürlich der Klappentext, von dem ich mir eine bewegende Geschichte versprach.
Hauptfigur hier ist der vierundfünfzigjährige Toni, der in einer großen Lebenskrise steckt. Er beschließt, in genau einem Jahr sein Leben zu beenden und beginnt, ein Tagebuch zu führen. Neben vielen Erinnerungen an seine Kindheit, an seine ersten Jahre als Vater und seiner gescheiterten Ehe, schildert er auch aktuelle Ereignisse, wie die unerwartete Begegnung mit einer Frau, dessen Hund zufällig so heißt wie er selbst…
Das Buch ist in insgesamt 365 Kapitel aufgeteilt, die überwiegend kurzgehalten sind, beginnend mit dem 1. August 2018. Die Idee finde ich gut, allerdings wird hier vieles ziemlich durcheinandergeworfen. Die Hauptfigur erzählt mal von den aktuellen Geschehnissen, dann von anderen Erlebnissen aus seiner Jugend, dann wieder aus seiner Kindheit – ich fand es ziemlich wirr und es gab keinen roten Faden – übersichtlicher wäre eine chronologische Reihenfolge der Schilderungen aus der Vergangenheit gewesen.
Zudem muss ich leider sagen, dass ich mich mit der Hauptfigur – dem Ich-Erzähler Toni –oft schwer getan habe: Einerseits ist dieser ziemlich ehrlich und beschreibt alles ungeschönt, gleichzeitig sind seine Ansichten und Gedanken oft ziemlich erschreckend und sehr abwertend anderen Menschen gegenüber. Er ist leider absolut unsympathisch und die Abneigung gegen alle und alles wird besonders in der ersten Hälfte des Romans deutlich. Auf den ersten Seiten empfindet man noch Mitleid, da er keine einfache Kindheit hatte, aber die Gedankengänge und auch so manche Handlungen in seiner Vergangenheit sind fragwürdig und irgendwann zu viel.
Es gab ab und an mal einzelne Kapitel, die interessant waren, wie die kleinen Abschnitte mit den Mauerseglern.
„Ich liebe Mauersegler. Sie fliegen unermüdlich, frei und fleißig. (…) Bald werden sie ihren alljährlichen Wanderausflug in den Süden aufnehmen.“ – Seite 129, eBook
Dem Roman fehlte leider das gewisse Etwas: Eine bewegende Handlung, die einen auf besondere Art fesselt. Ich lese gerne umfangreiche und ausführliche Bücher, hier ziehen sich die knapp 830 Seiten jedoch sehr, da einfach vieles durcheinandergewürfelt ist.
Mein Fazit: Leider ein Buch, das mich nicht so überzeugen konnte. Die Idee der Geschichte und auch, diese in 365 Kapitel aufzuteilen, fand ich super – leider ist die Umsetzung nicht so gut gelungen. Eine unsympathische Hauptfigur und wild durcheinander geworfene Momentaufnahmen aus dessen Leben lassen das eine Jahr ziemlich lang wirken. Es fehlte der rote Faden und das gewisse Etwas. Obwohl die Story viel Potential hätte und das Cover wunderschön ist, bin ich mit diesem Buch leider nicht warmgeworden. Dahingegen kann ich Fernando Aramburus Buch Patria sehr empfehlen.
Meine Bewertung:
Titel: Die Mauersegler
Autor: Fernando Aramburu
Genre: Roman / Gegewartsliteratur
Seitenanzahl: 832
Verlag: Rowohlt
Erstveröffentlichung: 13. September 2022

Bedauerlich, ich habe mir etwas mehr erhofft;(
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