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Trügerische Idylle und Geheimnisse
In Shaker Heights, einem fortschrittlichen Vorort von
Cleveland, wird nichts dem Zufall überlassen – vom Außenanstrich der Häuser
über die Rasenhöhe bis hin zum Alltag der Bewohner – alles ist haargenau
durchgeplant. Für Elena Richardson ist es der perfekte Ort – mit ihren vier
Kindern, ihrem beruflich erfolgreichen Ehemann und einem großen Haus hat sie
eine Familie wie aus dem Bilderbuch.
Doch Mrs. Richardson hat auch ein gutes Herz – somit
vermietet sie eine Wohnung an die alleinerziehende Künstlerin Mia Warren und
deren 15-jährige Tochter Pearl. Über die Zeit wächst ihr besonders Pearl sehr
ans Herz und versucht mehr über das Mutter-Tochter-Gespann herauszufinden. Sie
gräbt tief in Mias mysteriöser Vergangenheit und wird fündig – und von diesem Zeitpunkt an ändert sich einiges und nichts wird
mehr so sein, wie es mal war…
„In jenem Sommer redeten alle in Shaker Heights darüber, wie Isabelle, das jüngste Kind der Richardsons, endgültig durchdrehte und das Haus abfackelte.“ – Seite 9
…schon dieser erste Satz hat eine Sogwirkung und gibt einen
Hinweis darauf, dass die scheinbar so perfekte Idylle in einem Vorort von
Cleveland mit ihrem Bilderbuchfamilien trügt. Man merkt schnell, dass es unter
der makellosen Oberfläche brodelt und die nach außen hin heile Welt doch
deutliche Risse hat.
Die Handlung beginnt ruhig – man lernt die Umgebung, deren
Bewohner und alles Wichtige drum herum kennen. Nach und nach entwickelt sich
die Geschichte und nimmt einen Verlauf, der überraschend ist. So manches lang
gehütetes Geheimnis wird gelüftet.
Wie schon in ihrem Debüt Was ich euch nicht erzählte überzeugt Celeste Ng hier wieder mit einem sehr guten und intensiven Schreibstil – er ist zwar detailreich und ausführlich, aber nie langatmig. Und in einer dichten und leicht unheilvollen Atmosphäre, die sich über den ganzen Roman legt, nimmt das Drama schließlich seinen Lauf. Auch die Rückblicke in die Vergangenheit einiger Personen sind gut eingearbeitet und löst so manches Rätsel. Sehr gelungen sind ebenfalls die Beschreibungen der Kunstwerke und gestalteten Fotos von Mia, die hier die ein oder andere Rolle spielen.
„Sie hatte einen Fehler gemacht: Das hier war eine Privatangelegenheit, etwas, das zwischen ihnen hätte bleiben sollen, und durch die Einbeziehung der Richardsons hatte sie eine Grenze überschritten, die unantastbar war. Als sie die entschlossene Miene und den leeren Blick ihrer Mutter sah, war ihr klar, dass es keinen Zweck hatte, weiter zu fragen.“ - Seite 115/116
Mein Fazit: Ein gelungenes und atmosphärisch dichtes Drama, das
man am liebsten in einem Rutsch durchlesen möchte. Eine emotionale Geschichte,
eine scheinbar perfekte Idylle, die trügt – und zwar gewaltig. Der Schreibstil
ist ruhig, detailliert und fesselnd und
macht Kleine Feuer überall zu einem besonderen und sehr lesenswerten Buch!
Meine Bewertung:
Titel: Kleine Feuer überall
Autorin: Celeste Ng
Genre: Roman / Drama
Seitenanzahl: 384
Verlag: dtv
Erstveröffentlichung: 20. April 2018


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