Sonntag, 13. Mai 2018

Rezension zu "Cyril Avery" von John Boyne

Zum Buch

Das Leben des Cyril Avery

Irland: Schon bei seiner Geburt im Jahr 1945 ist klar, das der Junge Cyril Avery es nicht immer leicht in seinem Leben haben wird. Als uneheliches Kind zur Welt gekommen, wird er von einem exzentrischen Dubliner Ehepaar adoptiert. Doch das Zuhause mit Liebe und Geborgenheit, das er sich wünscht, hat er dort nicht. Jahre später lebt Cyril in dann einem Internat, wo er schließlich Julian Woodbead wiedersieht, der ihm von einem Treffen aus seiner Kindheit noch in Erinnerung geblieben ist. Obwohl sie so verschieden sind, werden die beiden Zimmergenossen die besten Freunde. Doch Cyril merkt schnell, dass er mehr als nur Freundschaft für Julian empfindet. Als schließlich auch diese Verbindung auseinandergeht, beschließt Cyril, das Land zu verlassen. Seine Reise führt ihn schließlich an verschiedene Orte, wo er hofft, ein glückliches Leben führen zu können…


„Ich empfand Wärme, Freundschaft und Glück, und all das für einen Fremden, für einen Mann, dessen wirklichen Namen ich wahrscheinlich nicht einmal kannte.“ (Cyril) – Seite 182, eBook

„Das Schweigen war schlimmer als alles.“ - Seite 183, eBook


Von John Boyne ist mir der Roman Der Junge im gestreiften Pyjama noch gut in Erinnerung geblieben – ein Buch, das man nicht so schnell vergisst. Nun bin ich auf sein neustes Werk aufmerksam geworden: Cyril Avery ist ein 736 Seiten umfassender Roman, der den Lebensweg eines Jungen beschreibt, der es nicht immer einfach hatte im Leben. Das Buch, das im Deutschen den Namen der Hauptfigur als Titel trägt, beginnt im Jahr 1945 kurz vor Cyrils Geburt. Schon diesen ersten Einblick in das Leben seiner leiblichen Mutter hat eine gewisse Intensität. In der Ich—Perspektive aus Cyrils Sicht geschrieben, bekommt man einen detaillierten Einblick in sein Leben. Die Abschnitte sind im 7-Jahres Rhythmus verfasst und führen bis ins Jahr 2015. Eindringlich schildert John Boyne hier das Leben des Jungen mit allen Höhen und Tiefen, mit schockierenden und dramatischen Erlebnissen, aber auch mit einigen glücklichen Ereignissen und Momenten.
Ich gebe zu, dass ich mich mit machen Stellen in der ersten Hälfte des Romans etwas schwer getan habe: Manchmal wurden mir die Beschimpfungen und Ausdrücke etwas zu viel, auch mit manchen Nebencharakteren bin ich zuerst nicht richtig warm geworden. Doch Cyril als Hauptfigur ist stark und sympathisch – als Leser hofft man die ganze Zeit, dass er sein Glück findet.
Die zweite Hälfte hat mir deutlich besser gefallen – Es wird lesenswerter und konnte mich nochmal richtig packen. Auch die Menschen, die dann in Cyrils Leben auftauchen, sind gut beschrieben.


„Und dann wandte er sich mir zu und lächelte mich auf eine Weise an, die mir sagte, dass er in diesem Moment niemanden auf der Welt lieber sah als mich.“ (Cyril) – Seite 280, eBook


Mein Fazit: Ein besonderes Buch, das mich nicht so schnell loslassen wird. Beeindruckt haben mich der intensive und packende Schreibstil Boynes, sowie die gut ausgearbeitete Hauptfigur, die man in allen Lebenslagen erlebt – man leidet und freut sich mit ihm. Die Handlung hat viele Facetten – es passiert schreckliches, es wird dramatisch und auch mal sehr emotional. Aber auch glückliche Momente tauchen in Cyrils Leben auf. Nachdem ich mich mit einigen Stellen aus der ersten Hälfte etwas schwer getan habe, fand ich den zweiten Abschnitt wiederum sehr packend.
Auch wenn ich einen Stern abziehe, ist es dennoch ein sehr lesenswertes Buch und kann es empfehlen!

Meine Bewertung: 



Titel: Cyril Avery
Autor: John Boyne
Genre: Roman / Gegenwartsliteratur
Seitenanzahl: 736
Verlag: Piper
Erstveröffentlichung: 02. Mai 2018


Vielen Dank an den Piper-Verlag  und Netgalley für das Rezensionsexemplar!

2 Kommentare:

  1. Ich habe schon sehr lange kein Buch mehr gelesen, das das Leben eines Menschen komplett von der Geburt bis ins Alter verfolgt. Das hier reizt mich aber schon sehr und ich habe es mir mal auf die Leseliste gesetzt. Gut zu wissen, dass man bei eventuellen Längen am Anfang nicht gleich aufgeben sollte!
    Komm gut in die neue Woche.
    LG Gabi

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    1. Hallo Gabi,

      ja, das fand ich auch besonders interessant - vorallem das Ende ist sehr gelungen. Das hat mich mit den kleinen Schwächen dann wieder versöhnt. Es lohnt sich auf jeden Fall. :)

      Liebe Grüße
      Nicole

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