Freitag, 25. Mai 2018

Rezension zu "Wie man die Zeit anhält" von Matt Haig

Zum Buch

Alter und Zeit…

Auf den ersten Blick ist Tom Hazard ein ganz gewöhnlicher Mensch: Gerade hat er eine Stelle als Geschichtslehrer an einer Londoner Schule angenommen. Denn niemand kennt sich in der Geschichte sich gut aus wie er – hat er doch vieles selbst miterlebt. Denn Tom hat ein Geheimnis – er ist bereits 439 Jahre alt, sieht aber aus wie vierzig. Er hat schon viele Berühmtheiten er- und überlebt, nach gut acht Jahren nimmt er jedesmal eine neue Identität an. Über die vielen Jahrhunderte hinweg hat Tom sich meist von anderen Menschen ferngehalten, eine nähere Bindung wäre zu gefährlich gewesen - darunter leidet er zunehmend. Doch dann lernt er die Frau Camille kennen – und damit ändert sich alles schlagartig… 



„Je länger man lebt, desto schwerer wird es. Sie festzuhalten. Jeden Moment aufzufangen, wenn er kommt. In etwas anderem zu leben als in der Vergangenheit oder der Zukunft. Im Hier und Jetzt zu sein.“ – Seite 27


Von Matt Haig konnten mich bereits seine Bücher Ziemlich gute Gründe, am Leben zu bleiben und Die Radleys begeistern – auch sein neuester Roman Wie man die Zeit anhält hat mich sehr beeindruckt. Eines vorab: Die Hauptfigur Tom Hazard ist zwar über 400 Jahre alt, aber er ist kein Vampir oder ähnliches – warum er so alt ist, wird schon auf den ersten Seiten beantwortet. Es ist spannend, seine Geschichte zu verfolgen. In seinem neuen Leben arbeitet er als Geschichtslehrer und ist dafür nach London zurück gekehrt, da er mit dieser Stadt ganz besondere Erinnerungen verbindet – diese drohen ihn oft zu überwältigen. Neben den aktuellen Geschehnissen gibt es immer wieder Rückblicke in seine Vergangenheit – in verschiedene Jahrhunderte und deren Begebenheiten. Diesen Wechsel finde ich sehr gut, denn so erfährt man Stück für Stück etwas aus Toms Leben und warum vieles so ist wie es heute ist. Als Camille in sein Leben tritt, wird plötzlich alles anders für ihn…
Der Schreibstil ist toll – flüssig zu lesen, mit einer gewissen Ruhe und Intensität schafft es Matt Haig, den Leser zu fesseln. Gleichzeitig ist es ein sehr warmherziger Roman.
Die Covergestaltung ist sehr gelungen – der Schattenumriss eines Mannes, der am Zifferblatt einer großen Uhr lehnt, spiegelt das Thema des Romans unheimlich gut wieder: Zeit.




„Jahrelang habe ich mir eingeredet, dass die Traurigkeit der Erinnerungen schwerer wiegt und länger anhält als die wenigen Augenblicke des Glücks. Und so habe ich in einer brachialen Berechnung der Emotionen beschlossen, dass es besser ist, keine Liebe oder auch nur Freundschaft anzustreben.

Doch in letzter Zeit ahne ich, dass man Gefühle nicht berechnen kann. In dem man sich vor Schmerz schützt, schafft man einen neuen, tieferen Schmerz. Es ist ein Dilemma.“ – Seite 159


Mein Fazit: Ein wundervoller Roman über einen Mann, der über 400 Jahre alt ist und den Sinn des Lebens sucht. Es ist eine interessante Geschichte, deren Hauptfigur über die Jahrhunderte hinweg viel erlebt hat – der Wechsel zwischen Gegenwart und Vergangenheit ist sehr gelungen. Ein fesselndes und gleichzeitig warmherziges Buch, das auf ganzer Linie überzeugt.  


Meine Bewertung: 






Titel: Wie man die Zeit anhält
Autor Matt Haig
Genre: Roman
Seitenanzahl: 384
Verlag dtv
Erstveröffentlichung: 20. April 2018


4 Kommentare:

  1. Liebe Nicole, wie schön, dass das Buch bei dir in den besten Händen ist!
    Liebe Grüße, Heike

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    1. Liebe Heike,

      Ja, es hat mir unheimlich gut gefallen. Vielen lieben Dank für den Tausch! Es hat jetzt einen Ehrenplatz im Regal. :)

      Liebe Grüße
      Nicole

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  2. Liebe Nicole,

    von diesem Roman habe ich schon einige lobende Stimmen gehört. Deine Rezi liest sich so, das ich glaube, dieser Roman wäre auch was für mich.

    LG Barbara

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    1. Liebe Barbara,

      ich kann mir gut vorstellen, dass dir das Buch ebenfalls gefallen könnte. :)

      Liebe Grüße
      Nicole

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