Donnerstag, 21. Juni 2018

Rezension zu "Ich und die Menschen" von Matt Haig

Zum Buch

Das Mensch-sein und seine Tücken

Andrew Martin ist dreiundvierzig Jahre alt und Professor für Mathematik in Cambridge. Zurzeit widmet er sich der Lösung für das größte Problem in der Mathematik – und findet sie. Doch viel weiter kommt er nicht, denn in einer regnerischen Nacht nimmt plötzlich ein hochintelligentes Wesen von einem anderen Stern Besitz von ihm und ist mit einem ganz bestimmten Auftrag auf die Erde geschickt worden. Doch bevor es diesen erfüllen kann muss er sich erstmal ans Menschsein gewöhnen, denn der neue Andrew hält nicht viel von Menschen – jeder weiß schließlich, dass sie zu Egoismus und übermäßigem Ehrgeiz neigen. Doch dann entdeckt der neue Andrew seine Vorliebe für Erdnussbutter und sieht auch vieles weitere plötzlich mit anderen Augen…



„Ich wollte ihr nicht auf irgendeine Art näherkommen. Es wäre meiner Mission ganz abträglich, wenn ich ihr gegenüber irgendeine Form von Sympathie oder auch nur Empathie entwickeln würde. Zugegeben, das war unwahrscheinlich. Ihre völlige Fremdartigkeit verstörte mich. Andererseits war das ganze Universum unwahrscheinlich, und doch war es fast unbestreitbar da.“ – Seite 69


Nachdem mich vor kurzem Matt Haigs neuer Roman Wie man die Zeit anhält so begeistert hatte, war ich sehr gespannt auf eines seiner älteren Werke: Ich und die Menschen erzählt die besondere Geschichte eines Mathematikprofessors, der eines Tages nicht mehr er selbst ist. Denn ein Wesen von einem anderen Stern und überlegender Intelligenz hat Besitz von ihm ergriffen. Zunächst ist dieses vom plötzlichen „Mensch-sein“ sehr abgestoßen und hat nichts als Verachtung für diese Lebensform übrig. Doch nach und nach lernt er diese besser kennen und merkt, dass die Menschen doch gar nicht so schlecht sind. Doch dann ist da noch eine Sache: Er wurde mit einem Auftrag zur Erde geschickt, der schwere Folgen hat…
Das Buch ist in der Ich-Perspektive geschrieben  - aus Sicht des Wesens, das nun das Leben von Andrew übernommen hat. Es ist sehr interessant (und etwas unheimlich), welche Eindrücke das andere Lebewesen von den Menschen hat. Mal sehr skurril, mal humorvoll und auch mal ernst und traurig. Ich persönlich habe mich mit dem Anfang des Buches sehr schwer getan. Irgendwie ist alles etwas wirr formuliert – dieses legt sich aber glücklicherweise und die Geschichte wird sehr gut verständlich. Manche Momente sind sogar sehr berührend:


„Auf der Erde waren die Augen am wichtigsten. Darin sah man den Menschen, und das Leben in ihm. Und jetzt sah ich ihn, diesen verwirrten, sensiblen Jungen, und einen Moment lang spürte ich die erschöpfte, staunende Liebe eines Vaters.“ – Seite 209






Besonders gefallen haben mir auch die „97 Ratschläge für einen Menschen“, die man im letzten Drittel des Romans findet. (Seite 324)


Mein Fazit: Ein besonderer Roman, der eine außergewöhnliche Geschichte erzählt: Die Menschen aus der Sicht einer außerirdischen Lebensform – sehr schräg und humorvoll, aber auch ernst und sogar manchmal berührend. Nach kleinen Anfangsschwierigkeiten ein sehr gut zu lesender Roman, der mir wirklich gut gefallen hat.



Meine Bewertung: 






Titel: Ich und die Menschen
Autor: Matt Haig
Genre: Gegenwartsliteratur
Seitenanzahl: 352
Verlag dtv
Erstveröffentlichung: 01. April 2014


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