Montag, 28. Mai 2018

Rezension zu "Kleine Feuer überall" von Celeste Ng

Zum Buch

Trügerische Idylle und Geheimnisse

In Shaker Heights, einem fortschrittlichen Vorort von Cleveland, wird nichts dem Zufall überlassen – vom Außenanstrich der Häuser über die Rasenhöhe bis hin zum Alltag der Bewohner – alles ist haargenau durchgeplant. Für Elena Richardson ist es der perfekte Ort – mit ihren vier Kindern, ihrem beruflich erfolgreichen Ehemann und einem großen Haus hat sie eine Familie wie aus dem Bilderbuch.
Doch Mrs. Richardson hat auch ein gutes Herz – somit vermietet sie eine Wohnung an die alleinerziehende Künstlerin Mia Warren und deren 15-jährige Tochter Pearl. Über die Zeit wächst ihr besonders Pearl sehr ans Herz und versucht mehr über das Mutter-Tochter-Gespann herauszufinden. Sie gräbt tief in Mias mysteriöser Vergangenheit und wird fündig – und von diesem  Zeitpunkt an ändert sich einiges und nichts wird mehr so sein, wie es mal war…


„In jenem Sommer redeten alle in Shaker Heights darüber, wie Isabelle, das jüngste Kind der Richardsons, endgültig durchdrehte und das Haus abfackelte.“ – Seite 9


…schon dieser erste Satz hat eine Sogwirkung und gibt einen Hinweis darauf, dass die scheinbar so perfekte Idylle in einem Vorort von Cleveland mit ihrem Bilderbuchfamilien trügt. Man merkt schnell, dass es unter der makellosen Oberfläche brodelt und die nach außen hin heile Welt doch deutliche Risse hat.
Die Handlung beginnt ruhig – man lernt die Umgebung, deren Bewohner und alles Wichtige drum herum kennen. Nach und nach entwickelt sich die Geschichte und nimmt einen Verlauf, der überraschend ist. So manches lang gehütetes Geheimnis wird gelüftet.








Wie schon in ihrem Debüt Was ich euch nicht erzählte überzeugt Celeste Ng hier wieder mit einem sehr guten und intensiven Schreibstil – er ist zwar detailreich und ausführlich, aber nie langatmig. Und in einer dichten und leicht unheilvollen Atmosphäre, die sich über den ganzen Roman legt, nimmt das Drama schließlich seinen Lauf. Auch die Rückblicke in die Vergangenheit einiger Personen sind gut eingearbeitet und löst so manches Rätsel. Sehr gelungen sind ebenfalls die Beschreibungen der Kunstwerke und gestalteten Fotos von Mia, die hier die ein oder andere Rolle spielen.


„Sie hatte einen Fehler gemacht: Das hier war eine Privatangelegenheit, etwas, das zwischen ihnen hätte bleiben sollen, und durch die Einbeziehung der Richardsons hatte sie eine Grenze überschritten, die unantastbar war. Als sie die entschlossene Miene und den leeren Blick ihrer Mutter sah, war ihr klar, dass es keinen Zweck hatte, weiter zu fragen.“  - Seite 115/116


Mein Fazit: Ein gelungenes und atmosphärisch dichtes Drama, das man am liebsten in einem Rutsch durchlesen möchte. Eine emotionale Geschichte, eine scheinbar perfekte Idylle, die trügt – und zwar gewaltig. Der Schreibstil ist ruhig, detailliert und fesselnd  und macht Kleine Feuer überall zu einem besonderen und sehr lesenswerten Buch!


Meine Bewertung: 





Titel: Kleine Feuer überall
Autorin: Celeste Ng
Genre: Roman / Drama
Seitenanzahl: 384
Verlag: dtv
Erstveröffentlichung: 20. April 2018




Vielen Dank an dtv für das Rezensionsexemplar!



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